Olten/Balsthal

Individuelle Wohlfühlpakete sind für das Reisebüro immer wichtiger

Walter Kunz (links) und Hansruedi Hauri junior vor der Filiale von Hauri Reisen in Olten.

Walter Kunz (links) und Hansruedi Hauri junior vor der Filiale von Hauri Reisen in Olten.

Ekoreisen war das älteste Reisebüro der Region. 2015 wurde es von Hauri Reisen übernommen. Am liebsten werden positive Emotionen verkauft. Das wird in Zeiten des Internets immer wichtiger.

Walter Kunz denkt nicht ans Aufhören. Der ehemalige Ekoreisen-Geschäftsführer ist pensioniert – eigentlich. Nach wie vor leitet der 68-Jährige fünf bis zwölf Gruppenreisen im Jahr. «In dem Moment, wo ich des Reisens müde werde, lasse ich es bleiben», sagt er lachend.

Aber noch ist es nicht so weit. Dieses Jahr wird er etwa eine zweiwöchige Tour von Moskau nach Peking und eine einwöchige Flussfahrt in Deutschland begleiten. Im Januar 2018 gehts dann an eine seiner Lieblingsdestinationen: Ecuador und Galapagos. «Für mich eine der komplettesten Reisen: Vom Eis über den Amazonas und das tropische Tiefland bis zum Artenreichtum auf Galapagos, man erlebt sämtliche Klimazonen. Ein Traum.»

Walter Kunz, seit 1970 in der Reisebranche tätig, ging 2015 gemeinsam mit seiner Mitgeschäftsführerin Christine Robert in Pension. Die beiden suchten eine Lösung, um das Unternehmen Ekoreisen mit 12 Angestellten an den Standorten Olten und Balsthal am Leben zu erhalten – Ekoreisen ging 1962 aus der Ersparniskasse Olten hervor und ist das älteste Reisebüro in der Region. Die Lösung fanden sie in Hansruedi Hauri junior und Hansruedi Hauri senior. Diese übernahmen das Unternehmen und integrierten es in ihre eigene Firma Hauri Reisen.

Schleichender Wandel

Hauri Reisen, von Hansruedi Hauri senior 1986 in Zofingen gegründet, zählt heute 22 Mitarbeiter an den drei Standorten Olten, Zofingen und Balsthal und einen Gesamtumsatz «im mehrstelligen Millionenbereich», so Hauri junior. Das Konzept der persönlich geführten und betreuten Gruppenreisen, wofür Ekoreisen bekannt war, wurde unverändert übernommen. Hauri Reisen selbst ist auf Individualreisen spezialisiert. Aber: «Wir möchten die Gruppenreisen ausbauen», sagt Hauri junior. Sie seien ein Produkt, das so nicht im Internet zu haben sei.

Ja, die grosse Konkurrenz – das sei das Internet, sagt Hansruedi Hauri junior, der das Geschäft 2012 von seinem inzwischen pensionierten Vater übernahm und der Neuseeland als Lieblingsdestination nennt. Die ganze Branche sei davon betroffen; die Zahl der Reisebüros habe sich in den letzten zehn Jahren halbiert, meint der 35-Jährige. «Das war eine schleichende Sache», erinnert sich auch Walter Kunz. «Der grösste Wandel – das sind die günstigeren Preise fürs Reisen.»

Mit Aufkommen der Billigfluganbieter habe sich die Reisebranche in den letzten 20 bis 30 Jahren extrem verändert. Dennoch, der Sicherheitsgedanke sei wieder gewachsen bei den Leuten. Hauri nennt ein Beispiel: «Als 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull den Flugverkehr lahmlegte, riefen uns Kunden aus der ganzen Welt an. Wir konnten ihnen innert kurzer Zeit einen Rückflug buchen, da wir mit den Fluggesellschaften direkt verhandelten. Wer übers Internet einen Flug gekauft hatte, der musste am Flughafen anstehen und warten.»

Viele Herausforderungen

Ein Reisebüro verkaufe Emotionen, sagt Hauri – am liebsten positive. Für Hauri Reisen werde es daher immer wichtiger, individuelle Wohlfühlpakete zusammenzustellen. Badeferienpakete indessen wanderten heute zu einem grossen Teil ins Netz ab. «Man muss sich eben dem Trend anpassen», weiss auch Walter Kunz – in Zeiten von Online-Buchungen sicher eine gute Überlebensstrategie.

Als privates, unabhängiges Unternehmen kann sich Hauri Reisen auch von den Grossen wie Kuoni oder Hotelplan abheben: «Wir bieten eine neutrale Beratung, während die Touroperators in erster Linie eigene Produkte verkaufen wollen.» Zudem könne man auf langjährige Mitarbeiter und Stammkunden zählen.

Dennoch, der Herausforderungen sind viele: Konkurrenz im nahen Euroraum, Streiks von Piloten und Kabinenpersonal, politische Verwerfungen, Terroranschläge. «Wir wissen noch nicht, welchen Einfluss etwa die Wahl von Trump auf das USA-Reisegeschäft hat. Als Bush Präsident war, lagen Reisen in die USA nicht im Trend.» Flüge in die Türkei und nach Ägypten seien derzeit ebenfalls extrem günstig – aber wegen Terroranschlägen in jüngster Zeit nicht gefragt. Dies käme Trenddestinationen wie Spanien, Griechenland und Skandinavien zugute.

Obschon die Reiselust in den vergangenen Jahren Dämpfer erhielt – 2015 aufgrund der Eurokrise, 2016 wegen Terroranschlägen –, sei das Jahr 2017 sehr gut angelaufen, sagt Hauri. «Vielleicht haben die Leute Nachholbedarf», mutmasst er. Und es sind nicht nur jene über fünfzig, die im Reisebüro buchen. «Auch Jüngere ab 20 kommen wieder zu uns», sagt er. Er sieht zuversichtlich in die Zukunft.

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