Bauernverband
Ist der Hofladenboom bereits vorbei? Der Schweizer Bauernverband will den Direktverkauf stärken

An einer Medienkonferenz im Weierhof in Subingen betonte der Schweizerische Bauernverband die Wichtigkeit der Direktvermarktung.

Gülpinar Günes
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Pressekonferenz Schweizer Bauernverband auf dem Weierhof in Subingen
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Frische Beeren vom Hof.
Hier wachsen die Himbeeren.
Aber Spargeln sind das eigentliche Geschäft der Familie Grütter.
Die Familie von Roland und Sandra Grütter mit den Söhnen (v.l.) Sven und Jan im eigenen Hofladen beim Weierhof in Subingen.
Der Direktor des Schweizer Bauernverbandes, Martin Rufer (l.) und der Präsident Markus Ritter.
Auch die Nationalrätin und Generalsekretärin des Westschweizer Konsumentenverbandes Sophie Michaud Gigon (l.) und Mireille Ducret, Präsidentin der Waadtländer Bäuerinnen, hielten Referate an der Medienkonferenz.

Pressekonferenz Schweizer Bauernverband auf dem Weierhof in Subingen

Gülpinar Günes

Landwirtschaftliche Betriebe erlebten während des Lockdowns einen regelrechten Boom: Landwirt Roland Grütter vom Weiherhof in Subingen beispielsweise habe seinen Umsatz während dieser Zeit verdreifachen können, wie er an einer Medienkonferenz des Schweizer Bauernverbandes auf seinem Hof mitteilte. Er unterstrich damit die Hauptaussage der Konferenz, dass mit dem Rückenwind der Coronazeit die Direktvermarktung mit verschiedenen Massnahmen gefördert werden muss.
Laut dem Präsidenten des Verbandes, Markus Ritter, stammen nämlich vier von fünf erwirtschafteten Franken der Landwirtschaftsbetriebe aus dem Verkauf der Produkte an die Kunden. «In der öffentlichen Wahrnehmung leben die Bauernfamilien zu einem grossen Teil von den Direktzahlungen des Staates. Dieses Bild hat aber wenig mit der Realität zu tun.»

Auch Solothurner Bauern profitierten von Corona

Auch im Kanton Solothurn sei die erhöhte Nachfrage nach Hofprodukten während des Lockdowns zu spüren gewesen. «Die Landwirte hatten im Frühling einen guten Lagerbestand an Lebensmitteln», sagt Andreas Vögtli, Präsident des Solothurner Bauernverbandes, auf Anfrage. Doch wegen der steigenden Nachfrage seien diverse Produkte, wie Kartoffeln und Obst und Gemüse, ausgegangen, sodass sich die Betriebe gegenseitig unter die Arme gegriffen haben. Der Umsatz sei infolgedessen markant gestiegen und die Verluste von den abgesagten Märkten aufgeholt. Vögtli führt den Erfolg unter anderem auch auf das eigene Label des Kantons «so natürlich» zurück, das sich seit 20 Jahren in der Region etabliert hat.
Obwohl die Nachfrage generell wieder abgeflacht sei, habe es auch einige Neukunden gegeben. «Sie hatten während des Lockdowns die Chance, den Laden und die Produkte kennenzulernen», sagt er. Der direkte Kontakt sei eben doch sehr wertvoll und ein Grund dafür, die Direktvermarktung weiterhin als Verband zu fördern.

Der Verband bietet Unterstützung

Mit vomhof.ch bietet beispielsweise der Schweizerische Bauernverband eine kostenlose Onlineplattform für Landwirtschaftsbetriebe an, wo sie ihr Angebot bekannt machen können, ohne dafür selbst eine Website aufziehen zu müssen. Über 2200 Betriebe nutzen die Plattform bereits, wie der Direktor des Verbandes, Martin Rufer, an der Medienkonferenz mitteilt. Gleichzeitig sei eine Zusammenarbeit mit der App zum kontaktlosen Zahlen, Twint, im Gange. 2000 Betriebe seien dort bereits registriert. Das Projekt namens «Hoflädeli 24» soll die Digitalisierung weiter vorantreiben: Es handle sich um «technisch versierte» Verkaufsautomaten sowie eine intelligente App, die Bezahlmöglichkeiten anbietet.
«Der Corona-Boom in den Hofläden dürfte keine Eintagsfliege sein, sondern ein Megatrend, der bleiben wird», hängt Rufer an. Er zeige, dass die Bevölkerung Vertrauen in die lokalen Bauernbetriebe hat und die regionalen Produkte schätze.

Direktverkauf macht sieben Prozent des Gesamtumsatzes der Schweizer Landwirtschaft aus

2016 waren knapp 22 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe in der Direktvermarktung aktiv. Sollte sich die Entwicklung in den letzten vier Jahren so fortgesetzt haben, geht man heute davon aus, dass nun mindestens jeder vierte Betrieb darin tätig ist. Wie der Schweizer Bauernverband mitteilt, erwirtschaften diese an Wochenmärkten oder in ihren Hofläden rund sieben Prozent des Gesamtertrages der Schweizer Landwirtschaft von elf Milliarden Franken. Also knapp eine Milliarde Franken. Der Anteil sei aber je nach Produkt ganz unterschiedlich: Mit geschätzten 40 Prozent tragen Kirschen den grössten Anteil bei, danach Eier mit etwa 30 Prozent, Beeren mit rund 20 Prozent sowie Obst und Wein mit rund zehn Prozent. Gemäss dem Verband bewegen sich Gemüse, Kartoffeln oder Rindfleisch im durchschnittlichen Bereich, während Milch, Getreide, Geflügel- oder Schweinefleisch kaum ins Gewicht fallen. Auffallend sei, dass in stadtnahen Regionen mehr direkt vermarktet wird als auf dem Land.
Als Vorteile der Direktvermarktung nennt der Verband ganz klar die Steigerung der Wertschöpfung der Betriebe: Mit dem direkten Verkauf können Umwege über den Handel und die Verarbeitung vermieden werden. Gleichzeitig profitieren auch die Konsumenten von saisonalen Produkten mit klarer, regionaler Herkunft und Transparenz bei den Margen und bei der Herstellung, wie der Verband betont. (gue)

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