Es herrscht reger Betrieb vor dem Passionsspielhaus in Selzach. Eltern und Kinder haben sich versammelt, um die Kinderfassung zu Richard Wagners Oper «Der Fliegende Holländer» zu sehen. Kurz vor 17 Uhr am Sonntagnachmittag öffnen sich die Türen des Passionsspielhauses, es folgt ein kurzes Gedränge, bis alle ihren Platz gefunden haben. Das Licht im Zuschauerraum wird gedämmt, alle sind gespannt. Hie und da hört man noch leises Geflüster, dieses verstummt jedoch, als das Orchester zu spielen beginnt.

Ein Sturm auf hoher See

Die Kinderoper beginnt mit einem Albtraum, einem Albtraum des Steuermanns (Stephan Luethy). Er träumt vom Fliegenden Holländer (Benjamin Widmer), einem unheimlichen Seefahrer. Dieser wurde vom Teufel dazu verdammt, ewig über die sieben Weltmeere zu segeln. Nur alle sieben Jahre darf er an Land gehen, um dort eine Frau zu suchen, die bereit ist, ihn treu zu lieben.

Der Steuermann arbeitet für den Seefahrer Daland (Balduin Schneeberger). Dessen Schwester Senta (Stefanie Frei) besitzt ein Bild des Fliegenden Holländers. Sie findet bei Betrachtung des Bildes: «Er hat was.» Während Senta weiter für den Fliegenden Holländer auf dem Bild schwärmt, stechen Daland und seine Mannschaft, bestehend aus dem verängstigten Steuermann und einem Matrosen (Thomas Dietrich), in See. Unterwegs kommt ein Sturm auf und zwar im Zuschauerraum.

Unter Anleitung von Sentas Freundin Mary (Eva Herger) sorgt das Publikum für stürmische Bedingungen auf hoher See. Kinder und Eltern machen begeistert mit und das Passionsspielhaus verwandelt sich in einen tosenden Ozean. Zum Glück hat sich die Mannschaft gut an den Masten des Schiffes festgebunden.

Mit viel Witz zum Happy End

Nach dem heftigen Sturm treffen Daland und seine Mannschaft auf den Fliegenden Holländer. Er will Daland all seine Schätze überlassen, wenn er ihm eine ihn treu liebende Frau beschafft. Daland zögert nicht lange, die Schätze vor Augen beschliesst er, seine Schwester Senta mit dem Holländer zu vermählen. Diese hat sich unterdessen regelrecht in den Seemann auf ihrem Bild verliebt. Dafür hat ihre Freundin Mary gar kein Verständnis.

Als Daland dann mit dem Fliegenden Holländer auftritt, hat Senta nur noch Augen für ihn. Sie schwört ihm ewige Treue und die beiden verloben sich. Damit ist der Fliegende Holländer von seinem Fluch befreit. Zum krönenden Abschluss werden alle Kinder auf die Bühne gebeten, um mit den Spielern den Steuermannstanz aufzuführen. Beim Verlassen des Saales werden sie von den Darstellern verabschiedet.

Facettenreich und witzig

Bereits im ersten Spieljahr der Sommeroper in Selzach wurde eine Kinderoper aufgeführt. Damals war es «Die Zauberflöte» von W. A. Mozart. Die diesjährige Kinderoper, die von Thomas Dietrich zum 30-jährigen Jubiläum geschrieben wurde, hat Charme und es kann viel gelacht werden. Zum Beispiel, wenn der Matrose dem Steuermann die Zunge rausstreckt oder wenn Daland zur Besiegelung der Abmachung dem Fliegenden Holländer ein High-Five gibt.

Diese Kinderoper ist gelungen. Die knapp einstündige Wagner-Aufführung vergeht wie im Fluge, auch ohne Pause. Durch den Wechsel von Gespräch und Gesang verlieren auch die Kleinen den Faden der Geschichte nicht, und Wagners Musik ist dennoch zentral. Letztere wurde von Darren Hargan adaptiert, der auch den Dirigentenstab schwingt. Dietrich und Hargan haben es geschafft, eine tragische Oper in ein schwungvolles und fantasiereiches Kinderstück zu verwandeln.

Aufführung am 18. August, 17 Uhr. Mehr Infos gibt es hier.