Schwarze Liste
Informationen über pädophile Lehrer sollen einfacher fliessen

SP-Kantonsrätin Franziska Roth will einfachere Verfahren für die Schulleitung. Pädophile Lehrer sollten auf einer schwarzen Liste eingetragen werden und auch in Nachbarkantonen nicht angestellt werden.

Urs Byland
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Franziska Roth will, dass die Informationen einfacher fliessen.

Franziska Roth will, dass die Informationen einfacher fliessen.

Felix Gerber

Franziska Roth, Sie wollen wegen des Lostorfer Lehrers im Kanton aktiv werden. Wie?

Franziska Roth: Ich werde mich zuerst einmal in der kantonalen Bildungs- und Kulturkommission erkundigen, wie die Schulleitungen heute zu Informationen über pädophile Lehrer kommen.

Woher sollten sie diese Informationen beziehen?

So viel ich weiss, verfügt nicht nur der Kanton Solothurn, sondern auch seit 2005 die Konferenz der Erziehungsdirektoren über schwarze Listen. Aber das Abfragen durch die Schulleitungen soll sehr kompliziert sein, dies aus Datenschutzgründen.

Was wollen Sie erreichen?

Ich will wissen, auf welchem Stand der Auftrag von Stefan Müller von 2011 ist. Der abgeänderte Auftrag der Bildungs- und Kulturkommission betreffend erleichtertem Zugang zu den Daten und eine Sensibilisierung der Schulleitung wurde erheblich erklärt. Ich will, dass die Auskunft also telefonisch eingeholt werden kann oder, noch besser, ein geschützter Web-Zugriff möglich ist.

Wie meinen Sie das?

Bei jeder Anstellung sollte die schwarze Liste konsultiert werden können, auch diejenigen der anderen Kantone.

Warum?

Es kann doch nicht sein, dass eine Lehrperson in einem anderen Kanton ein Verfahren wegen Pädophilie, Sucht oder Gewalttätigkeit hatte, und dann bei uns als Lehrkraft arbeiten darf, sich also davonschleichen kann.

Wollen Sie ein Arbeitsverbot erreichen?

Solche Straftaten lassen sich nicht mit der Arbeit mit Kindern vereinbaren. Wird einer Lehrperson die Unterrichtsberechtigung in einem Kanton entzogen, fordere ich Null-Toleranz auch in anderen Kantonen.

Null-Toleranz tönt plakativ. Was meinen Sie damit?

Wenn eine Person ein laufendes oder ein abgeschlossenes Verfahren im Bereich Pädophilie, Sucht oder Gewalt hat, darf diese Person nicht wieder in diesem Beruf arbeiten.

Gilt in einem laufenden Verfahren nicht die Unschuldsvermutung?

Zum Schutz von Kindern und auch der Person selber sollten in einem laufenden Verfahren in den obengenannten Bereichen diese Personen nicht unterrichten dürfen. Wenn das Verfahren keine strafbaren Handlungen ergibt, darf die Person natürlich wieder
unterrichten.

Bei abgeschlossenen Verfahren fordern Sie ein Berufsverbot.

Ja. Wenn nach der Verbüssung der Strafe bei jemandem nicht klar ist, ob er rückfällig wird, soll er nicht mit Kindern arbeiten dürfen.

Auch wenn die Person sich nachweislich nie mehr hat etwas zuschulden lassen kommen?

Ich bin vom Wesen her ein Mensch, der immer eine Türe offen lässt, wenn sich jemand ändert. Trotzdem finde ich, dass diese Person gar nicht mehr eine Arbeit mit Kindern suchen sollte.

Also 99,9 Prozent Null-Toleranz?

So kann man es sagen.

Und deshalb fordern Sie einen automatischen Austausch?

Eine Stellvertretung muss innert Stunden angestellt werden können. Manchmal müssen sie ja schon am nächsten Tag im Einsatz stehen. Eine Abfrage sollte für die Schulleitungen einfach und schnell möglich sein.