Verlagerung

Jeder vierte Arbeitsplatz bei Mitel verschwindet

Mitel will am Standort Solothurn 20 bis 80 Arbeitsplätze abbauen. (Symbolbild)

Mitel will am Standort Solothurn 20 bis 80 Arbeitsplätze abbauen. (Symbolbild)

Der Standort Solothurn des kanadischen Telekommunikationskonzerns Mitel schrumpft weiter. 20 der derzeitigen 80 Arbeitsplätze werden gestrichen.

«Die Salamitaktik der Mitel ist schockierend», sagt Zabedin Iseini, Regionsverantwortlicher Olten-Solothurn der Gewerkschaft Syna. Er reagiert damit auf die Ankündigung eines weiteren Abbaus von Arbeitsplätzen in der Schweiz. Demnach soll die Belegschaft von aktuell 136 Mitarbeitenden um rund 20 Prozent reduziert werden.

Ein Grossteil des Abbaus erfolge in Solothurn am Hauptsitz der Mitel Schweiz AG. «Wir werden in Solothurn 20 der 80 Arbeitsplätze streichen», bestätigt Ulrich Blatter, Managing Director bei Mitel in Solothurn, auf Anfrage. Derzeit laufe das Konsultationsverfahren, in welchem die Belegschaft Vorschläge zur Verhinderung des Abbaus ausarbeiten könne. Dem Ergebnis will er nicht vorgreifen, aber es werde zu Entlassungen kommen.

Anzahl Stellen mehr als halbiert

Die von der Gewerkschaft kritisierte «Salamitaktik» hat einen handfesten Hintergrund. Im Februar 2014 hat der kanadische Mitel-Konzern die ebenfalls kanadische Aastra-Gruppe übernommen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Aastra in Solothurn rund 170 Mitarbeitende. Nur neun Monaten später wurden 21 Arbeitsplätze gestrichen. Und vor Jahresfrist wurde der Abbau von 25 Stellen kommuniziert. Nebst diesen Streichungen muss es wohl noch nicht kommunizierte und freiwillige Abgänge gegeben haben. Denn nach der neuesten Reorganisation wird Mitel Solothurn nur noch rund 60 Mitarbeitende zählen.

Die Konzernleitung habe beschlossen, die Logistik von Grossanlagen nach Wales zu verlagern, begründet Blatter den jüngsten Abbau. Im Zusammenhang mit der Globalisierung und der Standardisierung der Tools für Telefonzentralen für Firmen habe es ein Schweizer Standort innerhalb eines global agierenden Unternehmens generell schwer, sich zu behaupten. Zudem liessen schrumpfende Märkte im Bereich Enterprise Communications die Margen sinken und den Kostendruck gleichzeitig steigen. In Solothurn verbleibe neben dem Engineering und Entwicklung die Logistik für kleinere Anlagen, welche vorab bei KMU zum Einsatz kommen.

«In diesem Bereich sind wir mit einem Anteil von 60 Prozent klarer Marktleader in der Schweiz», so Blatter. Die Wurzeln der Solothurner Mitel reichen bis 1922 zurück. Aus der damals gegründeten Autophon entstand 1987 nach der Fusion mit Hasler und Zellweger die Ascom und 2003 hat Aastra deren Bereich Telefonzentralen übernommen. Nach dem Zusammenschluss von Mitel und Aastra ist unter dem Namen Mitel ein Milliardenkonzern entstanden.

Kann sich der Standort Solothurn längerfristig behaupten? «Wir können keine Garantie abgeben. Aber wir kämpfen um den Standort», antwortet Blatter. Der Abbau sei für die Betroffenen sehr bedauerlich, erklärt Jonas Motschi, Chef vom kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit. Es zeige sich, dass innerhalb eines globalen Konzerns «regionale Befindlichkeiten keine Rolle spielen». Man werde die Angestellten bei der Stellensuche mit allen Möglichkeiten unterstützen.

Es gebe einen Sozialplan, versichert Blatter, was Gewerkschafter Iseini bestätigt. Es sei aber sehr befremdend, wenn Mitel den Stellenabbau mit Marktveränderungen, Konkurrenz, Preisdruck und Globalisierung begründe. Diese Faktoren seien nicht neu. Vielmehr habe es Mitel versäumt, so Iseini, präventiv eine Strategie zu entwickeln, um das Unternehmen und die Belegschaft auf den sich wandelnden Markt vorzubereiten. «Die Firma hat es verpasst, vorsorglich in die Ausbildung der Mitarbeitenden zu investieren – und lässt diese nun dafür bluten.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1