Ist Literatur weiblich? Schaut man sich die Besucher der Solothurner Literaturtage jeweils an, könnte man es glauben. Mehr Frauen als Männer streifen in diesen Tagen durch die Lesestätten am Landhausquai. Auch wenn man das diesjährige Programm der kommenden Ausgabe studiert, stellt man fest: Mehr Autorinnen als Autoren. Das sei aber Zufall, meint die Medienverantwortliche der Literaturtage, Martina Keller. Und sie freut sich, ein paar der bekanntesten Schweizer Namen aufzuzählen: Lukas Hartmann, Ruth Schweikert, Klaus Merz, Milena Moser und Martin Dean sind zu Gast. Aber auch Thomas Hürlimann, der zum ersten Mal aus seinem neuen Buch «Heimkehr» lesen wird. Daneben sind auch bekannte Namen aus dem Ausland wie Ferdinand von Schirach, Judith Schalansky, Inger-Maria Mahlke, Nell Zink – die auch die Eröffnungsrede hält – zu finden. Viele literarische Debüts sind unter den Eingeladenen auszumachen und damit sicher einige spannende Entdeckungen.
Neben Lesungen in Landhaus, Stadttheater und auf Aussenbühnen finden Diskussionsforen statt. Und wieder drehen sich deren Fragen unter anderem um das Thema Weiblichkeit in der Literatur und im Literaturbetrieb.
Immer wichtiger werdender Bestandteil der Solothurner Literaturtage sind die Abendveranstaltungen, «Literarisches Flanieren» genannt. Hafebar, Stadttheater, Kino im Uferbau und andere Orten laden dazu ein. Hervorzuheben ist die erstmals durchgeführte Duft-Bar im Hotel La Couronne, wo Autor Tim Krohn beim Schreiben über die Welt der Düfte über die Schulter geschaut werden kann.
Als Gast-Veranstaltungen gibt es eine Hommage an Zsuzsanna Gahse durch das Bundesamt für Kultur, die Verleihung des Solothurner Literaturpreises und die PEN-Veranstaltung mit Texten der syrischen Autorin Dima Wannous.

Fünf Fragen zum Bücher-Lesen und Autoren-Kennen

Im Vorfeld der kommenden Literaturtage stellen wir fünf Personen, die hinter den Kulissen für die Literaturtage arbeiten, ganz persönliche Fragen. Heute Franco Supino, Lehrer und Autor und zuständig für das Fundraising der Solothurner Literaturtage:

Der Solothurner Schriftsteller Franco Supino arbeitet im Mitarbeiterteam der Solothurner Literaturtage mit

Der Solothurner Schriftsteller Franco Supino arbeitet im Mitarbeiterteam der Solothurner Literaturtage mit

Welcher Bücherheld ist Ihnen als Kind in Erinnerung geblieben?
Franco Supino: Viele – aber der wichtigste war zweifellos der Eugen – «Mein Name ist Eugen», das sagt genug, denn eine solche Jugend ist schwer. Ich habe das Buch zigmal gelesen und viele Teile, nicht nur den Anfang, auswendig
gelernt.

Was lesen Sie derzeit und was gefällt Ihnen daran?
Rafaella Romagnolo, «Bella ciao». Eine Generationensaga zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen dem Piemont und New York – eine Emigrationsgeschichte, die in der Vergangenheit den Bezug zur Aktualität findet. Dazu packend und farbig erzählt. (Romagnolo liest auch an den Literaturtagen).

Wo und wie geniessen Sie Literatur am liebsten (Buch, E-Book, Hörbuch)
Liegend, im Bett, am liebsten als Buch. Hörbuch ist unpraktisch, weil ich manchmal über Textstellen nachdenken will und dann finde ich die Stopptaste nicht.

Worauf freuen Sie sich sehr an den diesjährigen Solothurner Literaturtagen?
Auf die vielen Begegnungen mit Menschen und Texten, die Solothurn für ein paar Tage zu einer Weltstadt der
Literatur machen.

Sie hatten sicher schon eine Begegnung mit einem Autor/einer Autorin an den Solothurner Literaturtagen. Wer hat sie sehr beeindruckt und warum?
1987. Der berühmte und von mir heiss geliebte Peter Härtling stellt sich neben mich ans Pissoir auf der Toilette des Restaurants Kreuz. Seine für mich in jeglicher Hinsicht imposante Erscheinung verhindert, dass ich mein Bedürfnis erledigen kann. Er hingegen ist bald fertig und beim Händewaschen – ich stehe noch immer vor der Schüssel, es will einfach nicht –
lächelt er mir über die Schulter
zu. «Keine Eile, wird schon werden, mein Junge», sagt Härtling. Das habe ich dankend als Omen für alles, was mir in der Literatur blühen sollte,
genommen. (frb)