Gefährliche Kerzen

In vielen Altersheimen brennen nur noch künstliche Kerzen

Zur Sicherheit aller brennen in vielen Altersheimen künstliche Kerzen.

Zur Sicherheit aller brennen in vielen Altersheimen künstliche Kerzen.

Ob am Kranz, am Weihnachtsbaum oder als Dekoration auf dem Tisch, nichts eignet sich besser zur festlichen Dekoration als Kerzen. Der schöne Weihnachtsbrauch hat aber seine Tücken. Vermehrt kommt es in der Adventszeit zu Wohnungs- und Geschäftsbränden.

In Balsthal fing vor kurzem eine Wohnung Feuer, nachdem in einem unbeaufsichtigten Moment eine Kerze Dekorationsmaterial angezündet hat und später auf Möbelstücke übergriff. Eine beschädigte Wohnung und einen Sachschaden von mehreren 10000 Franken waren die Folgen. Fast zeitgleich war in einem Solothurner Büro ein Adventskranz in Feuer aufgegangen. Eine nicht ausgelöschte Kerze war der Grund für den Glimmbrand. «Unfälle mit Kerzen passieren grösstenteils aus Unachtsamkeit oder aus Vergesslichkeit», erklärt Eliane Birchmeier von der Beratungsstelle für Brandverhütung (BfB).

Im letzten Jahr lösten Kerzen über 600 Brände in Schweizer Haushalten aus. Ob in einer Familie, in einem Single-Haushalt oder bei einem Rentnerpaar – eine Statistik über die Bewohner der Haushalte, in denen Brände geschehen, wird bei der BfB oder der Kantonspolizei Solothurn nicht geführt. Von einem Zusammenhang zwischen Bränden und älteren Menschen könne laut Eliane Birchmeier nicht gesprochen werden: «Die Gefahr von Kerzen wird grundsätzlich von allen unterschätzt.» Ältere Menschen seien vielleicht vergesslicher, doch stammen sie aus einer Generation, wo mit dem Feuer behutsam umgegangen wurde. Eine Nachfrage in verschiedenen Alters- und Pflegeheimen in der Region zeigt, dass nicht nur in der Adventszeit die Risikominimierung bei Kerzen grossgeschrieben wird.

Kontrollgänge

In Solothurn sind im Alterszentrum Wengistein Kerzen grundsätzlich erlaubt. Brennen dürfen sie aber nur in speziellen Vasen, die von den Pflegern abgegeben werden und mit Sand abgefüllt sind. Der Sand und das stabile Glas verhindern, dass die Kerze umkippen kann. Zusätzlich machen die Pfleger Kontrollrundgänge und schauen, dass die Kerzen ordnungsgemäss stehen oder aufgestellt sind. Dass Kerzen brennen dürfen, werde – vor allem in der Adventszeit – von den Bewohnern des Alterszentrums Wengistein sehr geschätzt.

Anders sieht es im Betagten- und Pflegeheim Magnolienpark Solothurn aus. Hier herrscht seit längerer Zeit ein Kerzenverbot. Ein korrekter Umgang mit den Kerzen, wie die Sicherheit dies fordert, könne von älteren Menschen nicht gewährleistet werden. Darum dürfen im Magnolienpark zum Schutz aller keine Kerzen brennen. Statt Wachskerzen werden künstliche, batteriebetriebene Kerzen, die sich kaum von echten unterscheiden, angezündet. Verschiedene Modelle kommen im Magnolienpark zum Einsatz. Die Bewohner zeigen grosses Verständnis, denn schliesslich gehe es um ihre eigene Sicherheit und bislang hätte sich noch niemand über das Verbot beschwert, wird gesagt.

Auch im Elisabethenheim in Zuchwil sind Kerzen im Wohnbereich nicht erlaubt. Die einzigen Kerzen befinden sich am Adventskranz im Eingang und in der Kapelle. Brennen dürfen diese nur in Anwesenheit von einer oder mehreren Personen. Viele Bewohner hätten schon zu Hause selten eine Kerze angezündet und respektieren, dass im Elisabethenheim keine Kerzen brennen dürfen, sagen die Verantwortlichen. Pünktlich zur Weihnachtszeit und zur Freude der Bewohner, hat die Heimleiterin und Oberin Edelina Uhr allen ein eigenes, aufladbares, künstliches «Kerzli geposchtet».

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