Herbstjagd
Jäger stehen bis im Dezember im Einsatz für das Gleichgewicht

In den Revieren im Kanton Solothurn hat diese Woche die Herbstjagd begonnen, sie dauert bis zum 15. Dezember. Die Jagd ist wichtig für das Gleichgewicht zwischen Wildtieren, Landwirtschaft und Wald.

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Reh: Sein Bestand ist gewachsen. ws

Reh: Sein Bestand ist gewachsen. ws

«Ziel der Jagdgesellschaften ist die Regulation der Wildtierbestände, die unerlässlich ist, um das Gleichgewicht zwischen Wildtieren, Landwirtschaft und Wald in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft zu erhalten», erklärt Roland Büttiker vom Hegering Olten-Gösgen-Gäu.

Wildtierdichte regulieren

«Es ist Aufgabe der Jäger, aktiv mitzuhelfen, das Gleichgewicht in der Natur, soweit dies überhaupt noch möglich ist, zu erhalten», führt Büttiker aus. Ziel der Gesellschaftsjagden sei, überhöhte Wildbestände im Rahmen der Jagdgesetzgebung auf ein dem Biotop angepasstes Mass zu reduzieren. «Ohne Jagd würden sich die in unserer Region ansässigen Wildarten wie Reh, Wildsau, Fuchs und Dachs sofort sehr stark vermehren. Dies führte zu Überpopulationen und hätte folgende Auswirkungen: innerartlicher Stress, Krankheiten, Seuchen und allgemeine Degenerationserscheinungen. Damit verbunden wären Schäden am Forst und an den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Sofort würden auch die Fallwildzahlen der Wildtiere steigen.»

Worte des Weidmanns zur Jagd

Herbstjagd bedeutet auch Brauchtum. Ein Teil dieses Brauchtums ist die Weidmannssprache, die mit heute über 3000 gebräuchlichen Wörtern eine der umfangreichsten deutschen Fachsprachen ist. Mit der Weidmannssprache bezeichnet der Weidmann jagd- und wildbezogene Gegenstände und Vorgänge sowie die Lebenszeichen, Körperteile und Aufenthaltsorte des Wildes und der Jagdhunde. Der Titel dieses Artikels besteht aus drei Wörtern dieser Sprache. Anstand ist der Ort, wo der bewaffnete Jäger auf die Tiere wartet, Hundegeläut bedeutet das Bellen einer Hundemeute und der Schüsseltrieb ist das gemeinsame Essen nach der Jagd. (buo)

Als Fallwild bezeichnet man Wild, das ohne jagdliche Einwirkung zu Tode gekommen ist. Der grösste Verursacher von Fallwild ist das Auto, wie Büttiker erklärt. Im Kanton Solothurn wurden letztes Jahr gut 750 jagdbare Wildtiere durch Kollisionen getötet. «Die Jagdgesellschaften sind besorgt, dass die Jagden für das Wild möglichst stressfrei und für das Biotop schonend durchgeführt werden.» Die Zahl der Jagdtage wird deshalb dem zu regulierenden Wildbestand und der forstlichen Situation angepasst.

«Rehwild ist nicht bedroht»

Der Rehbestand sei gemäss eidgenössischer Jagdstatistik am Zunehmen, sagt Büttiker. Waren es 1968 geschätzte 91 800, sind es 2012 an die 115 300 Rehe in der gesamten Schweiz. Das bedeutet eine Zunahme von knapp 26 Prozent. «Zum einen hat diese Entwicklung einen Zusammenhang mit dem Wachstum unseres Waldes. Seit über 150 Jahren nimmt die Waldfläche in der Schweiz zu.»

Genaue Zahlen habe man seit dem ersten Landesforstinventar von 1985. Weitere Inventare gab es 1995 und 2006. «Vom ersten bis zum dritten Forstinventar hat sich die Waldfläche in der Schweiz um total 98 077 Hektaren oder 8,3 Prozent vergrössert», weiss Büttiker.

Der Hauptgrund dafür liege in Änderungen der Landnutzung. Die Entwicklung sei insbesondere auf Wiesen und Weiden in Grenzertragslagen zu beobachten, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. Vor allem in höheren Lagen ab 1800 m ü. M. habe der Wald stark zugenommen. «Die Waldgrenze verschiebt sich nach oben, extensiv genutzte Weiden wachsen ein.»

Zum anderen seien die Lebensbedingungen für die Rehe durch den modernen Waldbau, mit seinem guten Nahrungsangebot und der Möglichkeit, in Deckung zu gehen, in den letzten Jahrzehnten massiv besser geworden. (mgt/wak)