Gestählter Bizeps, Sixpack und jedem Gramm zu viel wird der Krieg erklärt. Längst ist es nicht mehr die tägliche Joggingrunde, mit welcher sich die Leute fit halten, sondern sind es Fitnessangebote, die boomen. Neue Fitnesscenter werden aus dem Boden gestampft, derzeit etwa in Bellach, kürzlich in Zuchwil und decken die Nachfrage der Bevölkerung ab. Mit Fitnessstudios, Cross-Fit, Pole-Fit, Citycircles und Trampolin-Fit drängen zudem immer mehr Angebote aus Übersee auf den hiesigen Markt.

Im Kanton Solothurn existieren laut einer Recherche dieser Zeitung bereits weit über 50 solche Fitnessangebote – weitere sind in Planung. Die beliebteste Form stellt immer noch das Krafttraining in Fitnessstudios dar. An Geräten mit Gewichten und Zugsystemen werden die gewünschten Muskelgruppen trainiert. Claude Ammann, Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheits-Center-Verbandes, sagt: «Im Kanton Solothurn kommt der Gesundheitstrend im Vergleich zur restlichen Deutschschweiz eher spät auf. Dies kann mit der Nähe zur Romandie zusammenhängen, wo der Gesundheitstrend noch kaum verfolgt wird.»

Mehr Muskeln oder weniger Fett

Junge Leute besuchen die Center oftmals, um dem Schönheitsideal zu genügen und dem Bodykult zu folgen, ältere wollen das über Jahre angesetzte Bäuchlein loswerden oder versuchen, durch die Fitnessangebote die Auswirkungen des Alters auszubremsen. Claude Ammann sagt: «Laut neuesten Zahlen sind mehr als die Hälfte aller Besucher von Fitnesscentern über 45 Jahre alt. Die Tendenz geht in die Richtung, dass die Leute mehr dafür tun wollen, um gesund alt zu werden.»

Die Fitnessangebote sind keineswegs nur in den Städten zu finden. Viele Physiotherapie-Praxen gliedern ein Fitnessstudio an. Um die Auslastung der Geräteparks zu erhöhen, können dort auch Nichtkunden gegen Entgelt trainieren. Dies bringt für die Bevölkerung Angebote in der Nähe, was dem Fitnesstrend zusätzlich Schub verleiht.

Teures Vergnügen

Die fehlende Bewegung in Bürojobs und die Ansprüche der Gesellschaft auf einen gesunden Lebensstil bringen die Leute dazu, sich das Fitnessabo etwas kosten zu lassen. Um ein Jahr Krafttraining ausüben zu können, zahlt man im Kanton zwischen 400 und 1250 Franken pro Jahr. Die Betreuung durch Personal, die Infrastruktur der Studios oder die Vielfalt an Geräten variieren stark. Teils zahlt man für die Benützung der Duschen und Garderoben extra, bei anderen Anbietern ist der Zugang zum Wellnessbereich direkt inbegriffen. Bei den meisten Anbietern bekommt man für ungefähr 800 Franken ein Jahresabo mit Zugang zum Gerätepark, Umkleiden und Duschen.

«Bereits jetzt sind schon 50 Prozent der Leute, die ins Fitnesscenter gehen, über 45 Jahre alt.»

«Bereits jetzt sind schon 50 Prozent der Leute, die ins Fitnesscenter gehen, über 45 Jahre alt.»

Claude Ammann ist Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbandes. Er weiss, wie wichtig Bewegung für den Menschen ist und wie der Trend in den letzten Jahren aussieht. Immer mehr ältere Menschen gehen ins Fitnessstudio.

Claude Ammann: «Momentan spezialisieren sich viele Anbieter. Einige investieren in die Betreuung, um ältere Leute als Kunden zu gewinnen, andere bieten günstige Abos mit wenig Betreuung, was den Bedürfnissen jüngerer Leute entsprechen soll.» Um die Kundschaft zu sich zu locken, lassen sich die Anbieter einiges einfallen. In manchen Studios erhalten nur Frauen Zugang, was einem ungestörten Training förderlich sein soll, andere versuchen mit liberalen Öffnungszeiten von sehr früh morgens bis spät abends, jedem Kunden vor und nach der Arbeit das Trainieren zu ermöglichen.

Mittlerweile haben auch die Versicherer den Nutzen des Fitnessbooms für sich entdeckt. Die Zusatzversicherungen attraktivieren mit Beiträgen von bis zu 500 Franken an ein Jahresabo den Gesundheitstrend.

Oft beschränkt sich das Angebot der Zentren auch nicht mehr nur auf den Gerätepark im Studio. Es werden zudem Groupfitness und Bootcamps angeboten. Der Grund für den Erfolg der Groupfitnessangebote liegt darin, dass es für viele Leute leichter ist, den «inneren Schweinehund» gemeinsam in einer Gruppe zu überwinden. Der Druck der Gruppe hilft zudem, sich gegenseitig anzuspornen, und da niemand zuerst aufgeben will, erhöht es die körperlichen Leistungen der Teilnehmer. In den sogenannten Bootcamps werden die Teilnehmer während einer kurzen Zeitdauer gezielt an oder über ihre körperlichen Leistungsgrenzen geführt. Dies soll die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Alternative Angebote

Ein Fitnessangebot, das erst vor wenigen Jahren im Kanton Solothurn angekommen ist, ist Crossfit. Die Sportart, die aus Amerika kommt, ist vom Militär inspiriert. Wer Crossfit trainiert, kann durchaus auch ein Seil hochklettern oder auf einen Sandsack eindreschen. Crossfit beansprucht gleichzeitig eine Vielzahl an Muskelgruppen und kombiniert Elemente der Leichtathletik, des Kunstturnens, des Krafttrainings und mehrerer weiterer Sportarten.

Das Wichtigste beim Crossfit ist die Intensität. Jede Trainingseinheit wird mit grösstmöglicher Geschwindigkeit und der maximal aufwendbaren Leistung absolviert. Gefragt sind aber auch Beweglichkeit, Geschicklichkeit, Balance und Koordination. In einer Crossfit-Box wird man immer durch Fachpersonen betreut und begleitet. Im Kanton existieren drei solcher Boxen. Das CrossFit Öuf in Zuchwil, das CrossFit Weissenstein in Bellach und das CrossFit Olten.

Passanten-Umfrage in Solothurn zum Thema Fitness: «Jeder soll machen, wie es ihm gefällt.»

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Sechs Passanten sagen in der Solothurner Altstadt, was sie von Fitness halten. 

Eine andere Alternative, die immer mehr aufkommt, ist Polefitness. Der Tanz an der Stange hat in dieser Form überhaupt nichts mehr mit einschlägigen Lokalen zu tun, sondern wird auf die Stufe eines Sports gebracht, der ein hohes Mass an Körperbeherrschung und vor allem Körperspannung erfordert. Beim Polefitness werden eine Vielzahl an Muskeln beansprucht, und das Körpergewicht an der Stange zu halten erfordert viel Kraft und Ausdauer. Angebote bestehen in Grenchen und Langendorf.

Wer vom Indoorsport nichts hält, kann auf den Trend der Citycircles aufspringen. Bei dieser Fitnessdisziplin wird das Studio durch eine Stadt ersetzt. In einer Gruppe werden an verschiedenen Stellen quer über die Stadt verteilt Kraftübungen trainiert. Die Distanzen dazwischen werden joggend zurückgelegt. Citycircle bietet damit einen Mix aus Ausdauer- und Krafttraining. Solche Angebote gibt es im Kanton bisher nur in Solothurn.