[U25] Schweiz ist ein Präventionsprogramm für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche zwischen acht und 25 Jahren. Gemäss Statistiken ist genau dies die Altersgruppe mit den meisten Suizidversuchen. [U25] bietet den Betroffenen Hilfe und Unterstützung auf eine ganz neue Art und Weise: Die professionell ausgebildeten, ehrenamtlich tätigen Peer-Berater sind im gleichen Alter wie die Betroffenen. Sie bieten Rat und Hilfe ausschliesslich via E-Mail an.

Bei [U25] sprechen die Peers (der Begriff «Peer-to-Peer» bezeichnet eine Kommunikation unter Gleichgestellten) die jungen Menschen alters- und empfindungsmässig auf Augenhöhe an. Damit bauen sie bei den Betroffenen rasch eine breite und tiefe Vertrauensbasis auf. Vielfach ist es gar so, dass diese Peers ähnliche Lebenskrisen durchlebt und erfolgreich überstanden haben.

So sprechen, respektive schreiben die Ratsuchenden via E-Mail mit den Beraterinnen und Beratern eher über Dinge, die sie mit erwachsenen Beratern nie, oder zumindest nie so direkt thematisieren würden. Das sagen die Initianten von [U25]. «Ein offener Kommunikationsstil, der den Betroffenen hilft, Lösungsstrategien zu finden und ihre eigenen Ressourcen aufzubauen.» Das Angebot von [U25] ist für die jugendlichen Nutzer kostenlos; sie bleiben anonym, und der Peer ist online jederzeit verfügbar. Hinter den jugendlichen Peerberatern stehen immer professionelle Sozialarbeiter oder Psychologen, welche die Peers stützen und coachen.

So simpel die Idee einer Peer-Beratung ist, so sehr überzeugen ihre Vorteile. Psychologisch sei es längst nachgewiesen, dass junge Menschen in Krisen und bei Suizidgefahr ein klassisches Beratungsangebot kaum in Anspruch nehmen würden, argumentiert Raphael Wobmann, der operative Leiter von [U25].

Das Modellprojekt [U25] stammt ursprünglich aus Deutschland. In der Schweiz wurde es im Oktober 2013 zuerst in der Ostschweiz lanciert. Dort sind an den Standorten Wil und Rapperswil-Jona heute neun Peerberater ansprechbar, die in den vergangenen acht Monaten insgesamt 150 Kinder und Jugendliche in rund 600 Beratungen betreut haben. Der Beratungsbedarf sei riesig, erklären die Initianten, denn die Schweiz habe eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate.

Im Oktober 2014 begann [U25] Schweiz mit dem Aufbau einer Projektgruppe Bern, die auch für den Kanton Solothurn tätig sein soll. Die Ausbildung der Peers ist abgeschlossen – am 18. März wird der neue Standort Bern/Solothurn mit elf Beratern zwischen 17 und 25 Jahren seinen Betrieb aufnehmen. Projektleiterin für diesen Standort ist die angehende Psychologin Franziska Hermann.