Sozialhilfe
Jeder 14. Ausländer im Kanton Solothurn bekommt Geld von der Sozialhilfe

Im Jahr 2010 wurden total 7925 Personen unterstützt – 3460 davon waren Ausländer. Das entspricht einem Anteil von rund 44 Prozent aller Sozialhilfeempfänger.

Elisabeth Seifert
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Die Gemeinden haben im Jahr 2010 insgesamt 70,4 Mio. Franken für die Sozialhilfe ausgegeben. Urs Lindt

Die Gemeinden haben im Jahr 2010 insgesamt 70,4 Mio. Franken für die Sozialhilfe ausgegeben. Urs Lindt

Urs Lindt

Erstmals hat die Öffentlichkeit im Kanton Solothurn Zugang zu einer umfassenden und vollständigen Sozialhilfestatistik. Ersichtlich ist dabei auch der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer: Von insgesamt 7925 Personen, die im Jahr 2010 im Kanton Solothurn mit Sozialhilfegeldern unterstützt wurden, sind 3460 ausländischer Herkunft. Das entspricht einem Anteil von rund 44 Prozent. Gemessen an der Gruppe aller im Kanton wohnhaften Personen ohne Schweizer Pass sind 7 Prozent - oder jeder 14. Ausländer - auf Unterstützungsgelder angewiesen. Die Sozialhilfequote der Schweizerinnen und Schweizer liegt demgegenüber bei 2,2 Prozent. Der allergrösste Teil der mit öffentlichen Geldern unterstützten Ausländer besitzt dabei eine Niederlassungsbewilligung (Ausländerausweis C). Und mehr als die Hälfte kommen aus den Ländern Südosteuropas sowie der Türkei.

Schlechtere Startchancen

«Diese Zahlen entsprechen dem gesamtschweizerischen Schnitt», sagte gestern Claudia Hänzi, Leiterin Sozialleistungen und Existenzsicherung, im Amt für soziale Sicherheit (ASO). Zudem sei der Anteil der Ausländer in der Sozialhilfe in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben. Die nationale Herkunft spiegle die Zuwanderung infolge kriegerischer Konflikte in einem gewissen Zeitraum. «In einigen Jahren werden vielleicht Personen aus dem afrikanischen Raum die Hauptgruppe bilden.» Die von der Sozialhilfe lebenden Ausländer «sind nicht fauler oder weniger motiviert als Schweizer», betont Claudia Hänzi. «Viele der unterstützten Personen sind als junge Erwachsene in die Schweiz gekommen und haben hier aufgrund mangelnder Ausbildung weniger gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.»

Der Kanton nehme diese Zahlen aber nicht einfach hin, sondern fördere aktiv die Integration von ausländischen - und auch schweizerischen - Sozialhilfeempfängern, betont Hänzi. Als positives Zeichen dafür, dass dies auch wirklich gelingt, wertet sie die Zunahme des Anteils von Erwerbstätigen unter den Sozialhilfeempfängern. «Die betreffenden Personen gehen einer Arbeit nach, sind aber zusätzlich noch auf Unterstützung angewiesen.» Lag dieser Anteil in den Vorjahren bei rund 21,5 Prozent, ist er im Jahr 2010 auf 24,4 Prozent gestiegen. Der Anteil der erwerbslosen Sozialhilfeempfänger bleibt mit knapp einem Drittel relativ konstant. Das Vorhandensein von Erwerbstätigen in der Sozialhilfe zeige auf der anderen Seite aber auch eine Problematik, sagt Hänzi. So arbeiten fast 30 Prozent aller erwerbstätigen Sozialhilfeempfänger in schlecht bezahlte Jobs - befristet, auf Abruf und bei Gelegenheit. Hänzi: «Um diese Situation zu verbessern, ist die Wirtschaft gefordert.»

Steigende Sozialhilfequote

Die 7925 Personen, die im Kanton Solothurn im Jahr 2010 von der Sozialhilfe unterstützt worden sind, entsprechen 3,1 Prozent der Solothurner Bevölkerung. Damit liegt Solothurn leicht über dem Schweizer Durchschnitt von 3 Prozent. Im Jahr 2009 waren im Kanton 6940 Personen von der Sozialhilfe abhängig, das ist eine Quote von 2,8 Prozent. Wie bereits im 2009 ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger damit auch im Jahr 2010 weiter angestiegen. «Die Wirtschaftslage spiegelt sich mit einer gewissen Verzögerung auch in der Sozialhilfe», wie Claudia Hänzi festhält. Aufgrund der Zahlen des ersten Semesters 2011 dürfte die Sozialhilfequote auch im laufenden Jahr noch etwas ansteigen.

Die jungen Erwachsenen haben mit 5 Prozent die höchste Sozialhilfequote aller Altersgruppen (2009: 4,4). Ein Wert, der auch interkantonalen Vergleich «eher hoch» ist, so Hänzi. «Den genauen Gründen dafür müssen wir noch nachgehen.» Weiter zu nimmt auch der Anteil der 56- bis 64-Jährigen, die mit 2,4 Prozent (2009: 2,1) aber immer noch unter dem kantonalen Durchschnitt liegen. Die Sozialhilfequoten der Bezirke variieren zwischen 0,5 Prozent im Bucheggberg und 4,1 Prozent im Bezirk Olten. Sozialhilfequoten über dem Durchschnitt haben weiter die Bezirke Solothurn und Gösgen (beide 3,8 Prozent), Lebern (3,4 Prozent) und Wasseramt (3,2 Prozent). (esf)