Solothurn
"In Solothurn wird man nur auf wenig Sondermüll stossen"

Die Erfahrungen bei der Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken lassen sich nur bedingt auf den Stadtmist anwenden. Das zeigte ein Vortrag des Kölliker Projektleiters.

Stefan Frech
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Vortrag

Vortrag

Hansjörg Sahli

Noch ist unklar, ob der Solothurner Stadtmist in den nächsten Jahren total und nur teilweise saniert wird. Für die Promotoren der Wasserstadt hingegen ist klar, dass die ehemalige Siedlungsdeponie im Südosten Solothurns vollständig ausgehoben und entsorgt werden muss. Nur so ist das Problem endgültig aus der Welt geschafft und die Wasserstadt kann gebaut werden (wir berichteten). Um von den Erfahrungen anderer Sanierungsprojekte zu profitieren, hat der Verein Chance Wasserstadt den Gesamtprojektleiter der Sondermülldeponie Kölliken (AG), Hansjörg Merz, zu einem Referat nach Solothurn ins Alte Spital eingeladen.

Teilsanierung mit gutem Resultat
Merz machte gestern vor rund 20 Personen gleich zu Beginn klar, dass sich Kölliken und Solothurn nur schwer vergleichen lassen. Die Menge des zu entsorgenden Materials ist zwar mit rund 500 000 Tonnen in etwa vergleichbar. Auch befinden sich beide Deponien am Rande eines Siedlungsgebiets. Doch: «In Kölliken handelt es sich um eine Sondermülldeponie. In Solothurn wird man wohl auch auf einen gewissen Anteil Sondermüll stossen, aber sicher nicht in dem Ausmass.»

770 Mio. Franken
In Kölliken ist bisher rund ein Drittel der ehemaligen Sondermülldeponie abgebaut und entsorgt. Zunächst hatte man eine teilweise Sanierung angestrebt, um die ins Grundwasser gelangenden Schadstoffe zu stoppen. Zwischen 1987 und 2003 wurde die Deponie vom zufliessenden Hangwasser abgeschirmt, danach wurde das Grundwasser abgepumpt und gereinigt sowie das aus der Deponie triefende Sickerwasser abgefangen. Mit dem Resultat: Die Schadstoffe im Grundwasser nahmen rapid ab. «Vom Trinkwasser ging keine Gefährdung mehr aus», so Merz. Der gesetzliche und politische Druck (vor allem von Seiten der Gemeinde Kölliken) führten dann aber dazu, dass man eine Totalsanierung in Angriff nahm. Auch die Kosten sprachen für die neue Strategie, denn die ständige Überwachung und Säuberung des Sickerwassers hätte in 80 bis 120 Jahren mehr gekostet als die Gesamtsanierung. Diese läuft nun seit 2002 und dauert noch bis ca. 2017. Zunächst rechnete man mit 445 Mio. Franken. Seit letztem Jahr ist aber klar: Die Totalsanierung wird voraussichtlich 770 Mio. Franken kosten. Gründe für die Kostenexplosion waren höhere Forderungen der Bauunternehmen, ein Brand und zusätzliches belastetes Material, das aufgefunden wurde.

Keine Garantie für Obergrenze
«Die Unberechenbarkeit der Kosten irritiert», stellte Markus Schneider, Präsident von Chance Wasserstadt, in der anschliessenden Fragerunde fest. Er wollte von Merz mit Blick auf den Stadtmist wissen, ob die Kosten heute besser kalkulierbar wären. «Kölliken war ein Pionierprojekt», bestätigte Merz. So mussten spezielle Fahrzeuge und Anlagen entwickelt werden. «Auch würde man heute gewisse Arbeiten anders ausschreiben.» Eine Garantie für eine obere Kostengrenze bei der Sanierung von Deponien gebe es aber nicht. Hansjörg Merz beruhigte wiederum, dass in Solothurn keine Halle gebaut werden müsste, welche die gesamte Deponie überdacht (in Kölliken befindet sich die grösste frei tragende Halle Europas).