Energiedialog

Ist der Blackout ein realistisches Szenario oder bloss Panikmache?

Ohne Strom geht fast gar nichts mehr. Das Blackout-Risiko ist deshalb, wenn auch nicht akut, so doch nicht zu unterschätzen.

Ohne Strom geht fast gar nichts mehr. Das Blackout-Risiko ist deshalb, wenn auch nicht akut, so doch nicht zu unterschätzen.

Die neuste Ausgabe des Energiedialogs drehte sich ums Thema Blackout.

Hört man als Solothurner den Begriff Energiedialog, würde man sich aktuell darunter wohl am ehesten eine Diskussion über das «Wie weiter» nach der wuchtigen Ablehnung des kantonalen Energiegesetzes im Juni sowie über die umstrittene Nachanalyse der Abstimmung und zukünftige PR-Aktivitäten der Regierung auf dem Feld der Energiepolitik vorstellen.

Aber darum ging es nicht beim jüngsten Energiedialog, den die «Unternehmerinitiative Neue Energie» und die «Aktion für eine vernünftige Energiepolitik» mit Unterstützung von Stadt und Kanton Solothurn, Gewerbeverband und Wirtschaftskammer jährlich organisieren. Zur Diskussion stand die Frage, ob man sich auf den Blackout als realistisches Szenario gefasst machen muss oder ob es sich dabei nicht doch eher um Panikmache handelt.

Trockenheit macht mehr Sorgen

Die geladenen Spezialisten würden weder das eine noch das andere ohne weiteres unterschreiben. Aber um es vorweg zu nehmen: Dass in der Schweiz alle Lichter ausgehen, halten sie für ein doch kalkulierbares Risiko und dass dies wegen der Energiestrategie 2050 und der irgendwann einmal anstehenden Abschaltung der Atomkraftwerke geschehen könnte, für nicht zu befürchten. Einer, der es eigentlich wissen müsste, ist Werner Meier. Der Deitinger ist nicht nur Leiter der Konzernsicherheit beim Stromriesen Alpiq, sondern auch Delegierter des Bundes für die wirtschaftliche Landesversorgung.

Er wäre der Mann an der Spitze, wenn es bei einer dramatischen Stromknappheit zuerst einmal dringende Sparappelle an die Bevölkerung zu richten gäbe, dann Kontingentierungen für Grossverbraucher zu verfügen und im ganz krassen Fall Netzabschaltungen vorzunehmen wären. Das wäre das Vorgehen bei einer «Mangellage», wie Meier dem Publikum erklärte: Um eben einen Blackout, einen Totalausfall, zu verhindern. Er habe das Thema Versorgungssicherheit in der Debatte über die neue Energiestrategie tatsächlich etwas vermisst, meinte Meier beim Energiedialog im Alten Spital in Solothurn. Was den obersten Wächter über die Gefährdungen der Landesversorgung aktuell aber wesentlich mehr beschäftigt als die Sorge um einen möglichen Strommangel, ist der anhaltend tiefe Pegelstand des Rheins nach dem Hitzesommer, der den Import zahlreicher Güter verhindert.

Gefahr ist real

Neben Meier referierten am Energiedialog Marcel Nachbur von der Swisscom und Florian Roth, der an der ETH zum Thema Resilienz forscht: Der Fähigkeit von (technischen) Systemen, bei einem Teilausfall nicht total zu versagen oder allgemein die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Wie bereits erwähnt würde keiner der Referenten gleich das Schreckgespenst eines flächendeckenden Blackouts als wahrscheinliches Szenario an die Wand malen.

Einig waren sie sich aber darin, dass erstens der Ausfall von Infrastrukturanlagen zu den grössten Verwundbarkeiten des Landes gehört, zweitens die Stromversorgung hier zu den Top-Risiken gehört und drittens die Gefahr von erheblichen Störungen durchaus real ist. Diese gehe aber – zum Beispiel was das Risiko einer Stromknappheit betrifft – weniger von falschen energiepolitischen Weichenstellungen, sondern eher von Bedrohungen wie Cyberkriminalität, terroristischen Attacken oder auch Umwelteinflüssen wie extremen Wetterereignissen aus. Und was dazu kommt: Mit immer komplexeren Systemen nehme auch deren Verwundbarkeit zu, so Florian Roth. Wobei auf der anderen Seite neue Technologien auch wieder helfen würden, Risiken zu reduzieren.

Wie man sich in der Wirtschaft vor solchen Risiken zu schützen versucht, illustrierte Marcel Nachbur am Beispiel der Data Center von Swisscom. So wird hier schon bei der Standortwahl die Gefahrenkarte einbezogen und darauf geachtet, dass man nicht von einem einzigen Stromanbieter abhängig ist. Was den Schutz vor physischen Eindringlingen betrifft, seien sie die Data Center «gesichert wie Fort Knox». Und bei einem totalen Stromausfall könnten sie drei bis fünf Tage über eigene Aggregate versorgt werden. Was die Energieversorgung ohne ausserordentlichen Störfall betrifft, sehe man aber keine Versorgungsengpässe.

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