Industrietag

In Subingen tanzen die Roboter

Die Produktion von hochwertigen Verbindungskomponenten für Wasser- und Gasrohrleitungen ist bei der GF Wavin AG hochautomatisiert.

Die Produktion von hochwertigen Verbindungskomponenten für Wasser- und Gasrohrleitungen ist bei der GF Wavin AG hochautomatisiert.

Der Solothurner Industrieverband Inveso hat die Georg Fischer Wavin AG besucht. Diese produziert Verbindungskomponenten für Wasser- und Gasrohrleitungen.

«Sie werden auf dem Betriebsrundgang nichts Alltägliches sehen.» Andreas Pauli, Leiter des Werkes Subingen der GF Wavin AG, versprach am Industrietag des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso) nicht zu viel.

In der riesigen Halle sind Roboter am Werk, die mit ihren zackigen Bewegungen sofort an eine moderne Tanzperformance erinnern. Vollautomatisch und in hohem Tempo beladen sie die 35 Spritzgussmaschinen mit Werkzeugen, jonglieren die damit gefertigten Kunststoffteile millimetergenau in die richtige Position und stapeln die Fertigteile am richtigen Ort zur Verpackung und zum Weitertransport.

Teilweise sind drei Roboter pro Spritzgussanlage in Betrieb. Pro Jahr werden 4200 Tonnen Kunststoffgranulat in Millionen von Rohrverbindungselementen wie Muffen und Stutzen-Fittings verarbeitet. Das Rohmaterial wird über Trichter zugeführt, aufgeheizt und verflüssigt in die Werkzeuge gespritzt und die Teile werden wieder abgekühlt.

Fast maximale Verfügbarkeit

Pauli spricht von einer vollautomatischen Hightech-Produktion. Ein Mitarbeiter betreue gleichzeitig drei vollautomatische Anlagen. Sie läuft je nach Auftragslage im Vierschichtbetrieb rund um die Uhr. Die Verfügbarkeit der Anlagen liege bei 98 Prozent, der Stillstand nur bei 2 Prozent. Nur so sei diese Massenproduktion auf dem teuren Werkplatz Schweiz überhaupt möglich.

Den Lohnkostenanteil beziffert Pauli auf drei bis vier Prozent. Im Vergleich zu früheren Jahren ist der Personalbestand in Subingen gesunken. «Aber ohne die Umstellung auf die vollautomatische Produktion wäre die Firma gar nicht mehr hier», sagt der Werksleiter.
Der Standort Subingen mit seinen 86 Mitarbeitenden ist ein reiner Produktionsbetrieb. Täglich würden vier bis sieben Lastwagen mit Anhänger die Teile von Subingen nach Schaffhausen in das Logistikzentrum von GF Wavin transportieren.

Von dort aus geht es in die ganze Welt, der Exportanteil liege bei 95 Prozent. «Alle hier produzierten Teile sind nach deren Einsatz nicht mehr sichtbar. Sie werden für die im Boden verlegten Gas- und Wasserrohrleitungen eingesetzt.»

Teil eines globalen Konzerns

Die GF Wavin AG gehört zur Division Piping Systems des Schaffhauser Weltkonzerns Georg Fischer. Mit über 6200 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 1,4 Milliarden Franken ist Piping Systems der grösste Konzernbereich.

Georg Fischer produziert seit 17 Jahren in Subingen. Die Fabrik gehörte früher zur Von-Roll-Tochter Rollmaplast, die damals Kunststoffrohre fertigte. 1992 verkaufte Von Roll die Kunststoffsparte an die niederländische Wavin-Gruppe. 1999 bündelten Wavin und GF ihre entsprechenden Aktivitäten im Joint Venture GF Wavin AG. Daran ist GF mehrheitlich beteiligt.

Deshalb werden die Entscheide – auch für Subingen – im Konzernhauptsitz in Schaffhausen gefällt. Um sich innerhalb der Gruppe behaupten zu können, brauche es immer viel Überzeugungsarbeit, gerade auch in Phasen mit dem starken Franken. Offenbar gelingt das Subingen gut.

«Der Konzern ist gewillt, weiterhin im Wasseramt zu investieren», freut sich Pauli. So werde im Februar eine millionenschwere vollautomatische Produktionszelle installiert. In der Strategie 2020 sei festgehalten, die Produktion höherwertiger Produkte zu verstärken und die Schweizer Standorte zu erhalten.»

Maushart: «Industrie hat Zukunft»

Dieses Beispiel zeige eindrücklich, so Inveso-Präsident Josef Maushart, dass auch eine Massenproduktion dank vollautomatischer Produktion auf dem Werkplatz Schweiz möglich sei. «Der Industriestandort Schweiz hat Zukunft.» Die meisten Firmen hätten nach dem Frankenschock den Weg zurück auf die Erfolgsspur gefunden.

Sorgen bereiten ihm aber kleinere Firmen, die nur einen beschränkten Handlungsspielraum hätten. Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler hielt vor den rund 100 Anwesenden fest, dass die Schweiz bezüglich Wettbewerbsfähigkeit im WEF-Ranking zum achten Mal in Folge auf Platz eins liege.

Gründe dafür seien ein «sehr effizienter Arbeitsmarkt, der Technologie-Vorsprung und ein beispielhaftes Bildungssystem». Sie erinnerte daran, dass der Kanton selbst nicht Unternehmer spielen könne. «Aber wir wollen möglichst optimale Rahmenbedingungen schaffen.»

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