Auf einen Kaffee mit...

Jacky Schmutz war es nach seiner Krebs-OP wichtig, der Gleiche zu bleiben

Jacky Schmutz in seinem Wohnzimmer.

Jacky Schmutz in seinem Wohnzimmer.

Auf einen Kaffee mit ... dem Obergerlafinger Rock ‘n’ Roll-Urgestein Jacky Schmutz. Im Juni wird er 75 Jahre alt. Vor 10 Jahren liess er sich wegen einer Krebserkrankung operieren.

Am 18. Juni feiert Jacky (Ueli) Schmutz seinen 75. Geburtstag. Dazu hat er viele Musiker-Freunde und natürlich das Publikum eingeladen, in der Mühle Hunziken eine Rock’n’Roll-Party zu feiern. Jacky hat den Konzertabend selbst organisiert. «Alle Musikerfreunde, die ich anfragte, haben zugesagt», sagt Schmutz zuhause in seinem Wohnzimmer im Haus in Obergerlafingen sitzend. Das «Auf einen Kaffee mit…»-Gespräch fand am 11. März statt. Corona war schon Thema, die Schulen und Gaststätten aber noch nicht geschlossen.

Beim Eintreten in Schmutz‘ Haus geben wir uns die Hand nicht – es ist noch ziemlich gewöhnungsbedürftig – und Schmutz sagt, dass er sein Desinfektionsmittel immer zur Hand habe. «Dies aber nicht erst, seit diesem Virus», betont er. Seit er vor zehn Jahren an Speiseröhrenkrebs erkrankte, muss er sowieso auf sein Immunsystem aufpassen, obwohl er inzwischen als geheilt gilt. Seine Frau, die als Podologin selbstständig arbeitet, mahnte ihn immer mal wieder aufzupassen – inzwischen muss sie das nicht mehr. Schmutz hat sein Leben angepasst.

«Es freut mich sehr, dass alle meine Musikerkollegen und –Kolleginnen zum Geburtstagsfest kommen», sagt er, obwohl man heute nicht mehr so ganz sicher sein kann, ob dieser Anlass denn auch tatsächlich wie geplant durchgeführt werden kann. Er zählt ein paar Kollegen auf, die mit dabei sein sollen: «Nico Brina, Marc Anderegg, Ursula Hotz, Jimi Hofer und andere.» Jacky spendet den Erlös aus den CD-Verkäufen dieses Abends an die Kenyan Children Help. Das hebt er besonders hervor. «Die Schweizerin Annedore Biberstein sorgt sich im Kenia um über 300 Waisenkinder. Der Verein Kenyan Children Help wird am Konzertabend ebenfalls anwesend sein und über das Projekt Informieren.»

Die Zeit vor und die Zeit nach der Operation

Als Schmutz vor zehn Jahren die Krebsdiagnose bekam, war er zunächst alles andere als hoffnungsvoll. Er dachte damals an seinen Vater, der auch früh verstarb. Er habe ein schönes Leben gehabt, und bis dahin vieles erlebt, was ein anderer als Hundertjähriger wohl nicht habe erleben können, erinnert er sich an seine Gedanken damals. Und doch nahm er den Kampf gegen die Krankheit auf, liess eine schwierige Operation über sich ergehen und lebt seither ohne Tabak und Alkohol. «Am 3. Juni 2010 fand die Operation statt»; der Tag, an dem ein neuer Lebensabschnitt begann.» Bei Schmutz gibt es jetzt die Zeit vor und die Zeit nach der Operation. «Wichtig war mir immer, dass ich der Gleiche bleibe», meint er nachdenklich. Und seine Freunde bestätigen ihm: «Du bisch e glatte Siech blibe.»

Woher seine unbändige Lust auf Musik und die Bühne kommt, weiss er eigentlich nicht. «Meine Mutter hat gesungen und Klavier gespielt.» Er habe sich das Klavierspielen, den Boogie-Woogie und Rock ‚n‘ Roll selbst beigebracht. «Ich musste mich nie überwinden, auf der Bühne zu stehen», gesteht er. Auch auf der Strasse erkannt und angesprochen zu werden, habe ihm nie Mühe bereitet. «Ich bin ein Künstler ohne Allüren, ein Mann zum Anfassen». Er lacht. Dies beweise auch die Tatsache, dass er während und nach seinen Konzerten immer mehr CDs verkaufe, als durch die Plattenfirmen.

Musik machen geht auch daheim

Und gerade diese persönliche Beziehung zu seinem Publikum und den Musikerkollegen wird ihm derzeit verwehrt. «In diesem Jahr wären rund 20 Auftritte geplant gewesen. Wie es nun wird, darüber kann man nur spekulieren». Wichtig ist ihm, neben seinem Geburtstagsauftritt in der Mühle Hunziken der Auftritt an der Heso in Solothurn.

Für ihn selbst bedeuten Konzertabsagen ja nicht gerade ein Existenzproblem meint er, denn eigentlich sei er ja pensioniert, dennoch hofft er auf so wenig Absagen wie möglich. Es sei eher eine Frage der Lebensqualität und Lebensenergie, die verloren geht, meint er nachdenklich. Im Dorf, bei Begegnungen mit Leuten halte man jetzt Abstand. Doch Lebensmittel bunkern, oder WC-Papier horten kommt bei Ihm nicht infrage. «Jetzt wird halt mehr telefoniert. Und Musikmachen kann ich immer noch.»

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