Freiwilligenarbeit
In Ghana um Menschen zu unterstützen – Solothurner will damit etwas zurückgeben

Heute ist Tag der Freiwilligenarbeit. Tausende Solothurnerinnen und Solothurner leisten unbezahlte Arbeit fürs Gemeinwohl. Hans Rudolf Ingold aus Kyburg-Buchegg ist einer von ihnen. Er unterstützt Menschen in Ghana. Der frühere Lehrer will damit etwas zurückgeben.

Lucien Fluri
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Hans Rudolf Ingold ist im Bucheggberg verwurzelt. Einen Fuss hat er aber auch in Ghana. lfh

Hans Rudolf Ingold ist im Bucheggberg verwurzelt. Einen Fuss hat er aber auch in Ghana. lfh

Der Regen hat zwar auch im Bucheggberg aufgehört. Aber Hans Rudolf Ingold hatte eben noch besseres Wetter. Über 30 Grad war es, als er vergangene Woche Accra, die Hauptstadt Ghanas verliess. Drei Wochen lang war der 74-jährige frühere Sekundarlehrer in Westafrika, wie eigentlich fast jedes Jahr. Ehrenamtlich ist der Kyburg-Buchegger dort für die Schweizer Ernst Peyer Stiftung tätig. Sie hilft bei der Verbesserung der Wasserversorgung in den ärmsten Regionen Ghanas. «Es geht darum, etwas von dem, was man erhalten hat, zurückzugeben», sagt Ingold über seine Erlebnisse in Afrika.

Denn dass sich Hans Rudolf Ingold ehrenamtlich für Menschen in Ghana einsetzt, ist kein Zufall. «Ich habe in jungen Jahren immer das Reissen gehabt, wegzugehen», sagt er, der später 30 Jahre an der Sekundarschule in Messen unterrichtete. Von 1970 bis 1974 lebte er mit seiner Frau und den beiden Kindern, die damals zur Welt kamen, in Ghana. Ingold half beim Aufbau der neu geschaffenen Oberstufe an der Swiss School in Accra. Von 1986 bis 1989 kehrte er dann noch ein zweites mal nach Ghana zurück, um die Schule zu leiten.

Seit über einem Dutzend Jahren setzt er sich nun bei der Ernst Peyer Stiftung für Ghana ein. Benannt ist diese nach einem Pfarrer, der für die Basler Mission von 1959 bis 1971 in Ghana wirkte. Ingold betont, dass die Stiftung heute konfessionell völlig unabhängig sei. Sie setzt sich vor allem im Norden des Landes für die Wiederherstellung von Brunnen ein, um sauberes Wasser und damit die Hygiene fördern zu können. «Wir arbeiten nur mit dörflichen Gemeinschaften», sagt er. Diese müssen sich verpflichten, Leute auszubilden, die die Brunnen danach unterhalten können. Und die Gemeinschaften müssen etwas für das Wasser verlangen, um die Kosten dafür tragen zu können. Nicht zuletzt müssen sich die Gemeinschaften auch verpflichten, Toiletten zu bauen. «Nur 15 Prozent der Leute haben Zugang zu einer Toilette», sagt Ingold. 85 Prozent nicht, was aufgrund von Hygienemängeln Folgen hat. Cholera kann ausbrechen. «Eine Toilette kostet weniger als ein Smartphone», sagt er und bilanziert: «Das Projekt funktioniert gut.» Dass die Spendengelder, auf die die Stiftung angewiesen ist, richtig verwendet werden, dies kontrollieren nicht nur die Stiftungsratsmitglieder aus der Schweiz. Die Institution hat in Ghana auch einen Vertreter, der seine Arbeit sehr pflichtbewusst ausübe. Alex Tseh heisst dieser. Der studierte Geograf ist auch als Musiker bekannt und war mit seiner Drummer-Gruppe schon am Montreux Jazz Festival. Es ist nicht der einzige prominente Ghanaer, mit dem Ingold zu tun hatte: Mit Jerry Rawlings hat er Fussball gespielt und Fische gebraten. 1981 putschte sich Rawlings an die Macht, 1992 gab er dem Land eine Verfassung und wurde für zwei Amtszeiten gewählter Präsident. Damit hatte das Land wohl den einzigen Präsidenten Afrikas, der wusste, wo der Bucheggberg liegt.

Nicht nur in Ghana tätig

«Ich habe sehr viel gesehen und erlebt», sagt Ingold. Dafür sei er dankbar und dies wolle er in einer Form zurückgeben. 750 000 Einwohner hatte Accra Anfang der 1970er-Jahre, heute sind es über 4,5 Mio. Immer dort zu leben, das kann er sich nicht vorstellen. Die Kontrast-Wochen pro Jahr aber, die schätzt er. «Wir jammern auf hohem Niveau», zeigen sie ihm jeweils. Inzwischen ist er gar noch in ein weiteres Projekt involviert: ein Sanitärbetrieb. Es werde zwar viel gebaut, aber gute Sanitäre seien nicht überall vorhanden. Aus Osteuropa oder Südafrika werden Arbeiter geholt. Das Projekt hat einen pensionierten deutschen Sanitärmeister für ein Jahr nach Ghana geschickt, der mit lokalen Sanitären eine Firma aufbaute, die auch in Hochhäusern kompliziertere Arbeiten verrichtet.

Wer ehrenamtlich tätig ist, der tut dies meist nicht nur an einem Ort. Ingold ist ein Paradebeispiel für diese These. Jahrelang war er Friedensrichter und für eine Legislatur auch im Gemeinderat. Im Lehrerverband war er engagiert und heute ist er in der Rebbaugenossenschaft Kibberg Schlössli aktiv. Zudem sitzen zwei mal wöchentlich ein Somali und ein Äthiopier am Küchentisch von Hans Ruedi Ingold. Mit einem Kollegen unterrichtet er die Asylsuchenden, die in Bucheggberger Gastrobetrieben arbeiten, in Deutsch – im Rahmen der freiwilligen Asylschule, die bei der Verleihung des diesjährigen Sozialpreises des Kantons einen Anerkennungspreis erhalten hat.

Er möge den Austausch mit anderen Menschen, begründet Ingold sein Engagement. Und: «Wenn Du stehen bleibst, dann bist Du tot. Solange man etwas tun kann, das einem Spass macht, muss man sich umso mehr einsetzen.»

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