Kanton Solothurn
Jede vierte Firma reagiert mit Personalabbau auf die Frankenstärke

Laut einer aktuellen Konjunktur-Umfrage der Solothurner Handelskammer haben Mitgliedsfirmenseit Mitte Januar mit Preissenkungen bei Lieferanten, Prozessoptimierungen und auch mit einem Personalabbau reagiert.

Franz Schaible
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Präzision bleibt der Trumpf der Solothurner Industrie.

Präzision bleibt der Trumpf der Solothurner Industrie.

zvg

Die Solothurner Wirtschaft wurde Mitte Januar mehrheitlich auf dem falschen Fuss erwischt: Die damalige Aufhebung der Wechselkursuntergrenze führte zu einem historischen Aufwertungsschock des Frankens. Ein halbes Jahr später wollte die Solothurner Handelskammer wissen, wo genau die Unternehmen der Schuh drückt. Die Resultate der Konjunkturumfrage geben einen spannenden Einblick in das Innenleben der befragten Firmen.

Margen- statt Mengenproblem

Insbesondere interessiert, welche konkreten Massnahmen gegen die Franken-Aufwertung ergriffen wurden. Den 55 mitmachenden Unternehmen – die Branchenzusammensetzung sei vergleichbar mit der Mitgliederstruktur der Handelskammer – standen 18 Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, wobei Mehrfachnennungen möglich waren (siehe Grafik). Demnach haben seit Mitte Januar fast drei Viertel der befragten Unternehmen bei ihren Lieferanten Preisnachlässe eingefordert. Und ähnlich viele haben ihre Prozesse weiter optimiert, um durch Rationalisierungen die Kosten zu senken. Ferner hat jedes zweite Unternehmen mit einer Senkung der Verkaufspreise reagiert. «Sei dies, um günstigere Vorleistungen an die Kunden weiterzugeben oder zulasten der eigenen Marge, damit die Aufträge gehalten werden konnten», kommentiert die Handelskammer.

Ergriffene Massnahmen gegen die Frankenstärke

Ergriffene Massnahmen gegen die Frankenstärke

szr

Druck auf das Personal

Von den Massnahmen blieb das Personal direkt oder indirekt nicht verschont. So haben 38 Prozent der Unternehmen einen Einstellungsstopp verhängt. Bei 27 Prozent ist es gar zu einer Reduktion des Personalbestandes gekommen. Dagegen wurde das Instrument der Lohnkürzungen mit 7 Prozent nur zurückhaltend eingesetzt. Den im internationalen Vergleich hohen Arbeitskosten sei eher mit einer Ausweitung der Arbeitszeiten bei gleichem Lohn entgegengetreten worden (22 Prozent), heisst es in der Auswertung der Umfrage. Die Idee von Lohnzahlungen in Euro blieb eine Idee: Keine Firma hat diese umgesetzt. Eine Aufteilung zwischen export- und binnenorientierten Firmen zeigt: Die Anteile bei fast allen Massnahmen fällt bei den international ausgerichteten Unternehmen deutlich höher aus.

Stagnierende Entwicklung

Auch bei der Gesamtbeurteilung des Geschäftsganges hinterlässt die Frankenaufwertung teilweise tiefe Spuren. Die Handelskammer spricht von «einem sehr verhaltenden Bild». Fast jedes dritte Unternehmen schätzt den Geschäftsgang im ersten Halbjahr 2015 als ungenügend bis sehr schlecht ein. Dagegen beurteilen nur 7 Prozent die Entwicklung als sehr gut und 35 Prozent als gut ein; der Rest von 28 Prozent als genügend. Auffallend ist, dass die Einschätzung einzelner Komponenten unterschiedlich ausfällt. So beurteilen nur 23 Prozent die Kapazitätsauslastung als ungenügend bis sehr schlecht. Die Umsatzentwicklung dagegen wird von 39 Prozent negativ beurteilt. Dies bestätigt, so die Handelskammer, dass die Industrie nicht primär mit einem Mengenproblem konfrontiert sei, sondern viel mehr unter einem Margenproblem leide. Noch negativer wird das erste Halbjahr von jenen Firmen beurteilt, die über die Hälfte ihrer Güter und Dienstleistungen exportiert. Umgekehrt fällt die Einschätzung je binnenorientierter desto besser aus.

Keine Verbesserung in Sicht

Das zweite Halbjahr 2015 wird von den Umfrageteilnehmern ähnlich verhalten eingeschätzt, ja sogar leicht schlechter. So ist der Anteil jener, die einen guten bis sehr guten Geschäftsgang erwarten von 42 Prozent in den vergangenen sechs Monaten auf 33 Prozent gesunken. Dies deute für die Solothurner Wirtschaft auf eine Stagnation im zweiten Semester hin, interpretiert der Wirtschaftsverband. Noch keinen Einfluss auf die Einschätzung von Anfang August hat die jüngste Erstarkung des Euro. Aktuell liegt der Kurs bei fast Fr. 1.09.

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