Rekordzahlen
Jura-Boss musste wegen Corona eine Federer-Kampagne spülen – trotzdem frohlockt der Kaffeemaschinen-Hersteller

Corona hat das Geschäft von Jura teilweise massiv beeinträchtig. Sogar eine Werbekampagne mit Tennis-Superstar Roger Federer musste deswegen abgeblasen werden. Lesen Sie hier, warum und wie es Jura trotz der Krise 50'000 Vollautomaten mehr zu verkaufen als noch 2019.

Sébastian Lavoyer
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Emanuel Probst präsentiert den Z10, den ersten Kaffee-Vollautomaten, der «Cold Brew»-Kaffee machen kann. Mitunter soll diese Innovation Jura helfen, auch 2021 neue Rekorde zu realisieren.

Emanuel Probst präsentiert den Z10, den ersten Kaffee-Vollautomaten, der «Cold Brew»-Kaffee machen kann. Mitunter soll diese Innovation Jura helfen, auch 2021 neue Rekorde zu realisieren.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit 120 km/h auf der Autobahn von Solothurn Richtung Zürich und, peng, rauschen Sie auf Höhe Wangen an der Aare in eine Nebelbank. Ungefähr so hat sich der Corona-Ausbruch und der erste Lockdown für viele Wirtschaftsführer angefühlt. Auch für Emanuel Probst, Geschäftsführer des Kaffeemaschinenherstellers Jura. Er ist es, der diese Metapher bemüht.

Das Blindmanöver scheint Probst hervorragend gelungen zu sein. Der Vollautomatenhersteller mit Sitz in Niederbuchsiten erzielte im Coronajahr einen Rekordumsatz von rund 580 Millionen Franken (+6,9% im Vergleich zum Vorjahr). Er resultiert aus dem Rekordverkauf von 448000 Vollautomaten (+50000 im Vergleich zu 2019). Gewinnzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Die eigentlich geplante Federer-Kampagne fiel Corona zum Opfer

Wie konnte das gelingen? Nun, rast man in eine Nebelbank, ist es ratsam zuerst einmal zu bremsen. Das passierte in der Wirtschaft notgedrungen. Es kam die Pandemie und kurz darauf der Lockdown. Keine Produktion mehr, kein physischer Verkauf, nichts. Die Jura-Umsätze brachen ein. In der 12. Woche 2020 um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in der 13. Woche um über 60.

Die Zeit hat Jura genutzt, um sich ein klares Bild zu machen, wo man steht und wo es hingehen könnte. Man rechnete. «Wir gingen von einem Umsatzrückgang von fast 30 Prozent aus», so Probst. Fünf Jahre Wachstum wären auf einen Schlag vernichtet gewesen. «Aber wir hätten auch so noch Gewinn gemacht», betont Probst. Deshalb gab er die Devise raus:

«Offensive ohne Rücksicht aufs Budget.»

Allein in der Schweiz wuchsen die Investitionen von 13 auf über 20 Millionen Franken an. Doch Jura reagierte nicht nur entschlossen, sondern auch schnell. Die geplante Kampagne mit Roger Federer? Gespült. Denn im Werbeclip hätte Federer bei Fremden angeklopft und nach Kaffee gefragt, da ihm dieser ausgegangen ist. Zu Coronazeiten undenkbar. Also stampfte man die «Home Office Ready»-Kampagne aus dem Boden, passte den Clip an und unterstützte mit dem neuen Format die zahlreichen Händler.

Im Testlabor füllen Roboter Kaffeebohnen nach – alles vollautomatisch

«Machen Sie Ihr Home-Office zum Chefbüro!» – so bewarb Jura ihre Kaffeemaschinen. Ein Vollerfolg. Denn gewachsen ist der Umsatz nur, weil die Lieferungen an Privathaushalte stark anstiegen. Die Lieferungen an Unternehmen gingen derweil um rund 20 Prozent zurück. «Es gab uns einen Schub, dass die Leute ihr Geld nicht für Reisen und andere Dinge ausgeben konnten», analysiert Probst.

Zudem hat Jura die 2013 lancierte Video-Verkaufsberatung «Jura Live» weltweit ausgerollt und laufend weiterentwickelt. Das hat sich insbesondere in Regionen, in denen das Geschäft ohnehin schon stark digitalisiert war, von Beginn an bemerkbar gemacht. In den USA zum Beispiel brach der Umsatz nie ein. Selbst in der Phase des Lockdowns war man immer mindestens auf Niveau 2019.

Mit Wachstum soll es weitergehen. Noch einmal 50'000 Vollautomaten mehr will Jura 2021 verkaufen (rund eine halbe Million). Obschon Probst auch grosse Herausforderungen sieht: Die Transportkosten für Container sind in die Höhe geschossen, phasenweise lagen sie zehn Mal höher als vor Corona, noch immer sind sie ein x-Faches höher. Und er sieht Anzeichen einer Inflation. «Bei den Rohstoffen erleben wir Preissteigerungen, von 10 bis 50 Prozent», sagt Probst.

Der Spatenstich für den «Jura Campus» erfolgte noch im 2019. Unterdessen steht der Rohbau schon, bis Ende 2021 soll der Campus fertig sein.
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Der Bau wird bis am Schluss zwischen 25 und 30 Millionen Franken verschlingen. Im Untergeschoss ist Platz für die Technik, im Erdgeschoss wird das mit 30 Testplätzen ausgestattete Testcenter sein und oben dran die Forschung und Entwicklung sowie Büroplätze.
Die Jura Kaffeewelt (links) wird schon bald durch den «Jura Campus» ergänzt. Auf dem Campus sollen neue Arbeitsformen möglich sein, sagt CEO Emanuel Probst. «Da können wir Stempeluhren vergessen, nur das Resultat zählt», so Probst.
So wird der Campus dereinst aussehen, wenn er im Frühjahr 2022 bezogen werden kann.

Der Spatenstich für den «Jura Campus» erfolgte noch im 2019. Unterdessen steht der Rohbau schon, bis Ende 2021 soll der Campus fertig sein.

Bruno Kissling

Wer trotzdem wachsen will, braucht einen Plan. Oder besser mehrere. Einer davon trägt den Namen Z10. Das ist die Kaffeemaschine, die Cold-Brew kann. Die Kadenz der Innovationen soll steigen. Ende 2021 wird der Jura-Campus in Niederbuchsiten fertig. Dort werden Roboter Kaffeemaschinen an bis zu 30 Testplätzen mit Kaffeebohnen bestücken, alles vollautomatisch. «Das wird megacool», frohlockt Probst.

Der Nebel hat sich längst gelichtet. Jura fährt wieder Vollgas.

Über Jura

Dank dem Fokus auf Kaffeemaschinen zum Weltplayer

Die 1931 gegründete Schweizer Jura Elektroapparate AG mit Hauptsitz in Niederbuchsiten sieht sich als Innovationsleader bei Kaffeespezialitäten-Vollautomaten. Laut eigenen Aussagen stehen die Produkte für das perfekte Kaffeeresultat aus frischen Bohnen, auf Knopfdruck und stets frisch gemahlen. Das Sortiment umfasst sowohl Vollautomaten für den Haushalt als auch professionelle Geräte für den Officebereich. Die Traditionsmarke ist in den vergangenen Jahren ein globaler Player geworden und ist weltweit in rund 50 Ländern tätig.