Solarteur
Jan Sollberger ist einer der ersten Solarteure im Kanton

Jan Sollberger ist fast ein Pionier: Der 30-jährige Sanitär-installateur ist einer der ersten Solarteure im Kanton Solothurn. Das neue Ausbildungsmodul für Berufsleute aus den Sparten Heizung, Sanitär, Klima und Elektrotechnik wird in Bern und in Rheinfelden angeboten.

Franz Schaible
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Thomas Kläy (r.) hat mit dem zum Solarteur ausgebildeten Jan Sollberger Fachwissen in seinen Betrieb geholt.

Thomas Kläy (r.) hat mit dem zum Solarteur ausgebildeten Jan Sollberger Fachwissen in seinen Betrieb geholt.

Hansjörg Sahli

Gute Fachleute sind unabdingbar, damit die Sonnenenergienutzung in den kommenden Jahren weiter ihren wichtigen Beitrag an die Energiewende in der Schweiz leisten kann», sagt Peter Leu, Lehrgangsmeister Solarteur bei den Lehrwerkstätten Bern. Deshalb biete man seit einem Jahr die Weiterbildung zum Solarteur an. Mit Erfolg. Inzwischen haben 59 Berufsleute ihr Zertifikat erhalten (siehe Kasten).

Einer davon ist der 30-jährige Jan Sollberger. «Die erneuerbaren Energien haben ein hohes Potenzial und die Nachfrage nach solarthermischen Anlagen und Photovoltaik-Anlagen steigt», beobachtet der gelernte Sanitär-Installateur und Spengler, der seit acht Jahren bei der Kläy Haustechnik AG in Lohn-Ammannsegg arbeitet. Er bezeichnet sich aber nicht als «Solar-Missionar», sondern gibt sich pragmatisch.

Nachfrage nach dem Lehrgang ist gross

Als erster Ausbildungsträger in der Schweiz hat das Berufsbildungszentrum Fricktal in Rheinfelden die Weiterbildung zum Solarteur angeboten. Seit dem ersten Kurs im Herbst 2010 haben 84 Berufsleute aus dem Elektro-, Sanitär-, Heizungs-, Spengler- und Lüftungsbereich die Ausbildung absolviert, meldet Erika Schmid von der Schulverwaltung. An den Berner Lehrwerkstätten haben in den ersten vier Kursen im vergangenen Jahr 59 Berufsleute ihr Rüstzeug zum Spezialisten für Planung, Berechnung und Montage von Solaranlagen erworben. Insgesamt liessen sich in Rheinfelden und in Bern neun Fachkräfte aus dem Kanton Solothurn entsprechend weiterbilden.

Auch die Energieakademie in Wattwil SG und das LPTherm in Yverdon bieten die Solarteur-Ausbildung an. Die Erwartungen seien deutlich übertroffen worden, sagt Peter Leu, zuständiger Ausbildungsleiter bei den Berner Lehrwerkstätten. Für zusätzlichen Schub hätte die durch die Atom-Katastrophe in Fukushima ausgelöste Energiepolitik 2050 mit der Energiewende als Ziel gesorgt. «Viele Unternehmen sind interessiert, ihre Fachkräfte weiter auszubilden. Die erneuerbaren Energien wachsen zu einem neuen Marktsegment heran.»

250 Lektionen

Der berufsbegleitende Lehrgang dauert ein Semester, beinhaltet 250 Lektionen und kostet 6000 Franken. Unterstützt werden die Kurse durch das Bundesamt für Energie. Das Zertifikat ist europaweit anerkannt. Ziel sei, so Leu weiter, dass die Ausbildung in die hiesige Bildungslandschaft integriert und zu einem eidgenössischen Fachausweis führen werde. Bereits am Ziel ist der Gebäudetechnikverband Suissetec mit seinem Weiterbildungsangebot «Projektleiter Solarmontage». Die Anerkennung sei beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) beantragt.

Der erste Kurs ist am 7. Januar 2013 im Suissetec-Bildungszentrum in Lostorf gestartet. Diese Absolventen werden nach einer Prüfung einen eidgenössischen Fachausweis in den Händen halten, heisst es bei Suissetec. (FS)

Unabhängig von der künftigen Energiepolitik des Bundes sei Solarenergie eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Energieträgern. Das bestätigt sein Chef Thomas Kläy, der das Familienunternehmen mit 40 Angestellten bereits in der dritten Generation führt. «Um die entsprechenden Aufträge erfüllen zu können, brauchen wir das entsprechende Fachwissen im Haus», begründet er, warum er seinem Mitarbeiter Jan Sollberger die Weiterbildung ermöglichte. Solche Solaranlagen müssten sicher und zuverlässig geplant und schliesslich montiert werden, damit die Firma Qualität und Sicherheit garantieren könne.

Anspruchsvolle Ausbildung

Jan Sollberger hat die Chance gepackt, auch aus beruflichem Interesse. «Die Ausbildung war sehr anspruchsvoll und mit viel Zeitaufwand verbunden. Aber die Horizonterweiterung hat sich mehr als gelohnt», windet er den Lehrwerkstätten Bern ein Kränzchen. Er ist denn auch stolz, einer der ersten Solothurner zu sein, der die Weiterbildung zum Solarteur abgeschlossen hat. «Es ist ein gutes Gefühl.» In Bern haben bis heute erst drei Solothurner die Ausbildung abgeschlossen, im Berufsbildungszentrum Fricktal in Rheinfelden, wo der Ausbildungsgang bereits seit 2010 angeboten wird, sind es deren sechs.

Als Sanitär-Installateur und Spengler habe er zwar das Rüstzeug für die Planung und Montage von solaren Warmwasseraufbereitungsanlagen. Zunehmend wünsche der Kunde aber eine Verknüpfung mit stromproduzierenden Photovoltaikanlagen, und dazu brauche es einiges an Fachwissen in der Elektrik. «Und diese Verbindung der beiden Berufsfelder habe ich mir nun angeeignet.» Diese Kombination kommt in der Berufsbezeichnung «Solarteur» zum Ausdruck, die sich aus den Begriffen Solar und Installateur ableitet. Er könne die berufsbegleitende Weiterbildung nur empfehlen. «Ich habe sehr profitiert. Die in verschiedenen Modulen vermittelte Verbindung von Theorie und Praxis ermöglicht das Erkennen der Zusammenhänge.» Er wisse nun, wie die einzelnen Systeme funktionierten und wie sie sinnvoll kombiniert werden können.

Wissen weitergeben

Im mittelgrossen Betrieb in Lohn-Ammannsegg ist Jan Sollberger nun für den Bereich Solarenergie zuständig und begleite sämtliche Projekte. Für Geschäftsführer Thomas Kläy, der beim Erarbeiten des Weiterbildungsangebotes zum Solarteur beim Bundesamt für Energie von Beginn an mitwirkte, sieht auch Vorteile für seinen Betrieb. «Wir haben unsere Fach-Kompetenz entscheidend erhöht, und Jan Sollberger kann sein Wissen nun auch intern seinen Arbeitskollegen weitergeben.»

Dies passt zur Firmenphilosophie. Die Ausbildung von Fachkräften in Eigenregie hat beim 1932 in Biberist gegründeten Unternehmen schon fast Tradition. «Wir bilden zurzeit zehn Lernende in den Haustechnik-Berufen aus. Und die meisten bleiben nach dem Lehrabschluss bei uns.»