Frauenfussball
In Solothurner Fussballklubs gilt selten «Ladies first»

Der FC Attiswil baut neue Garderoben, um den Frauenfussball zu fördern. Klubs, die wegen Platzproblemen keine Frauen aufnehmen und den Männern Vorrang geben, sorgten auf nationaler Ebene für Schlagzeilen. Doch wie siehts in der Region Solothurn aus?

Lea Schreier
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Der FC Attiswil baut neue Garderoben, um den Frauenfussball zu fördern.
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Bis zum Einweihungsfest am 20. Juni muss der Garderobenanbau des FC Attiswil abgeschlossen sein. Hansjörg Sahli
Der Innenausbau der neuen Garderoben steht an. ZVG

Der FC Attiswil baut neue Garderoben, um den Frauenfussball zu fördern.

Unser Verein gehört seit zwanzig Jahren zu den grossen Förderern des Frauenfussballs in der Region», sagt Heinz Hohl, Präsident des FC Attiswil. Aktuell hat der Fussballklub je eine aktive Damenmannschaft in der 2. und 3. Liga und ein Juniorinnenteam. Der FC Attiswil zählt somit über 50 Frauen. «Wir sind im Verein etwa gleich viele Männer wie Frauen. Wir werden der Gleichstellung also gerecht und sind sehr zeitgemäss», meint Hohl lachend.

Um den Frauenfussball aber gleichwohl wie jenen der Herren weiter fördern zu können, musste der FC Attiswil in einen Garderobenanbau investieren. Denn die bestehende Infrastruktur mit nur zwei Garderoben und einer gemeinsamen Dusche war für die Männer und Frauen, die oft am gleichen Tag trainieren, sehr unpraktisch. Während der Meisterschaft, wenn die Gastmannschaften zusätzlich Platz in den Kabinen benötigen, war die Situation zunehmend unzumutbar. Deshalb musste die Infrastruktur erweitert werden: zwei voneinander getrennte neue Ankleide- und Duschräume werden zurzeit erbaut. Investiert wurden 250 000 Franken, die Bürgergemeinde beteiligte sich mit einem Darlehen.

Solchen finanziellen Aufwand für den Frauenfussball, den der FC Attiswil mit dem Garderobenanbau betrieben hat, scheuen andere Vereine. Fussballklubs, die wegen Platzproblemen gar keine Frauen aufnehmen und den Männern den Vorrang geben, sorgten auf nationaler Ebene bereits für Schlagzeilen. Doch wie gehen andere Vereine in der Region Solothurn mit dieser Problematik um? Führen manche Klubs aus Platzgründen keine Damenmannschaften?

Der FC Bellach hat zurzeit noch kein eigenes Frauenteam. Als Grund nennt Präsidiumsmitglied Dieter Allemann neben fehlenden interessierten Frauen auch die Infrastruktur. «Bisher hatten wir zwar mehrere Kabinen, aber nur eine Dusche.» Im letzten Jahr seien nun jedoch zusätzlich drei Container errichtet worden. «Unter anderem sind dort auch weitere Garderoben vorhanden, in denen sich Frauen separat umziehen könnten», schildert Allemann. Denn der Verein habe vor, ein Frauenteam aufzubauen, und habe auch deshalb in weitere Räumlichkeiten investiert. Man stehe aber noch ganz am Anfang, so Allemann.

Auch der FC Subingen führt kein eigenes Damen- oder Juniorinnenteam. Mädchen können aber bei den Jungs mitkicken. «Das gibt wegen dem Umziehen manchmal Schwierigkeiten, denn die Mädchen haben keine separate Garderobe», erklärt Vereinspräsident Remo Kissling und fügt an: «Unsere Infrastruktur ist vollumfänglich am Anschlag.» Schliesslich halten die 23 Mannschaften des FC Subingen pro Woche insgesamt rund 40 Trainings ab. Der Platzmangel sei ein entscheidender Grund dafür, dass der FC Subingen kein Frauenteam stelle, da ein solches eine separate Dusche benötigen würde. «Ob es aber überhaupt Bedarf und genügend Frauen für eine Mannschaft gäbe, kann ich im Moment nicht beurteilen», meint der Präsident.

Ähnlich prekär sind die Garderoben-Verhältnisse beim FC Solothurn. «Die Kapazitäten unserer Anlage sind komplett ausgeschöpft, sagt Pressesprecher Jürg Naegeli. Der Verein lässt die Mädchen ebenfalls bei den Buben mitspielen, führt aber kein Damenteam. «Noch mehr Mannschaften liegen beim FC Solothurn absolut nicht drin.» Die Situation werde sich aber in den nächsten Jahren durch eine von der Stadt Solothurn finanzierte Erweiterung und Sanierung der veralteten Räumlichkeiten verbessern, erzählt Naegeli. «Die Gründung einer Frauenmannschaft wird dann aber nicht erste Priorität haben. Zuerst muss so viel Platz vorhanden sein, dass alle Junioren wieder einen Sitzplatz in der Garderobe haben», so Naegeli.

Die Möglichkeit, aktiv in einem Team Fussball zu spielen, bietet sich Frauen beim SC Blustavia Solothurn. «Wir haben den Frauenfussball in den letzten Jahren speziell gefördert und eine Frauenabteilung aufgebaut, die nun alle Bedürfnisse abdeckt», schildert Thomas Wälti, Trainer der Frauen. Der Verein führt ein Juniorinnenteam und zwei Damenmannschaften. Grossen Platzmangel gäbe es beim SC Blustavia nicht, da neben den Garderoben im Klubhaus zusätzlich Gemeinschaftsgarderoben benutzt werden könnten. «So kommen sich die Männer und Frauen nach den Trainings nicht in die Quere», erklärt Wälti. Manchmal komme es bei den Matchs zu Engpässen, mit Absprachen klappe es aber auch dann.

Absprachen und eine gute Organisation sind auch beim FC Klus/Balsthal nötig, damit die Männer und Frauen gut aneinander vorbeikommen. Von den insgesamt 16 Teams ist eines ein Damen- sowie ein weiteres ein Juniorinnenteam. «Unser Vorteil ist, dass wir zwei Garderobengebäude mit drei Duschräumen haben», sagt Damen-Trainer Ronnie Gertsch. Trotzdem brauche es aber Verständnis von den Frauen und den Männern, wenn die Duschen jeweils vom anderen Geschlecht belegt seien und gewartet werden müsse. «Insgesamt stösst der Fussballverein bei der Infrastruktur an die Grenzen», so Gertsch. Der Verein wollte das Problem aber mit Umbauten in der bestehenden Infrastruktur lösen. «Die Gründung einer weiteren Frauenmannschaft hängt aber nicht von diesen Plänen ab, sondern vom vorhandenen Spielerinnen-Potenzial. Bei den Männern stehen wir aber vor einem ähnlichen Problem. Aufgrund der engen Verhältnisse in der Infrastruktur ist weiteres Wachstum schwierig», berichtet Gertsch.

Die kleine Umfrage bei Vereinen in der Region zeigt: Auch für die hiesigen Fussballklubs sind Platzmangel und unzureichende Infrastruktur ein grosses Problem. Dies bestätigt der Solothurner Fussballverband (SOFV): «Viele Vereine platzen fast aus allen Nähten und es ist schwierig, überhaupt genug Garderoben und Spielfelder zu haben», sagt der technische Leiter Claudio Taddei. Bei einigen Klubs ist der Platzmangel gemäss Umfrage mit ein Grund, keine Frauenmannschaft zu bilden. Der SOFV kann keine Abhilfe schaffen. «Es ist nicht möglich, einzelne Vereine in Bezug auf Garderoben finanziell zu unterstützen», erklärt Taddei.

Häufig fehlt in den Vereinen aber auch der Bedarf nach einem Damenteam. Der Verband betreibe im Verhältnis den gleichen Aufwand für die Förderung der Mädchen und Jungs, betont Taddei. «Die eigentliche Förderung des Frauenfussballs liegt aber in den Händen der Vereine.»