Die Entwicklung im Automobilbau geht rasant weiter und die Starkstrom-Autos, die ihre Motoren mit 500 Volt antreiben, erobern den Markt. «Die Hersteller schicken diese Starkstrom-Elektroautos massenweise auf unsere Strassen. Aber über die, die sie bei Pannen oder Unfällen wegräumen müssen, wurde noch nie gesprochen», gibt Christoph Schwägli, Inhaber der Wiedlisbacher Touring Garage, zu bedenken. Seit 50 Jahren betreibt die Garage einen Bergungs- und Pannendienst. 

«Alles konzentriert sich darauf, welches Auto ohne Ladestopp am weitesten kommt. Aber das Risiko, das von den chemischen Stoffen in den Batterien ausgeht, wird ausgeblendet. Wenn ein Elektroauto brennt, dann können wir nur noch weiträumig absperren und warten, bis das Feuer von selber erlischt. Wasser würde die chemische Reaktion nur noch beschleunigen.» Was passiert, wenn ein Elektroauto zum Beispiel im Belchentunnel Feuer fängt? «Dann ist eine Katastrophe, wie sie 2001 im Gotthardtunnel passiert ist, nicht auszuschliessen», sagt der Experte. «Wenn solche Batterien zu brennen beginnen, dann können Temperaturen von 1800 oder 2000 Grad entstehen. Bei solchen Temperaturen schmelzen die im Beton verarbeiteten Armierungseisen und der Tunnel muss von Grund auf saniert werden.»

«Aber auch ohne Feuer können die Starkstrom-Elektroautos für ein Bergungsteam lebensgefährlich werden», erklärt Schwägli. «Jede Berührung kann tödlich sein. Wenn es regnet, wird es bereits heikel, sich dem nassen Fahrzeug anzunähern. Und falls die Kühlflüssigkeit der Batterien ausläuft, muss ich die Feuerwehr mit Atemschutzgeräten rufen.»
Renault habe den Hauptschalter im Cockpit geschützt angebracht und der Fahrer könne den Strom bei einer Panne oder einem Unfall ausschalten.

«Viele Elektroautos haben aber den Hauptschalter ganz vorne oder hinten im Fahrzeug. So kann nach einem Auffahrunfall der Schalter zerstört sein, und die Retter, die sich einem solchen Elektroauto nähern, begeben sich in Lebensgefahr. Deshalb wird bei der Bergung von Elektroautos nicht pressiert», sagt Christoph Schwägli. «Zuerst müssen wir für die Sicherheit des Rettungsteams sorgen. Auch bei scheinbaren Bagatellen muss jeder Schritt überlegt sein. Wenn wir den Verdacht haben, dass ein Auto unter Starkstrom stehen könnte, dann heisst es für mich immer, weiträumig absperren und abwarten, bis das genaue Gefahrenpotenzial geklärt ist.»

Manchmal bleibe nichts anderes übrig, als ein defektes Starkstromauto sehr lange zu isolieren, weil jede Berührung tödlich sein könnte. Wäre für solche Fälle eine Fernbedienung denkbar, mit der ein Bergungsteam aus der Distanz die Batterien der Elektroautos abschalten könnte? Christoph Schwägli ist skeptisch: «Eine Fernbedienung wäre unser Wunsch. Aber ob das technisch möglich ist, kann ich nicht beurteilen.»