«Jesses nein, den ganzen Tag in fremden Mäulern herumgrübeln. Dass du so etwas machen kannst!» Das sei der am meisten gehörte Ausruf, wenn sie ihren Beruf erwähne, berichtet Sabine Salzmann. Der zweithäufigste Spruch sei: «Ach ja, ich sollte mich schon lange wieder mal anmelden für eine Zahnreinigung.» Denn genau das tut die 55-jährige diplomierte Prophylaxeassistentin SSO seit mehreren Jahrzehnten.

Das Entfernen von Zahnstein – das versteht man landläufig unter Zahnreinigung oder Dentalhygiene, kurz DH, genannt. Erstaunlich ist, dass es Menschen gibt, die ihre Zähne nur mässig reinigen und nicht einmal recht wissen, was Zahnstein ist. Sie lassen ihn, wenn überhaupt, vielleicht einmal jährlich entfernen. Andere wiederum lassen es mehrmals pro Jahr machen und putzen dreimal täglich ihre Zähne.

Warum soll ich diese Steinablagerungen entfernen lassen? Sie könnten doch auch ein Schutzbelag für die Zähne sein? Sabine Salzmann muss lachen ob dieser Frage und antwortet: «Das höre ich ab und zu. Das einzige, was der Zahnstein verhindern kann, ist, dass genau darunter Karies entsteht.

Das ist aber ein gefährliches Argument. Denn auf der rauen Oberfläche des Zahnsteins haben Bakterien ideale Bedingungen, um zu wachsen. Und auch der Zahnstein selber wächst, setzt sich unter dem Zahnfleisch fest. Es entstehen Entzündungen, der Knochen geht zurück, der Zahn wird locker und geht unwiderruflich verloren. Das möchte ich durch meine Arbeit verhindern».

Wenn der Patient Angst hat

Beim Denken an diese Folgen kann einem schlecht werden. Und viele Menschen haben nur schon Angst davor, sich in eine Zahnärztliche Praxis zu begeben. Ob ein Stossgebet zur heiligen Apollonia von Alexandria helfen könnte? Sie gilt für Patienten und Zahnärzte gleichermassen als Schutzpatronin. Eine kleine Statue von ihr steht jedenfalls im Eingangsbereich der Zahnarztpraxis Domdey in Grenchen, wo Sabine Salzmann ihren Beruf ausübt.

Wie begegnet sie allfälligen Angstpatienten? «So viele davon habe ich eigentlich gar nicht», sagt sie, «und wenn, dann kann ich schon im Gespräch einiges bewirken. Je nach Situation ist eine lokale Anästhesie sinnvoll, wodurch alles unempfindlich wird, oder es kommt Lachgas zum Einsatz, das einem die Angst und den Würgreflex nimmt. Aber ich bin da möglichst zurückhaltend.»

Vor allem bei Klienten ab dem mittleren Alter seien halt die Zahnbehandlungen oder die Zahntante von früher in negativer Erinnerung geblieben. «Da hatte man noch nicht die hoch spezialisierten und schonenden, so genannten No-Pain-Instrumente oder Air-Flow wie heute zur Verfügung.»

Wo es günstiger und schneller geht

Für Zahnbehandlungen aller Art weichen Schweizerinnen und Schweizer gerne ins Ausland aus, weil dort die Preise tiefer sind. Wie sieht es bei der Zahnreinigung aus? «Unsere Zahnarztpraxis richtet sich nach den Tarifen der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft. Durchschnittlich kostet eine Zahnreinigung um 150 Franken», erklärt Sabine Salzmann.

«Den Leuten, die zu uns in Behandlung kommen und zufrieden sind, ist es dieser Preis wert.» Es komme schon hie und da vor, dass ein Klient oder eine Klientin berichtet, die Auslandferien für eine Zahnreinigung genutzt zu haben, günstig und innerhalb von zwanzig Minuten.

«Ich stelle dann aber oft fest, dass da nur eine rein kosmetische Zahnreinigung im sichtbaren Bereich durchgeführt wurde. Für die Gesundheit und den Erhalt ist aber der letzte Millimeter tief in der sogenannten Zahntasche matchentscheidend. Für eine umfassende Hygienebehandlung mit Putzempfehlungen brauche ich mindestens eine Dreiviertelstunde.»

Auf der Suche nach Wundermitteln

Vonseiten der Ärzte vernimmt man, dass sich Patienten gerne via Internet über ihre Situation schlaumachen wollen, dann aber unter Umständen eher verunsichert sind oder gar falsche Schlüsse ziehen. Ist das auch in der Zahnprophylaxe so? Sabine Salzmann bestätigt, dass sich die Leute via Internet informieren, «sie sind heute definitiv besser aufgeklärt als noch vor wenigen Jahren.

Das finde ich grundsätzlich gut.» Aufklärungsarbeit sei vor allem dann nötig, wenn ein Patient irgendein Wundermittel entdeckt haben will, das ihm die mechanische Zahnreinigung ersparen würde, was aber nicht funktioniere.

Wie kam Sabine Salzmann zu einem Beruf, bei dem schon seine Bezeichnung bei vielen Leuten ein Unbehagen auslöst? «Das hat sich damals bei der Berufswahl so ergeben», antwortet sie, «gelernt habe ich Dentalassistentin, damals hiess der Beruf noch Zahnarzthelferin. Bei meiner täglichen Arbeit ist mir dann aufgefallen, wie viel Zahnschmerzen und Behandlungen durch Prophylaxe, also durch eine bessere Vorsorge vermieden werden könnten.

Das war für mich der Grund, warum ich dann eine Ausbildung als Prophylaxeassistentin machte.» Zum Unbehagen sagt sie: «Es gibt tatsächlich nicht wenige Leute, die kommen mit einem schlechten Gefühl in die Behandlung. Aber sie gehen nachher mit einem guten Gefühl wieder. Und das zählt.»