Jahresbericht
5 Tote auf Solothurner Strassen und verstärkte Kontrollen gegen Autoposer: Zahlen und Fakten zur Verkehrsstatistik 2020

Am Mittwoch hat die Kantonspolizei Solothurn die Verkehrsstatistik veröffentlicht. Zwar gab es weniger Unfälle, wo Autos involviert waren, die Unfälle mit E-Bikes häufen sich jedoch. Auch wurden leicht mehr Geschwindigkeitsüberschreitungen vermeldet.

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Anfang Oktober starb in Derendingen ein Mann, als er in diese Hauswand prallte.

Anfang Oktober starb in Derendingen ein Mann, als er in diese Hauswand prallte.

Kapo SO

Am Mittwoch hat die Polizei Kanton Solothurn die Polizeiliche Verkehrsstatistik (PVS) für das Jahr 2020 veröffentlicht. Sie enthält unter anderem Angaben über die Anzahl, die Art und die Ursachen von Verkehrsunfällen, über polizeiliche Kontrollen in den Bereichen Geschwindigkeit, Fahrfähigkeit und Lärm.

Verkehrsunfälle

Die Anzahl der Verkehrsunfälle im Kanton Solothurn ist im letzten Jahr gesunken. Im Jahr 2020 wurden laut der Verkehrsstatistik der Kantonspolizei Solothurn gesamthaft 1280 Unfälle rapportiert. Dies entspricht einen Rückgang von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ebenfalls rückgängig (-15 %) war die Anzahl Personen, die bei Verkehrsunfällen verletzt wurden. Dieser Rückgang ist vor allem auf die leicht verletzten Personen zurückzuführen, bei den schwer verletzten (+19%) und getöteten Personen gab es einen Anstieg. 2020 verloren 5 Personen ihr Leben (+3). «Die Zahlen der Getöteten wie auch der schwer Verletzten bewegen sich aber dennoch im Langzeitvergleich auf einem tiefen Niveau», heisst es im Bericht.

Die markanteste Zunahme von Schwerverletzten gab es bei Verkehrsunfällen, bei denen Zweiräder beteiligt waren (+18 %). Im letzten Jahr wurden 49 Unfälle mit E-Bikes vermeldet, einen Anstieg von drei Unfällen im Vergleich zum Vorjahr. Die Anzahl Fussgängern, die sich durch Verkehrsunfälle Verletzungen zuziehen, ist hingegen deutlich gesunken. Es wurden 41 Prozent weniger Unfälle mit Fussgängern vermeldet.

Hauptursache aller rapportierten Verkehrsunfälle ist die Missachtung des Vortrittsrechts.

Im Innerortsbereich sind die Einbiegeunfälle im Zusammenhang mit dem Missachten des Vortrittsrechtes der häufigste Unfalltyp, während im Ausserortsbereich nach wie vor Schleuder- und Selbstunfälle dominieren. Auf der Autobahn führt der klassische Auffahrunfall infolge Unaufmerksamkeit oder mangelndem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug am häufigsten zu Unfällen.

Geschwindigkeitskontrollen

Die Kantonspolizei führt weiterhin regelmässig Geschwindigkeitskontrollen durch. Insgesamt wurden 1'537 Geschwindigkeitskontrollen mit mobilen, semistationären und Lasermessgeräten durchgeführt. Gesamthaft wurden 206'665 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt und geahndet. Die gemessenen Spitzengeschwindigkeiten betrugen:

  • innerorts 106 km/h (erlaubt 50 km/h)
  • ausserorts 146 km/h (erlaubt 80 km/h)
  • auf der Autobahn 210 km/h (erlaubt 120 km/h)

Vier Geschwindigkeitsüberschreitungen erfüllten den Raser-Tatbestand, einer mehr als im Vorjahr.

87 Verkehrsunfälle sind im 2020 auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Dabei wurden bei 37 Kollisionen Personen verletzt.

Laut Dominik Jakob, Verkehrstechnikchef der Kantonspolizei Solothurn sind vor allem drei Orte bei Schnellfahrer beliebt: die A5 zwischen Solothurn und Grenchen, Ausserorts im Thal und am Passwang. Dabei kommen zwei Strategien ins Spiel, um Geschwindigkeitsüberschreitungen entgegenzuwirken. Einerseits werden an diesen Orten vermehrt Radarfallen eingesetzt, um Verkehrsüberschreitungen festzuhalten. Weiterhin würden, bei vermehrten Fällen, die Strassen umgebaut oder Verkehrsinseln installiert.

Bei allgemeinen Kontrollen festgestellte Widerhandlungen

Bei Polizeikontrollen wurden jede Menge Widerhandlungen festgestellt.

Widerhandlungen bei allgemeinen Kontrollen im Solothurner Strassenverkehr

Widerhandlungen 2018 2019 2020
Mangelnder Abstand354848
Vornahme einer Verrichtung8098941062
Vereiste Scheiben 'Guckloch'314574
Eisplatten auf Lastwagen243
Führen eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis10082105
Verwenden eines Telefons ohne Freisprecheinrichtung252523442997
Nichttragen der Sicherheitsgurten196219651886
Unterlassen der Richtungsanzeige178164175
Rollstopp542694
Nichtgewähren des Vortritts bei Fussgängerstreifen222828
Fahren ohne Licht bei Nacht mit Motorfahrzeug272131
Fahren ohne Licht bei Nacht mit Fahrrad/Mofa567871

Zunahmen sind bei der Vornahme einer Verrichtung und beim Verwenden eines Telefons ohne Freisprecheinrichtung zu verzeichnen. Diese Verkehrsregelverletzungen wurden bewusst fokussiert, da sie häufig zu Verkehrsunfällen führen. «Dieser Kontrollschwerpunkt wird auch im 2021 weitergeführt», so die Polizei.

Verstärkte Kontrollen wegen «Autoposern»

Das sogenannte Posen mit leistungsstarken Fahrzeugen und die damit zusammenhängenden Lärmemissionen sind in breiten Bevölkerungskreisen ein Ärgernis. «Nebst eigenen Feststellungen nahmen Meldungen bzw. Klagen aus der Bevölkerung kontinuierlich zu», schreibt die Polizei.

Die Kantonspolizei Solothurn hat dieses Problem erkannt und spezifische Kontrollen deutlich verstärkt. Die Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft und der Motorfahrzeugkontrolle (MFK) mit der Polizei sei verstärkt worden. Parallel sei auch über die Kantonsgrenzen hinaus die Zusammenarbeit bzw. der Austausch im Polizeikonkordat Nordwestschweiz rund um die Autoposer-Thematik erweitert worden.

Und hier einige Facts rund ums Autoposing

  • 181 Strafanzeigen im Zusammenhang mit Autoposing eingereicht
  • 105 Strafanzeigen infolge Verursachen von unnötigem Lärm
  • 89 Strafanzeigen wegen technischem Zustand (Abänderungen)
  • 80 Fahrzeuge wurden zuhanden der Motorfahrzeugkontrolle sichergestellt

(pks/ldu/amn)

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