Wohnungsmarkt
Jede 43.Wohnung im Kanton Solothurn steht leer

Der Kanton Solothurn weist eine Leerwohnungsziffer von 2,3 aus. Das ist im schweizweiten Vergleich die zweithöchste Quote. In den letzten 15 Jahren standen im Kanton nie so viele Wohnungen leer wie jetzt.

Franz Schaible
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In Olten (im Bild die Überbauung SüdWest) werden viele Neuwohnungen hochgezogen. Der Anteil an leerstehenden Logis bleibt aber vergleichsweise tief.

In Olten (im Bild die Überbauung SüdWest) werden viele Neuwohnungen hochgezogen. Der Anteil an leerstehenden Logis bleibt aber vergleichsweise tief.

Bruno Kissling

Im Kanton Solothurn ist Wohnungsknappheit kein Thema. Am Stichtag 1. Juni dieses Jahres stand jede 43. Wohnung leer. Das Bundesamt für Statistik publizierte am Montag die aktuellsten Resultate der jährlich durchgeführten Leerwohnungszählung.

Demnach resultierte für Solothurn eine Leerstandsziffer – gemessen am Wohnungsgesamtbestand – von 2,3 (Vorjahr: 2,1) Prozent. Das ist die höchste Quote seit 15 Jahren. Wie im Vorjahr wurden nur gerade im Kanton Jura noch mehr unbewohnte Logis registriert. Landesweit stieg die Quote von 1,1 auf 1,2 Prozent.

Von 0 bis 8,2 Prozent

Allerdings sind die Unterschiede je nach Gemeinde riesig. Während acht Gemeinden keine einzige leere Wohnung meldeten, lag der Anteil in Flumenthal bei hohen 8,2 Prozent. Auffallend ist, dass zahlreiche Gemeinden im Grossraum Olten weit über dem Solothurner Durchschnitt liegen.

Für René Huber, Inhaber der rh Immobilien GmbH in Olten, ist klar: «In einzelnen Gemeinden wurden sehr viele Wohnungen gebaut, in Kappel beispielsweise zu viele.» Dort liegt laut Statistik der Anteil der Neuwohnungen an den leer stehenden Logis bei einem Drittel. Kantonsweit beträgt der Anteil nur elf Prozent. Es werde nicht einfach sein, diese Wohnungen zu vermieten, so Huber weiter.

Olten im Sog von Zürich

Auch im Zentrum Olten ist die Leerstandsziffer angestiegen, mit 1,2 Prozent allerdings auf unterdurchschnittlichem Niveau. Eine Ziffer zwischen 1 und 2 Prozent deutet auf einen funktionierenden Wohnungsmarkt hin. «Aufgrund von Neubauten sind endlich wieder mehr Wohnungen verfügbar als in früheren Jahren», erklärt denn auch Stadtschreiber Markus Dietler. Ob zu viele, werde der Markt zeigen. «Wir erwarten, dass die Quote in den kommenden Jahren konstant bleiben wird.»

Einerseits steige das Wohnungsangebot in den Neubaugebieten Olten SüdWest und Kleinholz weiter an. So entstehen allein auf dem ehemaligen Holcim-Areal in der ersten Etappe über 400 Neuwohnungen. Andererseits gelte Olten immer mehr als Wohnregion für den Grossraum Zürich. «Dieser Trend ist zunehmend, auch aus den anderen grossen Zentren», beobachtet Dietler.

Leerwohnungszählung wird auf neue Beine gestellt – Statistik in Revision

Die Leerwohnungsziffer wird jährlich vom Bundesamt für Statistik erhoben. Das Amt stützt sich dabei auf Meldungen der einzelnen Gemeinden. Die Ziffer zeigt an, wie viele Wohnungen jeweils am Stichtag (1. Juni), gemessen am Gesamtbestand, leer stehen. Als leer stehend gelten alle möblierten oder unmöblierten bewohnbaren Wohnungen, die zur Miete oder zum Kauf angeboten werden. Eine Quote von 1 Prozent heisst, dass eine von hundert Wohnungen unbesetzt ist.

Umstritten ist die Aussagekraft des Indikators aus zwei Gründen. Erstens sind die Erhebungsmethoden in den Gemeinden sehr unterschiedlich. Die Zählungen erfolgen etwa durch die Post (keine Postzustellung), die Elektrizitätswerke (kein Strombezug) oder durch die Einwohnerkontrolle. Zweitens sind Wohnungen, die nahtlos weitervermietet werden, nicht erfasst.

Der Leerwohnungsbestand ist also nicht mit dem Wohnungsangebot gleichzusetzen. Dies zeigt sich auch in den Inseraten für die Vermietung oder den Verkauf von Wohnungen und Immobilien. Die Anzahl der auf diesem Weg ausgeschriebenen Wohnungen ist deutlich höher als die jeweils statistisch erfassten unbewohnten Logis. Da die Zählungen aber immer auf der gleichen Methode beruhen, zeigt die Ziffer trotzdem Tendenzen auf. Die Aussagekraft soll künftig durch den Einbezug von Angebotsindikatoren verbessert werden. Die Revision ist frühestens auf 2016 geplant. (FS)

Die Gefahr eines Überangebotes wird offenbar nicht als gross eingeschätzt. Aufgrund der zentralen Lage, der optimalen Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr und den stark ansteigenden Preisen für den Wohnraum in den grossen Zentren «gehen wir davon aus, dass das Angebot in Olten auch eine Nachfrage findet», so Dietler. Olten sei «in den Sog von Zürich gekommen», bestätigt Immobilienexperte Huber. Hier habe es vergleichsweise noch bezahlbaren Wohnraum.

Die Nachfrage zeigt sich auch darin, dass sich unter den in Olten 117 leer gemeldeten Wohnungen nur gerade zwei Neuwohnungen befinden. «Wir fordern die Eigentümer älterer Wohnüberbauungen immer wieder auf, ihre Liegenschaften zu renovieren», sagt Dietler.

Dass die Bauwut im Kanton Solothurn weniger ausgeprägt ist als gesamtschweizerisch, bildet die Entwicklung der unbewohnten Neuwohnungen ab. Während deren Anzahl landesweit um vier Prozent zunahm, war sie im Solothurnischen leicht rückläufig.

Im zweijährigen Vergleich allerdings ist der Anteil der leeren Neuwohnungen um 70 Prozent gestiegen. Wurden also vermehrt unvermietbare und unverkäufliche Wohnungen gebaut? «Das trifft sicher zu», antwortet Bruno Fuchs, Präsident des Baumeisterverbandes Solothurn. Ein Überhang sei vor allem bei den den 3-4,5-Zimmer-Wohnungen zu verzeichnen. Kleinere und grössere Wohnungen seien besser ausgelastet. «Bei Neubauten sollte deshalb ein ausgewogener Mix an verschiedenen Wohnungsgrössen gewählt werden.»

Rückgang im Wohnungsbau

Den landesweit beobachteten Rückgang im Wohnungsbau spürt auch die Solothurner Bauwirtschaft. «Der Umsatz ist im ersten Halbjahr 2015 um 2,5 Prozent auf 56,8 Millionen Franken gesunken», meldet Fuchs. Bis Ende Jahr erwartet er aufgrund der Baugesuche mit einer weiteren Korrektur nach unten. Von einem massiven Rückgang oder gar einer Krise in der Bauwirtschaft will Fuchs aber nicht sprechen.

«Solange sich die Zinsen auf dem aktuell tiefen Niveau bewegen, wird die Nachfrage nicht abbrechen.» Die Kapitalanlage in Bauten bleibe attraktiv. Der aktuelle Rückgang zeige vielmehr, dass in den Vorjahren überdurchschnittlich viele Wohnungen gebaut worden seien. «Der Geschäftsgang wird sich auf das Niveau zuvor korrigieren.»