SoloGrid heisst der grosse Feldversuch mit 39 Liegenschaften in Riedholz, mit dem ein intelligent gesteuertes Stromverteilnetz getestet wird. «Es kommt eine gewaltige Herausforderung auf alle Stromversorger zu», sagt Michel Gasche, Bereichsleiter Netze der AEK Onyx AG, bei der Präsentation des durch die Solothurner Energiefachstelle und das Bundesamt für Energie mit dem Label «Leuchtturmprojekt» ausgezeichneten Testbetrieb.

«Das Wissen, welches sich die AEK-Onyx-Mitarbeitenden durch SoloGrid erwerben können, wird in Zukunft für das Unternehmen Gold wert sein.»

Keine Einbahnstrasse mehr

«Unser Stromverteilnetz war früher eine Einbahnstrasse vom Kraftwerk zum Konsumenten. Das hat sich geändert, seit auf immer mehr Hausdächern kleine Solarkraftwerke entstehen», sagt Gasche. Auch das Aufkommen der Elektroautos, deren Batterien innert kürzester Zeit geladen werden sollen, erfordere ein Umdenken. «Entweder bauen wir stärkere Leitungen oder wir nehmen die Herausforderung an, in dem wir dezentral und autonom organisierte, intelligent gesteuerte Verteilnetze aufbauen.»

GridSense heisst das Zauberwort, das auf den kleinen, grauen Kästchen steht, die dank «künstlicher Intelligenz» die Arbeit der AEK Onyx AG revolutionieren sollen. Das kleine Steuergerät ist nämlich nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.

Die Daten über den augenblicklichen Stromverbrauch der Geräte im Haus, die momentane Leistung der Photovoltaikanlage auf dem Dach, den Ladezustand der Batterien des Elektroautos sowie die Menge des auf dem Verteilnetz gerade zur Verfügung stehenden Stroms werden gesammelt und durch einen neuartigen Algorithmus in ein Handlungsschema für die Steuerung der wichtigsten Geräte umgerechnet.

Wann verbrauchen, wann sparen?

Das klingt kompliziert – und ist es auch. Vereinfacht gesagt: Das Computerprogramm bestimmt aus den über längere Zeit gesammelten Daten und dem momentanen Zustand des Stromnetzes, wann es am sinnvollsten ist, Strom zu Sparen und wann der richtige Zeitpunkt ist, Strom zu Verbrauchen.

Das uralte System des billigen Nachtstroms ist nämlich längst überholt. An einem sonnigen Tag produzieren die Solaranlagen am Mittag sehr viel billigen Strom, aber die grossen Stromfresser im Haushalt schalten immer noch stur in der Nacht ein. Über GridSense werden dagegen im ganzen Quartier Wärmepumpen, Warmwasserboiler und grosse Batterien und Ladegeräte für Elektroautos intelligent angesteuert.

Nicht nur das bisherige Verhalten der Verbraucher und die Menge des gerade im Verteilnetz zur Verfügung stehenden Stromes, sogar die Wetterprognosen werden zur Berechnung der idealen Zeiten zum Aus- und Einschalten der Geräte herangezogen. Ist eine kalte Nacht vorhergesagt, erhält die Wärmepumpe der Heizung Priorität.

Ist mit einem sonnigen Tag zu rechnen, wird der Warmwasserboiler erst gegen Mittag eingeschaltet. Ist gerade sehr viel Strom im Netz vorhanden, wird auch noch eine grosse Batterie im Keller aufgeladen. Kurz zusammengefasst: GridSense bringt die Spitzen der lokalen Stromproduktion mit den Spitzen des Stromverbrauchs in Harmonie.

Weltweite Vermarktung angepeilt

Entwickelt wurde das System an der SUPSI – der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana. Alpiq hat die Idee des Algorithmus gekauft und GridSense weltweit schützen lassen. «Wir sind interessiert an Informationen und Datenströmen», erklärt Daniel Cajoos, der GridSense-Verantwortliche bei Alpiq. «Das Ziel ist es, den Algorithmus zu verfeinern.» Alpiq möchte damit über Lizenzmodelle Geld verdienen. SoloGrid sei das erste Projekt. «Wir möchten GridSense in der Schweiz etablieren und schliesslich weltweit vermarkten.»

Weitere Infos: www.sologrid.ch