Sicherheit

Jeder fünfte Zebrastreifen im Kanton Solothurn ist gefährlich

Bei der Sanierung der Fussgängerstreifen legt der Kanton Solothurn das Augenmerk auf die Schulwege.

Bei der Sanierung der Fussgängerstreifen legt der Kanton Solothurn das Augenmerk auf die Schulwege.

Auf den Fussgängerstreifen im Kanton Solothurn herrscht Handlungsbedarf. Jeder fünfte von fast 1000 Übergängen auf Kantonsstrassen gilt als unsicher. Das Problem ist immer die Sichtbarkeit. Einige Zebrastreifen wurden bereits saniert, 12 fallen weg.

Fussgänger leben auf Solothurner Strassen gefährlich. Wer eine Fahrbahn queren will, muss sich in Acht nehmen. Oft ist die Sicht so mangelhaft, dass Autofahrer die Fussgänger zu spät sehen – oder umgekehrt. Vom Spätherbst 2011 bis Frühling 2012 häuften sich die Unfälle auf Kantonsgebiet. In der Folge wurden sämtliche 949 Fussgängerstreifen auf Kantonsstrassen auf ihre Sicherheit überprüft und ein Bericht erstellt (siehe Kasten). Das Resultat: Rund 20 Prozent oder 195 Übergänge gelten als unsicher.

«Das Problem ist immer die Sichtbarkeit», sagt Rolf Ziegler, Leiter Verkehrsmassnahmen beim Kanton. Gefährlich wird es, wenn die Sicht durch eine Kurve, eine Kuppe oder Gebüsch verstellt wird. Komme hinzu, dass Fussgänger zunehmend gedankenloser die Strassen queren. «Sie sind durch Kopfhörer oder SMS abgelenkt.» 

Welch verheerende Folgen dies haben kann, zeigte im Januar 2012 ein Unfall beim Thalbrücke-Kreisel in Balsthal, als eine 17-jährige Frau mit Kopfhörern in den Ohren von einem Zug tödlich verletzt wurde. Aufgeschreckt haben kürzlich zwei Unfälle auf Fussgängerstreifen in Langendorf. Vergangenen Herbst wurde eine Seniorin beim Restaurant National von einem Lastwagen überrollt und verstarb.

Bericht ist nicht öffentlich

Der kantonale Bericht wurde bereits vor einiger Zeit fertiggestellt. Veröffentlichen will ihn der Kanton allerdings nicht. «Jede Massnahme bei Fussgängerstreifen löst emotionale Diskussionen aus», argumentiert Daniel Wassmer, Abteilungsleiter Strassenbau. Das zeigte zuletzt eine Verschiebung eines Streifens in Rüttenen; die Gemeinde weigerte sich, schliesslich verfügte der Kanton die Massnahme. Würde man sämtliche Massnahmen auf einmal kommunizieren, bestehe die Gefahr, dass trotz intensiver Diskussion keine Lösung gefunden wird, glaubt Wassmer. Man habe keine Geheimnisse. Doch der Aufwand, sämtliche Massnahmen zu erläutern, wäre zu gross. In die Überlegungen spielt auch die Finanzierung mit hinein.

Allerdings: Will eine Gemeinde wissen, welche Massnahmen ihr Gebiet betreffen, verschliesst sich das kantonale Amt nicht. «Wir haben angefragt und die Informationen erhalten, die uns betreffen», sagt etwa Gerlafingens Gemeindepräsident Peter Jordi. 

Das Amt will die Streifen dann sanieren, wenn ohnehin eine Strassensanierung angezeigt ist. Falls dies zu lange dauert oder das Risiko zu gross ist, werden allerdings provisorische Sofortmassnahmen getroffen. 2015 gibt der Kanton dafür 350 000 Franken aus. Die Gemeinden tragen im Durchschnitt rund ein Drittel der Kosten. Wie hoch die Gesamtkosten für sämtliche Sanierungen sind, ist nicht zu erfahren.

Ersatzvornahme droht

Oft reicht es, eine Reklametafel zu entfernen oder eine Hecke zurückzuschneiden, damit ein Fussgängerstreifen sicherer wird. Meist sind es diese Massnahmen, die in den Gemeinden Widerstand auslösen. So können sich Grundbesitzer aus ästhetischen Gründen weigern, ihre Thuja-Hecke gründlich zurückzustutzen. Das könne soweit führen, dass der Kanton die Arbeit von einem Dritten auf Kosten der Grundeigentümer ausführen lässt.

Die Kleinsten als Vorbild

Die Sanierung von Zebrastreifen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen unaufmerksamen Fussgängern, uneinsichtigen Grundbesitzern und Autofahrern, die sich über zu viele Hindernisse beklagen. Tatsächlich sind zusätzliche Verkehrsinseln eine häufige Massnahme, damit Autofahrer den Fuss vom Gas nehmen. Laut Studien ist das Risiko einer lebensgefährlichen Verletzung bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern fast acht Mal höher als bei Tempo 30.

Demnächst werden in Etziken und Niederbuchsiten neue Streifen mit Inseln installiert. Noch provisorisch ist der Streifen auf der Thalstrasse in Aedermannsdorf. Dieser führte über zwei Fahrspuren in gleicher Richtung. Auch dort soll eine Verkehrsinsel gebaut werden. Priorität haben für den Kanton die Fussgängerstreifen auf Schulwegen. Die Kleinsten gelten für einmal als Vorbild. Sie queren meist erst dann, wenn die Autos vollständig stillstehen. 

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