Man war sich letzte Woche im Kantonsrat einig: Der von 50 Kantonsräten aus allen politischen Lagern unterzeichnete Vorstoss, der den Regierungsrat damit beauftragen will, sich «mit allen Mitteln» für die Beibehaltung des Intercity-Halts in Oensingen einzusetzen, duldet keinen Aufschub. Er ist dringlich zu behandeln. Um die wachsenden Mobilitätsbedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft abdecken zu können, sei der IC-Halt in Oensingen «zwingend notwendig», heisst es in der Begründung des Auftrags.

Der Regierungsrat sieht das allerdings anders. Termingerecht legte er am Dienstag seine Stellungnahme vor, sie ist ein Schlag ins Gesicht für die Interessenvertreter der Region. Die Regierung beantragt dem Parlament, den Vorstoss nicht erheblich zu erklären. Seines Erachtens erfüllt die Botschaft des Bundesrats zum Bahnausbau 2035 gerade im Raum Oensingen-Gäu die Forderungen des Kantons sehr gut. Einsetzen will man sich dafür, dass die noch ungenügend berücksichtigten Anliegen eines Halbstundentakts auf der Jura-Südfussachse in Grenchen Süd und längerer Perrons im Bahnhof Olten in der parlamentarischen Beratung doch noch Eingang in die Vorlage finden. Nicht aber für den IC-Halt in Oensingen.

Was der Kanton Solothurn und die Planungsregion Nordwestschweiz in ihrer Eingabe zum Ausbauschritt 2035 für die Jurasüdfusslinie forderten, war eine Kapazitätserweiterung auf der Linie Biel–Olten–Zürich mit halbstündlichen S-Bahnen, halbstündlichen Interregio-Halten in Grenchen Süd, Solothurn, Oensingen und Egerkingen sowie einem halbstündlichen IC-Halt in Solothurn. Vorgesehen sind nun tatsächlich vier Fernverkehrsverbindungen pro Stunde zwischen Solothurn und Zürich: zwei Züge auf der Linie Genf–St. Gallen mit Halten in Grenchen Süd, Solothurn und Olten (Neubaustrecke) sowie zwei Züge auf der Linie Solothurn–St. Gallen mit zusätzlichem Halt in Oensingen und Egerkingen. Von Oensingen aus kann man also künftig Zürich direkt im Halbstundentakt erreichen.

Zusätzlich zu diesem geplanten Angebot auch den Intercity Genf–St. Gallen über Oensingen zu führen, wäre natürlich für die Gäuer Metropole toll, hätte aber anderweitig mehr Nach- als Vorteile, wie der Regierungsrat schreibt. So müsste etwa auf die Halte in Grenchen Süd und Solothurn verzichtet werden, um die vorgegebene Fahrzeit zwischen Biel, Olten und Zürich einzuhalten. Weiter würde die Streckenkapazität das geplante Angebot im Regional- und Güterverkehr nicht zulassen, wenn der IC-Zug nicht über die Neubaustrecke, sondern via Oensingen geführt werden müsste. Konkret könnten voraussichtlich die geplanten halbstündlichen Züge mit Halt in Oensingen und Egerkingen nicht über Olten hinaus weitergeführt werden und die Bedienung Oensingens mit dem IC ginge zulasten von zwei stündlichen Güterzugstrassen im Gäu. (mou)