Während in den Grosszentren wie Zürich, Basel oder am Genfersee akute Wohnungsknappheit besteht, ist der Kanton Solothurn weit davon entfernt. Im Gegenteil. Am Stichtag 1. Juni 2016 standen rund 3500 Wohnungen oder jede 38. Einheit leer.

Das Bundesamt für Statistik hat gestern die aktuellsten Resultate der jährlich durchgeführten Leerwohnungszählung publiziert. Demnach resultierte für Solothurn eine Leerstandsziffer – gemessen am gesamten Wohnungsbestand von rund 132 500 Einheiten – von 2,6 Prozent. Das ist die höchste Quote seit 16 Jahren.

Nur gerade im Kanton Appenzell Innerrhoden war 2016 mit 3,6 Prozent eine höhere Leerwohnungsziffer zu beobachten. Eine Quote zwischen 1 und 2 Prozent weist auf einen funktionierenden Wohnungsmarkt hin.

Allerdings sind die Unterschiede je nach Region gross. Dies zeigt die detaillierte Auswertung der Bundesstatistiker nach Gemeinden, welche über 5000 Einwohner zählen. Die Spannweite reicht von 0,9 Prozent für Biberist bis 4,7 Prozent für Derendingen.

Erfahrungsgemäss variiert der Anteil der leerstehenden Wohnungen über alle Gemeinden gemessen noch deutlich stärker. Diese Zahlen waren aber vorerst nicht erhältlich.

Hoher Anstieg in Olten

In den drei Solothurner Städten hat sich der Wohnungsmarkt ebenfalls unterschiedlich entwickelt. So ist die Leerwohnungsziffer im Kantonshauptort von 1,3 Prozent im Vorjahr auf nun 0,8 Prozent gesunken. Dagegen stieg die Quote in Grenchen von 1,9 auf 2,4 Prozent und in Olten gar von 1,2 auf 3 Prozent.

In der Drei-Tannen-Stadt dürfte vorab die Grossüberbauung Olten SüdWest dazu geführt haben. Die erste Bauetappe umfasste über 400 Wohnungen, wovon offenbar aktuell drei Viertel vermietet sind. In Olten wurden insgesamt 314 leerstehende Wohnungen gezählt, davon waren 305 Mietwohnungen.

Ältere Wohnungen bleiben leer

Die Erhebungsmethode der Leerwohnungsziffer ist zwar umstritten. So werden beispielsweise auch jene am Stichtag leerstehenden Wohnungen mitgezählt, die auf einen späteren Zeitpunkt hin bereits vermietet oder verkauft sind. Aber weil die Daten immer auf der gleichen Methode beruhen, sind durchaus Tendenzen ablesbar.

Und diese zeigen eben, dass in gewissen Regionen sehr viele Neuwohnungen gebaut wurden. Insbesondere Mietwohnungen. Diese machen nämlich kantonsweit 89 Prozent aller leeren Logis aus. Andererseits liegt der Anteil der neuen Wohnungen (bis zweijährig) an allen unbewohnten Logis nur bei 9 Prozent. Das heisst, die Neubauten werden relativ gut absorbiert auf Kosten älterer Wohnungen. Landesweit liegt dieser Anteil bei 15,5 Prozent.

Wohnungsbau im Hoch

Und an dieser Verschiebung von älteren zu neuen Wohnungen dürfte sich vorerst nichts ändern. So ist der Umsatz der Solothurner Bauwirtschaft im ersten Halbjahr 2016 im Segment Wohnungsbau um 13 Prozent gestiegen. Und der Arbeitsvorrat per Mitte Jahr hat sich gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent erhöht, wie dem vom Baumeisterverband Solothurn publizierten Zahlenkranz zu entnehmen ist.

Bereits an der Generalversammlung der Baumeister im Frühling warnte Präsident Bruno Fuchs vor der hohen Leerwohnungsziffer. «Diese Entwicklung muss im Auge behalten werden. Jedes Bauvorhaben muss vom Investor entsprechend bewertet werden.»