Verstoss gegen Jugendschutz

Jeder vierte Betrieb verkaufte unrechtmässig Alkohol oder Tabak

Vorgesetzte Personen machen sich strafbar, wenn sie ihre Mitarbeitenden nicht ausreichend über die gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen informieren. (Symbolbild)

Vorgesetzte Personen machen sich strafbar, wenn sie ihre Mitarbeitenden nicht ausreichend über die gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen informieren. (Symbolbild)

Testkäufe im Kanton Solothurn zeigen ein grosses Verbesserungpotenzial. Durchgeführte Testkäufe legen nämlich dar, dass in etwas mehr als einem Viertel der 419 getesteten Verkaufsstellen unrechtmässig Alkohol oder Tabak an Jugendliche verkauft wurde.

Der Kanton Solothurn hat im letzten halben Jahr mit verschiedenen Suchthilfeinstitutionen, dem Blauen Kreuz und der Kantonspolizei Testkäufe für den Jugendschutz durchgeführt. Getestet wurde in Gastrobetrieben, im Detailhandel sowie an Veranstaltungen.

Die Alkohol-Testkäufe der Polizei ergaben, dass in etwas mehr als einem Viertel der 419 getesteten Verkaufsstellen unrechtmässig Alkohol oder Tabak an Jugendliche verkauft wurde. In 46 Betrieben wurden 17 Mal alkoholische Getränke an unter 16-Jährige verkauft, heisst es in einer Mitteilung. Gegen das fehlbare Personal seien Anzeigen erstattet und Bussen ausgesprochen worden.

Das Dilemma mit dem Ausweis

Oft erhalten Jugendliche auch Alkohol, weil Verkäufer falsch oder gar nicht erst rechnen. Jugendpolizei-Chef Marcel Dubach beobachtete Erstaunliches bei den Testkäufen: Beim Verkauf von Alkohol verlangten Verkäufer zwar den Ausweis, achteten dann jedoch nicht auf das Alter der Lockvögel. Die Jugendlichen erhielten die gewünschten Getränke trotzdem. Dubach kann nur spekulieren, wie dieser Effekt zu erklären ist. «Viele Verkäufer denken wohl, dass das Alter schon stimmen wird, wenn ein Jugendlicher seinen Ausweis zeigt.»

Dem Problem entgegenwirken können moderne Kassensysteme, bei denen die Verkäufer das erforderliche Geburtsdatum für den Alkohol-Kauf ablesen können.

Helfen Testkäufe und Bussen für Verkäufer, den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen einzudämmen? Die Erfahrungen anderer Kantone deuten zumindest darauf hin. Für Christian Bachmann von der Solothurner Präventionsfachstelle ist es wichtig, mit allen Mitteln auf die Einhaltung der Gesetze hinzuarbeiten. «Verkaufsstellen erhalten nach jedem Testkauf eine Rückmeldung», sagt Bachmann. Die regionalen Suchthilfe-Organisationen schulen Läden und Gastrobetriebe zudem kostenlos im Umgang mit Jugendlichen und Alkohol.

Chef im Nacken

Der Reiz des Verbotenen, Gruppendruck oder Grenzen ausloten: Es gibt viele Gründe, warum Jugendliche versuchen, an Bier oder Schnaps zu kommen. Dass es immer gelingt, dürfte auch mit dem Druck zu erklären sein, dem Verkäufer ausgesetzt sind. Sie sind es, die sich den Jugendlichen stellen und Härte zeigen müssen. Christian Bachmann von der kantonalen Fachstelle Prävention weiss: «Gerade bei Veranstaltungen mit ehrenamtlichen Verkäufern ist das oft nicht einfach.»

Manchmal haben Verkäufer auch ihren Chef im Nacken. Ein Barkeeper unter Umsatzdruck verkauft eher mal ein Bier an zu junge Gäste. Darum müsse auch bei Wirten, Veranstaltern und Verkaufsleitern angesetzt werden, sagt Bachmann.

Vorgesetze machen sich strafbar, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht ausreichend über die gesetzlichen Jugendschutz-Bestimmungen informieren. Die Staatsanwaltschaft informiert das kantonale Amt für Wirtschaft zudem über fehlbare Betriebe. Im äussersten Fall kann einem Händler sogar das Patent zum Verkauf von Alkohol entzogen werden.

Gesetz verbietet Verkauf 

Das Gesetz verbietet den Verkauf von Tabakwaren und alkoholischen Getränken an Jugendliche unter 16 Jahren (Wein, Bier) und den Verkauf von Schnaps, Aperitifs und Alcopops an unter 18-Jährige.

Um die Einhaltung des Jugendschutzes zu prüfen, werden die Testkäufe durchgeführt. Hier werden jeweils jugendliche Testkäufer beauftragt, alkoholische Getränke und Tabakwaren einzukaufen. Die Jugendlichen werden stets von einer erwachsenen Person der durchführenden Stelle instruiert.

Die Verantwortlichen der jeweiligen Betriebe wurden durch die durchführende Stelle umgehend mündlich oder schriftlich über den erfolgten Testkauf informiert. (sva/ldu)

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