Soziales
Integration ist laut Studie Pflicht und Chance für Unternehmen

Betriebe sollten mehr tun für die Integration ausländischer Arbeitskräfte. Sie stehen dafür in der Pflicht und profitieren, wenn sich Ausländer gut eingliedern. Das sind die Kernaussagen einer am Montag in Bern vorgestellten Studie.

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Eine Studie sieht die Integration von Ausländern als Pflicht und Chance für Unternehmen.

Eine Studie sieht die Integration von Ausländern als Pflicht und Chance für Unternehmen.

Limmattaler Zeitung

In Auftrag gegeben hat die Studie die Migrations-Alliance des Kantons Bern. Das ist ein Zusammenschluss mehrerer Hilfswerke und Fachstellen, so etwa der Fachstelle Migration der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.

Neben theoretischen Überlegungen zur Verantwortung der Unternehmen des Wirtschaftsethikers Prof. Florian Wettstein von der Uni St. Gallen bilden Porträts von sechs vorbildlichen Unternehmen im Kanton Bern die 55-seitige Studie. Dazu gehört das Restaurant Tibits im Berner Hauptbahnhof, in dem die Studie vorgestellt wurde.

Tibits gibt den gesamtschweizerisch 280 Angestellten aus 40 Ländern die Regel vor: Bei uns wird Deutsch gesprochen. Anderseits bietet die Firma interne Deutschkurse an und zahlt Personen mit Perspektiven externe Kurse. Der «Lohn» für die Firma: wenige Leute kündigen und die Stimmung im Betrieb ist gut.

Dieses Modell sei besser, als wenn Baufirmen auf den Baustellen national zusammengesetzte Teams bildeten. Denn so sprächen Ausländer auch nach vielen Jahren in der Schweiz die Landessprache nicht, sagte der Journalist Christian Zeier, von dem die sechs KMU-Porträts stammen.

KMU wollen nicht mehr Vorschriften

Den Auftrag für die Studie gegeben hat die bernische Migrationsallianz, weil für sie die Wirtschaft im ersten bernischen Integrationsgesetz zu wenig zur Verantwortung gezogen wird. Die Kantonsregierung hat den Gesetzesentwurf kürzlich zur Behandlung dem Grossen Rat überwiesen.

Die Allianz kommt nun aber nicht mit einem ausformulierten Vorschlag für einen Gesetzesartikel, wie Anne-Marie Saxer-Steinlin von dieser Vereinigung vor den Medien sagte. Die Studie sei als Diskussionsbeitrag mit Blick auf die parlamentarische Behandlung und als Appell an die Unternehmen gedacht.

Der Direktor des Verbands kleiner und mittlerer Unternehmen im Kanton Bern (Berner KMU), Christoph Erb, bejahte vor den Medien die moralische Verantwortung der Betriebe bei der Integration. Integration finde aber im Alltag oft ganz einfach statt und es brauche dazu keine weiteren Vorschriften.