«Es gibt immer wieder erstaunliche Sachen zu entdecken, sei es, weil man seinerzeit nicht darüber reden durfte, sei es, weil die Spurensuche für die Autoren zu mühsam oder wegen einer vorgefassten Meinung zu keinen neuen Erkenntnissen führt», stellte Edi Fischer an der Buchvernissage im Historischen Museum fest.

Tatsächlich hat sich der frühere Oltner Stadtarchivar Edi Fischer auf solche Spurensuche gemacht. Er sei sich dabei gelegentlich wie ein Detektiv vorgekommen, sagte er. Im neuesten Band des Jahrbuchs für Solothurnische Geschichte 2013 legt er in gleich zehn Aufsätzen die Ergebnisse seiner Recherchen vor. Und – dies sei vorweggenommen: Auch für die Leserin und den Leser sind hier erstaunliche Entdeckungen zu machen.

Überblicksdarstellungen und grosse Abhandlungen seien nicht sein Ding, gestand Edi Fischer in seiner Vernissagerede. Vielmehr gelte es, die historischen Quellen solide aufzuarbeiten und die Details ins Blickfeld zu nehmen. «Und diese Details finde man mit der Lupe, nicht mit dem Fernrohr», betonte Fischer. In einem ersten Artikel im Jahrbuch hält er deshalb ein Plädoyer für das «Kleingedruckte».

Für das soeben erschienene Jahrbuch 2013 hat Edi Fischer zudem neun Detailstudien verfasst, die mit Gewinn zu lesen sind. In seinem Beitrag über den «Kulturkampf in Olten» zeigt er auf, dass sich hier die Auseinandersetzungen weniger um die Frage der Unfehlbarkeit des Papstes drehten, sondern generell um die Frage der Trennung von Kirche und Staat. Wer hat zu bestimmen, wer in einer Gemeinde Pfarrer wird? Haben die Gläubigen dazu nichts zu sagen?

In zwei weiteren Beiträgen widmet sich der Autor den Fremden in Olten, zu denen man im 19. Jahrhundert bereits Nicht-Kantonsbürger zählte. Wirkliche Ausländer kamen vorübergehend mit den Internierten der Bourbaki-Armee und längerfristig mit dem Eisenbahnbau.

Kirchturmuhren

An den Türmen der Stadtkirche konnte man früher die Zeit ablesen, und auch die Fassade gegen die Kirchgasse zeigte zuoberst im Firstdreieck ein Zifferblatt. Der Geschichte dieser und der andern Uhren, die in Türmen der Stadt tickten, ging Fischer nach. Von diesem Thema ist es nicht mehr weit zur Geschichte der Heilig-Kreuz-Kapelle, der Ecce-Homo Kapelle und der alten Friedhöfe. Schliesslich schildert Edi Fischer die Geschichte der letzten Jahre der alten Stadtkirche, die nach 1813 als Holzmagazin benutzt und 1844 abgebrochen wurde. Nur den Turm blieb stehen, den Friedhof ebnete man zum heutigen Ildefonsplatz aus.

Zwei weitere Autoren, der frühere Stadtarchivar Peter Heim und Peter Schärer, verliessen den engeren Bereich der Stadt Olten. Peter Heim zeichnet das Wirken des Pfarrers Karl Albert Sulzberger 1903 bis 1912 in Trimbach nach. Sulzberger vertrat eine christlich orientierte, aber politisch neutrale Gewerkschaftsbewegung. Er förderte die römisch-katholische Arbeiterbewegung und gründete mehrere kirchliche Vereine. Wegen sexueller Übergriffe musste er demissionieren. Noch während seiner Amtszeit in Trimbach hatte er archäologische Grabungen vorgenommen. In Schaffhausen wurde er Konservator und ab 1927 Direktor am Museum Allerheiligen. Peter Schärer spürt den Ereignissen im Bauernkrieg in Aarburg und Aarau nach.

Der Sammelband enthält zudem eine ausführliche Darstellung von Heinrich Weber. Er geht der Entstehungsgeschichte und der modernen Architektur des neuen Klostergebäudes aus den sechziger Jahren bei Sankt Josef an der Baselstrasse in Solothurn nach. Damit wird das Jahrbuch nicht ganz zu einer «Oltner Nummer», wie Redaktionspräsident Alfred Seiler an der Vernissage bemerkte.

Das reich illustrierte Werk kann für 55 Franken bezogen werden beim Historischen Verein des Kantons Solothurn, Zentralbibliothek, Bielstrasse 39, Solothurn, oder in Olten bei den Buchhandlungen am Klosterplatz und Schreiber.