Aufbauarbeit
International School: Der Kanton Solothurn hat einige Franken "verlocht"

Im Vorfeld der Gründung der International School Solothurn im Jahr 2009 steckte der Kanton 250 000 Franken in die Aufbauarbeiten. Eine Investition, die man sich wohl hätte sparen können.

Elisabeth Seifert
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Die Internationale Schule an der Zuchwilerstrasse in Solothurn erlebte vor ihrem aktuellen Neustart eine schwierige Zeit.

Die Internationale Schule an der Zuchwilerstrasse in Solothurn erlebte vor ihrem aktuellen Neustart eine schwierige Zeit.

Hanspeter Bärtschi

Mit viel Engagement macht sich der Industrieverband Solothurn und Umgebung mit Fraisa-Chef Josef Maushart an der Spitze derzeit daran, die International School Solothurn AG doch noch in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Seit rund sechs Jahren operiert die Privatschule an der Zuchwilerstrasse in Solothurn auf dem hiesigen Bildungsmarkt – mit mehr oder eben weniger unternehmerischem Geschick.

Die Prüfung der bisherigen Geschäftstätigkeit hat kürzlich eine überschuldete Bilanz zutage gefördert. Das Eigenkapital der AG von 300 000 Franken ist aufgebraucht. Und Darlehen in der Höhe von 140 000 Franken können nicht mehr zurückgezahlt werden. Kurz: Ohne das Zutun von aussen hätte die International School Solothurn AG (ISSO) in wenigen Monaten dichtmachen müssen.

Dieser Leidensweg der Schule erstaunt und wirft Fragen auf. Vor allem deshalb, weil die ISSO seinerzeit bei der Gründung im Jahr 2009 mit tatkräftiger Unterstützung der kantonalen Wirtschaftsförderung aus der Taufe gehoben worden ist. Nachfragen beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) haben jetzt ergeben, dass sich die Wirtschaftsförderung längst nicht nur mit einem Darlehen von 120 000 Franken an der Schule beteiligt hat.

Der Kanton hat vielmehr zusätzlich 250 000 Franken in den Aufbau International School gesteckt. Gemäss AWA-Chef Jonas Motschi beinhaltete die «geistige Aufbauarbeit» umfassende Bedürfnisabklärungen, einen Businessplan, die Erarbeitung von Unterlagen für die Präsentation des Projekts bei potenziellen Partnern und Investoren sowie das Fundraising. Mit der Projektleitung betraut worden waren vom Kanton im Jahr 2008 die beiden regionalen Wirtschaftsberater Max Wittwer (Wittwer Consulting & Wirtschaftsförderung) sowie Christoph Dobler (Inhaber der bedos GmbH für Personal- und Unternehmensentwicklung).

Verwaltungsrat ohne Unternehmer

«Wir waren damals sehr optimistisch und haben den Bedarf falsch eingeschätzt», muss Jonas Motschi heute eingestehen. Mit der gedanklichen Vorarbeit habe man bereits im Jahr 2006 begonnen, also noch vor der Finanzkrise, die ab 2008 die Investitionsfreude der Wirtschaft entschieden schwächte. Trotz des schwieriger werdenden Umfeld hielt der Kanton aber an seinen ehrgeizigen Plänen fest, wie aus einer Mitteilung vom November 2008 hervorgeht. Die International School Solothurn AG sollte neben Solothurn später auch in Olten einen Standort haben. Das Fundraising wurde entsprechend anspruchsvoll vorbereitet, ein Aktienkapital von schliesslich zwei Millionen Franken sollte daraus resultieren.

Bei der Gründung der Aktiengesellschaft im Januar 2009 hatten die Fundraiser ein Kapital von 100 000 Franken beisammen. Anfang September 2009, unmittelbar nach der Eröffnung der Schule an der Zuchwilerstrasse (angegliedert an die Tagesschule Mittelland Bilingual), war es gut das Doppelte. Und zwei Jahre später war man dann bei 300 000 Franken angelangt; aber auch nur deshalb, weil Andreas und Marianne Boll, die Gründer der Tagesschule Mittelland, ihre Einzelfirma in die ISSO eingebracht hatten.

Das Aktionariat blieb überschaubar – und vor allem die Investoren aus der Wirtschaft hielten sich zurück. Grössere Pakete zeichneten einzig Alpiq und Synthes. Mit einem kleineren Anteil vertreten waren nebst den beiden Projektleitern Wittwer und Dobler noch die beiden Solothurner Unternehmer Ivo Bracher und Adrian Flury. Im Verwaltungsrat fehlten die Unternehmer gänzlich, bestückt war dieser neben dem Ehepaar Boll mit mehreren Wirtschaftsberatern, unter anderem mit Max Wittwer und Christoph Dobler.

«Man hätte den Verwaltungsrat viel breiter aufstellen müssen», weiss Motschi, jetzt. Mit Blick auf die damals allzu schmale Unterstützung der Unternehmer im Verwaltungsrat und im Aktionariat hält er sogar fest: «Man hätte sich überlegen müssen, ob man unter diesen Umständen überhaupt hätten starten sollen.» Umso positiver steht der AWA-Chef dem aktuellen Engagement aus der Wirtschaft und der Solothurner Industrie gegenüber: «Wir sind sehr froh darüber, dass der Industrieverband Solothurn und Umgebung das Zepter übernommen hat.» Der Bedarf für eine international ausgerichtete Tagesschule sei im Kanton Solothurn vorhanden, ist er überzeugt. Dadurch, dass die Wirtschaft jetzt selber am Ruder ist, werde wohl auch die Zusammenarbeit mit den Firmen besser gelingen.

Jahrelang ein Bilanzfehlbetrag

Die beiden ehemaligen Projektleiter Max Wittwer und Christoph Dobler bezeichnen es geradezu als «ideal», dass die Internationale Schule jetzt unter der Leitung des Industrieverbands Solothurn und Umgebung (Inveso) steht. «Damit sind die Chancen für einen erfolgreichen Neustart enorm gestiegen», hält Max Wittwer fest. Nicht gelten lassen die beiden regionalen Wirtschaftsberater, dass man aufgrund des eher zurückhaltenden Interesses der Wirtschaft in der Folge der Finanzkrise die Notbremse hätten ziehen müssen.

«Sicher, ja, wir hätten uns damals ein höheres Engagement der Unternehmen erwünscht», sagt Christoph Dobler. «Dadurch aber, dass sich die ISSO an die Tagesschule Mittelland anlehnen konnte, genügte das damalige Aktienkapital», ist er überzeugt. In der Projektphase bis zu Gründung der ISSO sei zudem jeder Schritt mit der kantonalen Wirtschaftsförderung abgesprochen gewesen.

Für ihre Arbeit als Projektleiter erhielten die beiden rund ein Drittel des Projektkredits von 250 000 Franken. Dieses Geld habe der Kanton nicht einfach in den Sand gesetzt, betont Wittwer. «Eine grosse Arbeit war die Zertifizierung der Schule nach den Standards der International Baccalaureate Organization.» Dieses Label sei für die Zukunft der Schule von zentraler Bedeutung.

Die wirtschaftliche Entwicklung der International School verlief von der Gründung weg allerdings ziemlich harzig. «Wir hatten Jahr für Jahr einen Bilanzfehlbetrag», so Wittwer, der bis Januar 2015 im Verwaltungsrat die Strategie der ISSO mitbestimmte. Das habe es dann auch erschwert, neue Investoren zu finden. Im Nachhinein bezeichnet es Wirtschaftsberater Wittwer als Fehler, nicht hartnäckiger eine positive Bilanz eingefordert zu haben. Und: «Es ist nicht gelungen, die IBO-Zertifizierung als zusätzlichen Mehrwert der Tagesschule dazustellen.»