Invalidenversicherung

IV muss sich laufend neuen Herausforderungen stellen

Ein Ordner mit Unterlagen zur Invalidenversicherung (Archiv)

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Jürg Brechbühl, Direktor Bundesamt für Sozialversicherungen, berichtete über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze. Er war Gast der Generalversammlung der «IG pro Vebo».

Gastreferent Jürg Brechbühl, Direktor Bundesamt für Sozialversicherungen, trat als Gastreferent an der Generalversammlung der «IG pro Vebo und Insos» (siehe unten) auf. Er zeigte auf, wie die Invalidenversicherung (IV) laufend neue Herausforderungen angehen müsse, damit kranke und behinderte Menschen erwerbstätig bleiben oder schnellstmöglich wieder in die Arbeitswelt eingegliedert werden könnten.

Weichen für Sanierung gestellt

Jüngst sei der zweite Teil der sechsten IV-Revision vom Parlament abgelehnt worden, registrierte Brechbühl. Mit einem Rückblick bis 2004 zeigte er aber auf, dass in der IV schon vor diesem Dämpfer die Weichen in Richtung Sanierung gestellt worden seien. Man habe wirksame Instrumente erhalten, um die Eingliederung von Rentenbezügern in die Arbeitswelt zu verbessern, womit er unter anderem die Frühintervention ansprach. Und nicht zuletzt könne man die IV dank der befristeten Zusatzfinanzierung durch die temporäre Erhöhung der Mehrwertsteuern von ihren Schulden befreien. 2018 soll die ersehnte ausgeglichene Rechnung Realität werden. 

Durch die Spardiskussion sei aber die Notwendigkeit qualitativer Verbesserungen in den Hintergrund gerückt. Dies gehe man an, entsprechende parlamentarische Vorstösse existierten bereits. So werden etwa Hilfeleistungen gefordert für Eltern, die ihre schwer kranken oder behinderten Kinder zu Hause pflegen.

Unter den Rentenbezügern gebe es derzeit zwei Problemgruppen: psychisch erkrankte Erwachsene, die fast 50 Prozent der ausbezahlten IV-Renten ausmachten, sowie Invalide zwischen 18 und 24 Jahren, die schon früh Gefahr laufen, den Anschluss an den Arbeitsmarkt zu verpassen. Letztere Gruppe verzeichne derzeit als einzige ein Wachstum. Um diesen Menschen zu helfen, müsse die IV auch die Schnittstellen zwischen beteiligten Instanzen wie Schulen, Betreuungsinstitutionen und Arbeitgebern verbessern.

Vor allem Arbeitgeber müssten allgemein noch stärker sensibilisiert werden, damit das System der Frühintervention besser greife, forderte Brechbühl. Die 5. Revision habe zwar Verbesserungen gebracht, die IV komme aber noch zu spät ins Spiel. Gerade bei psychisch Erkrankten habe sich gezeigt, dass eine Wiedereingliederung nach einem Unterbruch schwierig und die Frühintervention umso wichtiger sei.
Es müsse aber auch bedacht werden, dass die Betreuung mit der Wiedereingliederung nicht ende. Entsprechende Angebote fehlten bei der IV, genau wie solche der Beratung, sollte mal ein Rückfall erfolgen. Nun werde daran gearbeitet, diese Lücken zu schliessen. Laut Brechbühl soll der Bundesrat Anfang 2016 eine Vernehmlassungsvorlage erhalten, mit denen diese Baustellen angepackt werden sollen.

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