Es bildet eines der zentralen Themen der aktuellen Raumplanungsdiskussion: die Nutzung von Industriebrachen. Statt neue Betriebe auf irgendwelchen eingezonten Industrieflächen anzusiedeln, sollten diese vor allem auf nicht mehr genutzten Industriearealen zu stehen kommen. Festgeschrieben wird diese Maxime bei der Überarbeitung des kantonalen Richtplans.

In die gleiche Richtung zielt eine Interpellation von Marie-Theres Widmer (CVP, Steinhof) unter dem Titel «effiziente Ausnutzung von Industrieland». «Schwer verständlich» sei, so Marie-Theres Widmer, dass die internationale Unternehmensgruppe Steinhoff in Derendingen gleichsam auf der grünen Wiese ein Service- und Dienstleistungszentrum mit 220 Arbeitsplätzen erstellen wird. Dies, obwohl doch in der gleichen Region Industriebrachen in grossem Umfang zur Verfügung stehen.

Kuno Tschumi, Gemeindepräsident von Derendingen und Sprecher der FDP-Fraktion, erinnerte am Dienstag im Kantonsrat daran, dass das Areal Weissensteinfeld in Derendingen bereits vor vielen Jahren als Industriezone von Parlament und Regierung gutgeheissen worden ist. Ein Problem der Industriebrachen sei zudem deren Verfügbarkeit. «Diese müssen zuerst von Altlasten befreit werden, bevor sie bebaut werden können.»

Das Projekt erfülle im Übrigen, wie Tschumi betonte, sämtliche Auflagen. Dazu gehöre etwa eine Beschränkung der Anzahl Fahrten. Diese könnte mit der geplanten Zahl von Arbeitsplätzen sogar unterschritten werden. Damit reagierte Tschumi auf die Kritik, dass mit der Überbauung von 80 000 m² Industrieland «nur» 220 neue Arbeitsplätze entstehen sollen.

Zu viel Bauland eingezont

Das Wissensteinfeld in Derendingen sei «rechtskräftig eingezont worden», betonte auch die Sprecherin der Grünen, Barbara Wyss (Solothurn). Sie würdigte zudem das Erschliessungskonzept. Man werde das Projekt aber weiterhin kritisch verfolgen. Ganz grundsätzlich bestehe das Ziel aber darin, dass die Industriebrachen im Kanton Solothurn besser genutzt werden. Eine «Misere» nannte SP-Sprecher Markus Ammann (Olten) die Siedlungspolitik der vergangenen Jahrzehnte. «Viele Gemeinden haben eine Menge Bauland eingezont und nur einige wenige hatten das Glück, gute Investoren zu finden.»

Bruno Vögtli (CVP, Hochwald) verwies als Sprecher der grossen Mittefraktion darauf, dass mit dem neuen Raumplanungsgesetz des Bundes neue Bauzonen nur dann möglich sind, wenn gleich grosse Flächen ausgezont werden.

Auch SVP-Sprecher Hugo Schumacher (Luterbach) machte deutlich, dass die «Ressource Boden» mit dem neuen Bundesgesetz geschützt werde. «Die Siedlungsfläche soll nicht mehr grösser werden.» (esf)