Es wäre ein noch besseres Jahr für die Kantonspolizei Solothurn geworden, wenn die Einbrüche nahe an der französischen Grenze nicht so stark zugenommen hätten. Denn eigentlich meldet die Polizei eine erfreuliche Bilanz in ihrer Kriminalitätsstatistik 2014: Die Straftaten gingen im Kanton um 11,7, die Einbrüche um 7 Prozent zurück. 1817 Einbruchdiebstähle gab es im vergangenen Jahr, 2013 waren es noch 1950.

Im Bezirk Dorneck haben die Einbrüche 2014 massiv zugenommen, nämlich um satte 47 Prozent. Besonders betroffen waren Dornach, Rodersdorf und Hofstetten-Flüh. In den neun anderen Solothurner Bezirken dagegen gingen die Einbruchszahlen zurück – um bis zu 25 Prozent. Nach wie vor aber weisen neben den Städten auch Gemeinden nahe an Autobahnausfahrten wie Oensingen und Egerkingen eine hohe Dichte an Straftaten aus.

Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Schweizer Grenzwache in Basel des Grenzwachtkorps, ist nicht überrascht, dass die Gemeinden entlang der Grenze zu Frankreich stärker betroffen sind. «Inzwischen haben wir auch schon Kriminaltouristen festgestellt, die mit der Billigfluglinie in Basel-Mulhouse landeten und in die Schweiz einreisen wollten.» Die Ermittlungen seien grundsätzlich schwierig. «Täter und Diebesgut sind oft nicht zusammen unterwegs. Es handelt sich nicht um Einzeltäter, sondern um professionelle Gruppen.»

«Die innereuropäische Mobilität beeinflusst unsere Kriminalitätslage immer stärker», sagt denn auch Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalabteilung bei der Kantonspolizei. «Diese Personen delinquieren in der Schweiz und gehen dann weiter nach Frankreich und Spanien. Sie sind für uns dann nicht mehr greifbar.» Ermittlungen seien denn auch schwieriger und aufwendiger. «Oft hinterlassen Täter keine Spuren, sind nur kurze Zeit in der Schweiz.» Das zeigt sich letztlich auch bei der Aufklärungsrate von Einbrüchen: Jeder zehnte Einbruchsfall wird im Kanton gelöst. Stark zugenommen hat im Kanton denn auch die Zahl von Beschuldigten aus Rumänien. Es waren 84, im Vorjahr waren es noch 64.

Weitaus am häufigsten wird in Einfamilienhäuser eingebrochen (698 Fälle), gefolgt von Mehrfamilienhäusern (384), Betriebsräumen (144) und Verkaufsräumen (120).

Pikett-Einsatzgruppe abgeschafft

Bewährt haben sich laut der Kapo im Kampf gegen Einbrecher und Kriminaltouristen sowohl die Schwerpunktsetzung als auch die verstärkte innerkantonale Zusammenarbeit. Gerade im Dorneck ist die Polizei nicht untätig geblieben: Kommandant Thomas Zuber hat in der zweiten Jahreshälfte 2014 Mannstunden «im vierstelligen Bereich» nördlich des Juras zur Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt. Damit verbunden war eine Pikett-Einsatzgruppe. Für diese wurde bei Bedarf auch Polizisten von der anderen Seite des Juras ins Schwarzbubenland verschoben. – Inzwischen läuft das Projekt nicht mehr. Dafür soll die Zusammenarbeit mit der Grenzwache intensiviert werden, auch wenn Zuber dazu noch keine konkreten Details hat. Noch keine konkreten Details gibt es zur künftigen Zusammenarbeit.

Klar ist für Zuber allerdings: «Sie wird intensiviert werden.» Nach wie vor werden mit der Grenzwache und der Baselbieter Polizei gemeinsamen Kontrollen durchgeführt. Im Gegensatz zu ihren Baselbieter Kollegen verzichtet die Kantonspolizei auf den Einsatz von Precops, einer Software, die Daten auswertet und voraussagen soll, in welchen Quartieren ein Einbruch erfolgen könnte. «Wir beobachten zuerst die Entwicklung in anderen Kantonen», sagt Thomas Zuber.

Der Kommandant der Kantonspolizei hatte am Dienstag auch gute Nachrichten für das Dorneck: Seit Anfang 2015 hat nämlich eine Trendwende stattgefunden. Es gab einen massiven Rückgang der Einbrüche: Bis zum 20. März gingen diese im Dorneck nämlich um 71 Prozent zurück. Für Zuber ist klar: «Das hängt auch damit zusammen, dass die Kantone Schwerpunkte gesetzt haben.» Dabei gilt auch. «Ein Kanton profitiert vom anderen. Und umgekehrt.» Im ganzen Kanton haben die Einbruchszahlen im gleichen Zeitraum um 30 Prozent abgenommen.

«Weniger Arbeit gibt es auch bei der Abnahme der Zahlen nicht», sagt Zuber. Er will konsequent auf eine starke Prävention setzen. «Dort haben wir noch Potential.» Er ist überzeugt, dass diese in fast allen Bereichen der Polizeiarbeit – von der Strasse bis zur Häuslichen Gewalt – wirksam ist – und gerade bei der subjektiven Sicherheitswahrnehmung der Bevölkerung Eindruck hinterlässt. Die Polizei bietet in diesem Bereich denn auch gratis Sicherheitsberatungen für Private an. 364 waren es 2014. 2012 noch 253.