«Wir sind nach wie vor eine fast reine Hypothekenbank», sagt Rolf Kissling, Präsident des Solothurner Verbands der Raiffeisenbanken. Das Zinsgeschäft der 20 Raiffeisenbanken im Regionalverband sei mit Kundenausleihungen von insgesamt 8,3 Mia. Franken auch im Jahr 2014 deren Hauptpfeiler gewesen, wobei die Hypotheken mit 8,1 Mia. Franken den weitaus grössten Teil ausmachten. Damit ist das Zinsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gewachsen, allerdings weniger rasant als auch schon. Zum Vergleich: Von 2013 auf 2014 stiegen die Ausleihungen um 3,2 Prozent, von 2012 auf 2013 hatte die Zunahme 4,1 Prozent betragen.

«Die Revision des Raumplanungsgesetzes hat sicher den prognostizierten Bauboom ausgebremst», erklärt Andreas Anderegg, der ohnehin nie mit diesem Boom gerechnet hatte. Dies sei im Hypothekargeschäft spürbar, weiss Anderegg, Vorstandsmitglied und Ressortleiter Kommunikation im Regionalverband. Ebenfalls zu spüren kriege man die Auswirkungen der Masseneinwanderungsinitiative. Insbesondere Firmen zeigten sich seither etwas weniger investitionsfreudig.

Keine Panik wegen Euro

Die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank sei dagegen ein Ereignis, das noch nicht klar zu greifen sei, wie Kissling und Anderegg erörtern. «Die Frage ist nun, ob es zu einem Wirtschaftsrückgang kommt. Das würde natürlich die Banken belasten», so Kissling. «Aber dazu kann man keine zuverlässigen Prognosen machen. Wir müssen uns jetzt gut vorbereiten und abwarten.»

Die Hausaufgaben hätten die Raiffeisenbanken in den dreieinhalb Jahren der Euroanbindung bereits gemacht, ergänzt Anderegg. So habe man den Geschäftsaufwand auf 59 Prozent des Betriebsertrages weiterhin senken können, allerdings ohne dabei beim Personal zu sparen. Die Anzahl Mitarbeiter hat sich sogar von 479 auf 481 erhöht.

«Es ist jetzt wichtig, dass die Banken nach dem ersten Schock weiterhin mit Vernunft handeln», sagt Anderegg. Es sei keine Panik ausgebrochen, kein Kampf, in dem man um jeden Preis möglichst viel Wachstum zu generieren versuche. «Wir wollen weiterhin gute Margen erzielen.» Was man etwa in der Raiffeisenbank Wasseramt Mitte in Derendingen am stärksten gespürt habe, war der Ansturm der Kunden, die Euro wechseln wollten. «Am Donnerstag und Freitag nach dem Entscheid der SNB konnten wir die Nachfrage nicht mehr decken. Wir hatten nachmittags schlicht keine Euro mehr.»

Mitgliederzuwachs hält an

Der Zukunft blicken die «Raiffeiseler» gelassen entgegen. «Wir haben mit 684 Mio. Franken mehr als doppelt so viel Eigenkapital wie rechtlich vorgeschrieben», kommt Kissling auf den Abschluss 2014 der Raiffeisenbanken im Regionalverband zurück. Das sei eine beruhigende Kennzahl. Auch sonst kann sich der Abschluss sehen lassen. Die konsolidierte Bilanzsumme ist um 3,9 Prozent auf 9,4 Mia. Franken gestiegen, der Bruttogewinn um 2 Prozent auf 55 Mio. Franken. Der Erfolg aus dem Zinsgeschäft ist zwar um 0,5 Prozent auf 118 Mio. Franken gesunken, jener aus dem Kommissionsgeschäft dafür um 8,1 Prozent auf 9 Mio. geklettert.

Und auch bei den Genossenschaftern gab es wieder Zuwachs. Die Banken sind um gesamthaft 279 Mitglieder auf 112 260 Mitglieder gewachsen, was jedoch deutlich unter dem Wachstum des Jahres 2013 liegt: Damals gab es 1092 neue Genossenschafter. «Die Genossenschaftsstruktur und die Kundennähe ist unser Erfolgsmodell», versichert Anderegg.

Sponsoring bis ins Lokale

Da zum Solothurner Verband der Raiffeisenbanken noch einige Banken im Oberaargau und Aargau gehören, nicht aber jene im Schwarzbubenland, ist ein Vergleich mit der Kantonsbevölkerung nicht adäquat. Wie Kissling aber weiss, leben im Verbandsgebiet rund 323 000 Einwohner. Davon sind 210 000 Menschen Raiffeisenkunden und besagte 112 260 davon Genossenschafter. Somit sind rund 35 Prozent der Einwohner im Verbandsgebiet Mitglieder bei einer Raiffeisenbank.

«Unser Standortmarketing ist sehr stark», sagt Rebecca Baumann, Vorstandsmitglied und Ressortleiterin Marketing. Die Zeiten, als die Raiffeisenbanken laufend neue Kundschaft gewannen, ohne dafür die Werbetrommel rühren zu müssen, seien vorbei. «Das Marketing ist heute ein wichtiges Instrument», das nebst Grossanlässen, die von Raiffeisen Schweiz gesponsert werden, getreu der Raiffeisen-Philosophie auch auf lokaler und regionaler Ebene sehr ausgeprägt sei. So liege es grundsätzlich im Ermessen jeder Bank im Regionalverband, welche Events, Organisationen oder Vereine sie unterstützen wolle. Solche Beiträge beliefen sich im Verbandsgebiet auf etwa eine Million Franken, rechnet Baumann hoch. Die Unterstützungsbeiträge, die der Verband auf Gesuche der einzelnen Banken hin sprechen, betragen rund 115 000 Franken.