Interview
Präsident von Gastro Solothurn: «Ich rechne nicht mit einem grossen Beizensterben»

Der Präsident von Gastro Solothurn, Peter Oesch, ist froh, dass ein Stück Normalität zurück ist – und baut auf die Innovationskraft der Branche. Sorge macht ihm der Mangel an Berufslernenden und Fachkräften, wie er im Interview sagt.

Balz Bruder
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Auch in den Autobahn-Raststätten, wie hier in Deitingen, hält ein Stück Normalität Einzug.

Auch in den Autobahn-Raststätten, wie hier in Deitingen, hält ein Stück Normalität Einzug.

Hansjörg Sahli

Was bedeutet die weitgehende Öffnung für die Solothurner Gastrobranche?

Peter Oesch: Es ist eine neue Normalität, die eingetreten ist. Aber wir sind immer noch mit Schutzkonzepten beschäftigt. Vierertische, Abstandsregelungen usw. – das sind alles Restriktionen, die es schwierig machen. In diesem Sinn bin ich nicht euphorisch, aber froh, dass ein Stück jener Normalität, die wir gekannt haben, wieder da ist.

War es eine überfällige Entscheidung, auch die Innenräume der Betriebe zu öffnen?

Ja, jetzt ging es wirklich nicht mehr anders. Das zeigt auch die epidemiologische Entwicklung. Alles andere wäre nicht verstanden worden.

Peter Oesch, Präsident Gastro Solothurn

Peter Oesch, Präsident Gastro Solothurn

Patrick Lüthy

Die Branche hat sehr gelitten. Aber wie stark wirklich?

Die Mitarbeiterstatistik zeigt, dass 40'000 Arbeitsplätze weg sind. Das ist ein Fakt. Und wie viele dieser Jobs zurückkommen werden, ist zum heutigen Zeitpunkt offen. Vor allem die grossen Betriebe in den Städten sind stark betroffen und werden Zeit brauchen, sich zu retablieren. Denken wir an die Grossanlässe, die ausgefallen sind. Was gegen Ende Jahr, Stichwort Weihnachtsessen, gehen wird, kann ebenfalls noch nicht beurteilt werden.

Trotzdem: Wurde zum Teil auch auf Vorschuss gejammert?

Die Frage der Betriebsschliessungen kann ich nicht abschliessend beurteilen. Es gab sicher Betriebe, die aufgegeben haben, die ohnehin aufhören wollten. An das grosse Beizensterben glaube ich nicht. Dafür gibt es derzeit keine Anzeichen. Ein Problem ist sicher die Berufsbildung. Wir werden in diesem Jahr bedeutend weniger Lernende haben. Das werden wir über Jahre spüren. Kommt hinzu, dass sich viele Ausgebildete fragen, ob sie im Beruf bleiben wollen. Da werden wir auf breiter Front etwas unternehmen müssen.

Wie sieht es denn mit den Fachkräften aus?

Es gab und gibt einen Fachkräftemangel in unserer Branche. Das schleckt keine Geiss weg. Da braucht es weitere Anstrengungen. Das wird uns über den Tag hinaus sehr fordern. Das war schon vor der Pandemie so.

Sagen Sie uns. Wie lange wird es brauchen, bis die Branche wieder Fuss gefasst haben wird?

Wenn alles wieder nach und nach in Gang kommt, gehe ich davon aus, dass sich die Branche rasch erholen wird. Vergessen wir nicht: 2,5 Millionen Menschen verpflegten sich vor der Krise täglich bei uns. Die Leute sind angewiesen darauf, dass wir wieder für sie da sind. Und das sind wir jetzt. Darüber bin ich sehr froh.

Was wird eventuell nicht mehr zurückkommen?

Für mich ist nicht entscheidend, was nicht mehr kommt, sondern wie innovativ wir sind. Und das sind wir, das haben wir immer wieder bewiesen. Die Branche ist extrem beweglich, wenn es darum geht, sich immer wieder neu zu erfinden. Qualitativ guter Take-away zum Beispiel wird weiterhin seinen Platz haben. Das begrüsse ich sehr. Zudem ist vegetarische und vegane Verpflegung eine Entwicklung, die sich noch verstärken wird.