Wenn Hunde beim Auslauf mit ihrem Besitzer oder ihrer Besitzerin unerwartet auf Artgenossen treffen, ist es ratsam, die Tiere an die Leine zu nehmen. Zu einer solchen Situation kam es am 7. November 2017 auf der Santelstrasse in Egerkingen, wo sich die Wege zweier Frauen mit ihren jeweils zwei Hunden auf offenem Gelände kreuzten.

Was danach geschah, schilderte Claudia B.* dem Amtsgerichtspräsidenten Guido Walser so: Kurz nach der Unterführung habe sie die Frau mit ihren Hunden gesehen. Deren Hunde seien nicht angeleint gewesen. Sie selbst habe einen Hund an der Leine geführt, den anderen habe sie frei laufen lassen. Die andere Hundebesitzerin habe danach ihre Hunde zu sich gerufen und an die Leine genommen.

Gleiches gelang Claudia B. indes nicht. Ihr Hund, ein Tier der Rasse Cirnello Dell’Etna, lief nämlich zu den fremden Hunden und beschnupperte diese. Ihr Hund sei in friedfertiger Absicht zu diesen Hunden gegangen, das habe sie deutlich am freudigen Wedeln seines Schwanzes erkannt, versicherte die etwa 36 Jahre alte Claudia B..

Wunde erst später entdeckt

Die vom Cirnello Dell’Etna beschnupperten Hunde nahmen dieses Zusammentreffen offenbar nicht wie beschrieben wahr. Der holländische Schäferhund setzte zu einer kurzen Attacke an, die zur Folge hatte, dass der Hund von Claudia B. auf die Seite geworfen wurde. Dass ihrem Hund bei diesem Gerangel in den Hals gebissen worden sei, habe sie ebenso wenig mitbekommen wie den Angriff selbst.

Die Bisswunde habe sie erst nach den Baden des danach stark verschmutzten Hundes entdeckt. Auf Anraten von Freunden sei sie dann zum Tierarzt gegangen, um die Wunde verarzten lassen. Dieser habe ihr empfohlen, Anzeige einzureichen, um die Halterin des Schäfershundes zur Rechenschaft zu ziehen oder dieser zumindest die Tierartrechnung zukommen zu lassen.

Weil sie den Namen der Frau nicht gekannt habe, sei sie zur Polizei gegangen und habe Anzeige erstattet, führte Claudia B. weiter aus. Die Staatsanwaltschaft kam in der Folge zum Schluss, dass die beschuldigte Hundebesitzerin ihre Kontrollpflicht ungenügend wahrgenommen habe und deshalb eine Widerhandlung gegen das Gesetz über das Halten von Hunden vorliege.

Deshalb wurde sie zu einer Busse von 80 Franken sowie zur Übernahme der Verfahrenskosten in der Höhe von 100 Franken verknurrt.

Weil Daniela R.* aber davon überzeugt war, richtig gehandelt zu haben, erhob sie gegen den Strafbefehl Einsprache. Die gebürtige Österreicherin erzählte vor Gericht, den Schäferhund immer angeleint zu haben – auch an besagtem Tag. Das freundliche Wedeln des Cirnello Dell’Etna habe sie nicht gesehen, sondern eher dessen Lefzen.

Die Rangelei zwischen den Hunden habe sie nicht beobachtet. Das Ganze habe sich rasch abgespielt. Vom Amtsgerichtspräsidenten auf ihren Antrag bezüglich Urteil angesprochen, erklärte die 50-jährige Servicefachangestellte, dass sie für einen Freispruch plädiere. «Ich wüsste nicht, was ich falsch gemacht habe oder anders hätten machen sollen, als meinen Hund an die Leine zu nehmen.»

Claudia B. erklärte bei ihrem Schlussvotum, dass sie keine Verurteilung von Daniela R. anstrebe. Es reiche ihr, wenn diese zur Zahlung der Tierarztrechnung verpflichtet werde.

Beschuldigte trifft keine Schuld

Nach kurzer Beratung sprach der Amtgerichtspräsident Daniela R. frei vom Vorhalt der Widerhandlung gegen das Gesetz über das Halten von Hunden. Für ihn sei klar, dass der nicht angeleinte Cirnello Dell’Etna auf die anderen Hunde zugegangen und es nur deshalb zu diesem Vorfall gekommen sei.

Daniela R. habe alles richtig gemacht, indem sie ihre Hunde an die Leine genommen habe. Sie werde deshalb freigesprochen und die Kosten von der Staatskasse übernommen. Die Kostennote für die Tierarztrechnung müsse auf dem Zivilweg eingefordert werden.

* Namen von der Redaktion geändert