Interaktive Karte
In diesen Solothurner Gemeinden gibt es am meisten klimaschädliche Autos

Am 13. Juni entscheidet das Stimmvolk über das CO2-Gesetz. Der Verkehr ist der grösste Treibhausgasverursacher in der Schweiz. Die SZ zeigt, in welchen Solothurner Gemeinden besonders umweltschädliche Autos stehen.

Rebekka Balzarini und Mark Walther
Drucken
Der Verkehr rollt auf den Strassen im Kanton, hier auf der Kantonsstrasse in Wangen bei Olten.

Der Verkehr rollt auf den Strassen im Kanton, hier auf der Kantonsstrasse in Wangen bei Olten.

Bruno Kissling

Der Kanton Solothurn

Beinwil, Rohr und Seewen: In diesen drei Solothurner Gemeinden ist der CO2-Ausstoss pro Auto im Durchschnitt am höchsten im ganzen Kanton. Das lässt sich anhand eines Datensatzes des Bundesamtes für Strassen (Astra) erkennen. Der Datensatz umfasst rund 4,7 Millionen in der Schweiz registrierte Autos und datiert vom 1. Mai dieses Jahres. Wir haben herausgearbeitet, wie die Solothurner Gemeinden abschneiden und nachgefragt, wie sich allfällige Unterschiede zwischen ihnen erklären lassen.

Der Kanton im Überblick

So viel vorweg: Die Werte in den Gemeinden liegen weit über dem CO2-Ziel, das der Bund den Autoimporteuren für Neuwagen vorgibt. Im Durchschnitt dürfen Personenwagen, die dieses Jahr neu zugelassen werden, 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Keine Gemeinde in der Schweiz schafft es bisher auch nur in die Nähe davon. Den tiefsten Wert weist Montagny-près-Yverdon (Waadt) mit 128,8 g/km auf (Höchstwert: Riemenstalden, SZ: 205,4). Die einzelnen Gemeinden haben keinen Einfluss darauf, welche Autos sich die Einwohnerinnen und Einwohner anschaffen. Auf Kantonsebene gibt es aber durchaus einen Anreiz dafür, sich beim Autokauf auch Gedanken um die Ökologie zu machen: Elektroautos werden im Kanton bisher nicht besteuert.

Die Gemeinden mit dem höchsten Ausstoss

Am höchsten ist der durchschnittliche CO2-Ausstoss im Kanton in den Gemeinden Beinwil, Rohr und Seewen. In Beinwil liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoss der 185 registrierten Autos bei 183 Gramm pro Kilometer. In Rohr sind es 181,5 g/km bei 36 Autos, und in Seewen sind es 172,5 g/km bei 694 Autos. Zwei der drei Gemeinden mit dem höchsten Ausstoss im Kanton sind Berggemeinden: Beinwil und Rohr. Dass der CO2-Ausstoss von Autos in Berggemeinden häufig höher ist, liegt auch daran, dass etwa in der Landwirtschaft häufig grössere Autos notwendig sind. Für Tiertransporte braucht es beispielsweise ein Auto, das in der Lage ist, einen Anhänger zu ziehen.

Die Gemeinden mit dem niedrigsten Ausstoss

Am tiefsten ist der durchschnittliche CO2-Ausstoss in den Gemeinden Unterramsern und Hüniken. 148 g/km stossen die Autos in den beiden Gemeinden durchschnittlich aus. In Unterramsern gibt es 144 Autos, in Hüniken 88. An dritter Stelle liegt die Gemeinde Aeschi mit einem durchschnittlichen Ausstoss von 150 g/km und 824 Autos.

So schneiden die drei Städte ab

Bei den Städten hat bezüglich des durchschnittlichen CO2-Ausstosses die Stadt Solothurn die Nase vorne. In Solothurn beträgt der durchschnittliche Ausstoss 151,4 g/km bei 8484 Fahrzeugen. Weniger Fahrzeuge, aber einen höheren Ausstoss verzeichnet die Stadt Olten: Dort gibt es 7318 Autos mit einem durchschnittlichen Ausstoss von 153,6 g/km. Auf dem letzten Platz im Städtevergleich landet die Stadt Grenchen. In Grenchen gibt es 8892 Autos mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoss von 157,7 g/km.

Die Rangliste der Solothurner Gemeinden

Gemeinde CO2 Ausstoss in Gramm pro Kilometer Anzahl Fahrzeuge
Beinwil (SO)183185
Rohr (SO)181,47222236
Seewen172,472622694
Holderbank (SO)171,269406438
Gänsbrunnen168,17647151
Kienberg167,457045291
Bärschwil166,65678472
Welschenrohr166,467662603
Hochwald166,057072806
Hofstetten-Flüh164,947971749
Nunningen164,7441251149

Kanton Solothurn im Mittelfeld

Im landesweiten Vergleich liegt der Kanton Solothurn im Mittelfeld. In ländlich-bergigen Kantonen wie Appenzell Innerrhoden oder Graubünden werden im Schnitt die klimaschädlichsten Autos gefahren. Das Berg-Argument alleine ist indes nicht die ganze Wahrheit. Mit dem Tessin schneidet ein bergiger Kanton am klimafreundlichsten ab, gefolgt von mehreren Westschweizer Kantonen.

Klimasünder Autofahrer – Schweizer kaufen zu leistungsfähige Wagen

Die Autofahrer sind hierzulande für rund ein Viertel der CO2-Emissionen verantwortlich. Betrachtet man alle Treibhausgase, sind die Emissionen in keinem anderen Sektor so hoch wie im Verkehr:

Alte Autos stossen tendenziell mehr CO2 aus – aber auch Neuwagen werden zunehmend zum Problem. Das zeigen die Zahlen des Bundesamts für Energie: Der CO2-Ausstoss der neu zugelassenen Autos steigt seit drei Jahren, nachdem es zuvor lange abwärts ging. Den Schweizer Neuwagenkäufern scheint das Umweltbewusstsein abhanden gekommen zu sein.

Ein Grund für die Trendwende ist, dass die Schweizer auf Allradfahrzeuge stehen. Die neusten Modelle stossen im Schnitt 28 Prozent mehr CO2 aus als Autos mit Front- oder Heckantrieb. Im Aargau ist jeder zweite Neuwagen ein Allrad. In den Bergkantonen ist der Anteil höher - in Graubünden sind es über 80 Prozent. Allerdings kaufen die Menschen im Flachland die stärkeren Allradautos: Eine Auswertung des Bundesamts für Energie zeigt, dass die Allradfahrzeuge in den Mittelland- und städtischen Kantonen mehr CO2 verursachen als in den Bergregionen.

Klimaziel verpasst

So erstaunt es nicht, dass die Treibhausgasbelastung durch den Verkehr heute gleich hoch wie vor 30 Jahren ist. Immerhin ist die Pro-Kopf-Belastung gesunken; es wohnen mehr Menschen in der Schweiz. Trotzdem: Der Verkehr ist einer der Hauptgründe, warum die Schweiz ihr gesetzlich verankertes Klimaziel für 2020 – 20 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990 – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verfehlt hat.

Das neue Schweizer Ziel lautet: minus 50 Prozent Treibhausgasausstoss bis 2030 im Vergleich zu 1990. Erreicht werden soll es dank des revidierten CO2-Gesetzes, über das das Stimmvolk am 13. Juni entscheidet. Im Verkehr sieht das Gesetz hauptsächlich zwei Massnahmen vor: Zum einen schärfere CO2-Ziele für Neuwagen. So sollen Autoimporteure dazu gebracht werden, umweltfreundlichere Autos auf den Markt zu bringen. Zum anderen müssen Treibstoffimporteure einen höheren Anteil der CO2-Emissionen kompensieren. Dafür können sie den Benzinpreis neu um maximal zwölf statt fünf Rappen pro Liter erhöhen.

Tipps zum Kauf eines energieeffizienten Autos

Beachten Sie die Energieetikette beim Autokauf. Sie liefert Informationen zu Treibstoffverbrauch, CO2-Emissionen und Energieeffizienz eines Wagens.

Eine Perle aus dem Archiv: Als die Energieetikette für Autos 2003 eingeführt wurde, liess sich der damalige SP-Verkehrsminister Moritz Leuenberger an einem Auspuff riechend fotografieren.

Eine Perle aus dem Archiv: Als die Energieetikette für Autos 2003 eingeführt wurde, liess sich der damalige SP-Verkehrsminister Moritz Leuenberger an einem Auspuff riechend fotografieren.

Keystone

Beachten Sie die Reifenetikette beim Kauf von Pneus. Auf die Reifen entfällt rund ein Fünftel des Treibstoffverbrauchs. Die Etikette zeigt, ob ein Pneu energiesparend, leise und sicher auf nassen Strassen ist.

Online-Suche. Im «Verbrauchskatalog» von Energie Schweiz und TCS befinden sich rund 2000 Automodelle, die anhand von Kriterien wie Preis, Marke, Energieeffizienz und Anzahl Sitzplätze gefiltert werden können. Das Tool bietet ausserdem einen Betriebskostenrechner.

Quelle: Energie Schweiz (Bundesamt für Energie)

Daten und Methodik

Der Datensatz des Bundesamts für Strassen (Astra) umfasst rund 4,7 Millionen in der Schweiz registrierte Autos. Er datiert vom 1. Mai dieses Jahres. Für die Auswertung des durchschnittlichen CO2-Ausstosses pro Gemeinde wurde ein Skript verwendet, das der «Tagesanzeiger» für die schweizweite Analyse erstellt und öffentlich zugänglich gemacht hat.

Rund sieben Prozent der Wagen wurden zu Beginn der Analyse entfernt, weil die CO2-Angabe fehlte. Das betraf vor allem mehrere Jahrzehnte alte Autos.

Vor vier Jahren wurde in der Schweiz und der EU eine neue Methode zur Ermittlung des CO2-Ausstosses bei Fahrzeugen eingeführt (WLTP). Im Astra-Datensatz sind allerdings sämtliche CO2-Werte nach der alten Methode berechnet (NEFZ), auch die der Neuwagen. Somit sind die Werte untereinander vergleichbar.

Der Datensatz ist nicht öffentlich verfügbar; er muss beim Astra kostenpflichtig bestellt werden.

Für die Einteilung in städtische und ländliche Gemeinden wurden Daten des Bundesamts für Statistik benutzt. Die Pro-Kopf-Einkommen pro Steuerpflichtige finden sich ebenfalls beim BFS.

Aktuelle Nachrichten