Revierjagd Solothurn
Jäger ziehen wegen Schwarzwildschäden vor Verwaltungsgericht

Die Hälfte der Kosten von Wildschweinschäden müssen nach dem Jagdgesetz die Jagdgesellschaften der betroffenen Reviere zahlen. Damit sind die Jäger seit langem nicht mehr einverstanden. Jetzt zieht der Verband vor Gericht.

Mirjam Jäger
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Die Richter werden im Kanton Solothurn jetzt darüber entscheiden, wer für Schwarzwildschäden zahlen muss.

Die Richter werden im Kanton Solothurn jetzt darüber entscheiden, wer für Schwarzwildschäden zahlen muss.

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Die Richter werden im Kanton Solothurn jetzt darüber entscheiden, wer für Schwarzwildschäden zahlen muss: Das Revier Lostorf hat eine Schadenrechnung vor dem Verwaltungsgericht angefochten. Die Generalversammlung von Revierjagd Solothurn hat beschlossen, sich mit einem Beitrag an den Kosten dieses Musterprozesses zu beteiligen.

Gassler: «Kein Spielraum»

Zur Generalversammlung vom Freitag in Oekingen waren die Solothurner Jägerinnen und Jäger überaus zahlreich aufmarschiert. Im Zentrum der Rede von Regierungsrätin Esther Gassler stand die Totalrevision des Jagdgesetzes, das schlankere Verfahrensabläufe vorsieht und die Beteiligung der Jagdgesellschaften an Schwarzwildschäden neu regelt.

Gassler stellte fest, dass heute die Beteiligung an den Schwarzwildschäden für einige Reviere zu einer grossen finanziellen Bürde werden könne. Rechtliche Abklärungen hätten jedoch ergeben, dass sie über keinen Handlungsspielraum verfüge; die Beteiligungspflicht sei im geltenden Recht abschliessend geregelt.

Daran könne auch das von Revierjagd Schweiz in Auftrag gegebene Gutachten nichts ändern, so Gassler. Der Gutachter, Rechtsanwalt Thomas A. Müller (Lostorf), knüpft an die Tatsache an, dass Wildtiere erst mit dem Erlegen in das Eigentum der jeweiligen Jagdgesellschaft übergehen, weshalb die Jagdgesellschaft für Schäden, die das lebende Tier verursache, gar nicht haftbar gemacht werden könne. Die Regierungsrätin erklärte, mit Blick auf die Rechtssicherheit sei sie froh, dass diese Frage nun in einem gerichtlichen Verfahren geklärt werde.

Gutachter: «Bundesrechtswidrig»

Kurt Erni informierte die Versammlung, dass die Jägerinnen und Jäger des Reviers Lostorf sich veranlasst sahen, eine Rechnung betreffend die Beteiligung an Schwarzwildschäden anzufechten. Das Revier beruft sich auf das erwähnte Rechtsgutachten im Auftrag von Jagd Schweiz, welches das gegenwärtige Entschädigungsmodell im Kanton Solothurn für bundesrechtswidrig erklärt. Da es sich um ein Parteigutachten handelt, sah sich die Jagdverwaltung nicht veranlasst, an ihrem Vorgehen etwas zu ändern.

Die unbegrenzte Schadenbeteiligung könne nicht länger bestehen bleiben, führte Erni aus. Ein Familienvater werde sich ansonsten in Zukunft zweimal überlegen, ob er sich für eine achtjährige Pacht verpflichten wolle, wenn er sein finanzielles Engagement nicht abschätzen könne. Aus diesem Grund sei der Fall nun beim Verwaltungsgericht hängig und die Frage der Beteiligung an Schwarzwildschäden werde durch die Richter entschieden.

Da diese Frage von kantonaler, ja von nationaler Bedeutung sei, beantragte Kurt Erni, Revierjagd Solothurn möge sich an den Verfahrenskosten mit einem Beitrag in der Höhe von 10 000 Franken beteiligen. Dieser Antrag wurde von der Generalversammlung bei einer Stimmenthaltung einstimmig angenommen.

Mitgliederbeiträge erhöht

Der Vorstand beantragte der Generalversammlung eine Erhöhung der Jahresbeiträge. Zur Begründung verwies Präsident Bruno Born (Aedermannsdorf) unter anderem darauf, dass der Dachverband Jagd Schweiz für seine zahlreichen Aufgaben mehr Mittel benötige und deshalb an der letzten GV den Mitgliederbeitrag erhöht habe. Aber auch die Verpflichtungen von Revierjagd Solothurn seien in den letzten Jahren gestiegen.

Der Antrag auf Erhöhung der Jahresbeiträge um 100 Franken pro Revier (oder 50 Franken bei einer Reviergrösse von weniger als 1000 Hektaren) und um 10 Franken pro Einzelmitglied wurde mit grossem Mehr angenommen. Erstmals wurde die Solothurner Jagdprüfung nach neuer Verordnung durchgeführt. Das neue, von der Vereinigung der Jagdverwalter herausgegebene Lehrmittel war einzige Grundlage der Ausbildung. Nebst der mündlichen Prüfung gab es neu auch einen schriftlichen Teil.

Die Prüfung bestanden haben Nicole Strähl, Dunja Bohren, Marco Stegmüller, Peter Lüdi, Simone Flury und Rahel Plüss. Zur Aufnahme der neuen Jägerinnen und Jäger stimmte das Solothurner Jagdchörli feierlich ein.

Die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern – vier Frauen und zwei Männer – wurde vom Solothurner Jagdchörli feierlich umrahmt.

Die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern – vier Frauen und zwei Männer – wurde vom Solothurner Jagdchörli feierlich umrahmt.

Mirjam Jäger-Clavadetscher

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