Lebensmittelkontrolle
In Energydrinks ist nicht immer drin, was drauf steht

Die Solothurner Lebensmittelkontrolle hat Energydrinks genauer untersucht – mit kaum berauschenden Ergebnissen: 40 Prozent der geprüften Produkte mussten beanstandet werden.

Sven Altermatt
Drucken
Teilen
Energydrinks verkaufen sich glänzend – und sind nicht ganz unumstritten.

Energydrinks verkaufen sich glänzend – und sind nicht ganz unumstritten.

keystone

Berauschend sollen sie sein. Anregend für den Kreislauf und gut für die Leistungsfähigkeit: Energydrinks boomen. Weltweit werden jährlich rund fünf Milliarden Liter davon verkauft.

Die koffeinhaltigen Wachmacher haben auch hierzulande eine breite Anhängerschaft. Abgefüllt in Dosen, wird das süsse und klebrige Getränk täglich von Hunderttausenden konsumiert. Sie wollen wach bleiben, fit werden, sich aufputschen.

Weniger berauschend ist dagegen das, was die Lebensmittelkontrolle des Kantons Solothurn bei einer Untersuchung vorfand. Die Kontrolleure nahmen 18 Energydrinks unter die Lupe. Sie schickten Proben ins Labor, analysierten Inhaltsstoffe und prüften die Etikettierung.

Das Resultat: Sieben Getränke gaben Anlass zu Beanstandungen, fast 40 Prozent der untersuchten Energydrinks entsprachen demnach nicht den Vorschriften.

«Nicht immer ist drin, was draufsteht», schreibt die Behörde zu ihren Untersuchungen. Der «hohe Prozentsatz an Beanstandungen» zeige vor allem eines: dass Energydrinks weiterhin gut kontrolliert werden müssen.

Gesetz setzt Grenzen

Energydrinks sollen zum einen ausreichend Energie liefern. Zum anderen kann ihr übermässiger Konsum zu gesundheitlichen Problemen führen. Allein schon deshalb regelt die «Verordnung über alkoholfreie Getränke», wie ein Energydrink beschaffen sein muss.

In einer Dose von 250 Millilitern muss der Energiewert umgerechnet mindestens sieben Stück Würfelzucker entsprechen, der Koffeingehalt etwa dem einer Tasse Kaffee. Die Getränke enthalten nebst Zucker auch Stoffe wie Taurin, Niacin oder Pantothensäure.

Gerade die Aminosäure Taurin soll die Wirkung von Koffein noch verstärken, vermuten Wissenschafter.

Wegen des erhöhten Koffeingehaltes muss auf der Verpackung stehen, dass die Getränke nicht für alle geeignet sind und nur in begrenzter Menge konsumiert werden sollten. Gesetzlich ist überdies nicht nur der minimale, sondern auch der maximale Koffeingehalt festgelegt.

Erlaubt ist ein gesetzlicher Höchstwert von 160 Milligramm Koffein pro Tagesration. Zum Vergleich: Laut Suchtexperten sollten Jugendliche am Tag nicht mehr als 100 Milligramm Koffein konsumieren.

Falsch deklarierte Etiketten

Es sind fehlerhafte Kennzeichnungen und falsche Versprechen, die dafür sorgen, dass sieben Drinks bei der Kontrolle durchgefallen sind. Die Kontrolleure stiessen auf Energydrinks mit nicht korrekten Datierungen.

Bei manchen fehlte die Angabe des Produktionslandes. Bei anderen entsprachen die Nährwertangaben nicht dem schweizerischen Recht.

Zu den gravierenderen Verstössen zählen Fehler in der Zutatenliste; auch der obligatorische Warnhinweis «Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen» war nicht überall aufgedruckt.

Die vielen Beanstandungen führt Matthias Muster von der kantonalen Lebensmittelkontrolle vor allem darauf zurück, dass viele Energydrinks von ausserhalb Europas eingeführt werden.

«Die Getränke sind deshalb oft nicht nach europäischen Standards deklariert», sagt der stellvertretende Kantonschemiker. Die Behörden haben die Hersteller und Importeure der beanstandeten Energydrinks aufgefordert, die Mängel rasch zu beheben.

Zu den Problemen mit der Herkunft kommt: Die Produzenten versuchen mit exotischen Zutaten, neue Trends zu setzen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich beispielsweise Panax Ginseng.

Der asiatische Ginseng-Extrakt ist in der Schweiz zwar zulässig, allerdings nur in geringen Konzentrationen. Das führt regelmässig zu Schwierigkeiten. Im Jahr 2014 stiess die Zuger Lebensmittelkontrolle gar auf einen Energydrink, der mehr als das Zwanzigfache der erlaubten Dosis enthielt. Die Solothurner Kontrolleure geben diesbezüglich Entwarnung.

Energydrinks in der Schweiz: Beliebt und dennoch umstritten

Energydrinks sind beliebt in der Schweiz. Im Jahr 2014 wurden über 37 Millionen Liter davon verkauft, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Das ergibt einen Pro-Kopf-Konsum von 4,7 Litern, wie Daten des Marktforschers Euromonitor zeigen.

Allein Marktführer Red Bull soll 124 Millionen Dosen abgesetzt haben. Energydrinks sollen wachhalten und die Konzentration steigern. Im Gegensatz zu Kaffee schmecken sie so süss, dass der bittere Koffeingeschmack übertüncht wird.

Hauptzielgruppe bilden Jugendliche und junge Erwachsene. Die Auswirkungen der Getränke sind umstritten. Der Präventionsverband Sucht Schweiz warnt: Mehr als 400 Milligramm Koffein pro Tag könnten zu Schlafstörungen oder Herzrasen führen.

Bei Jugendlichen könne schon der Konsum von mehr als 100 Milligramm Koffein zu Problemen führen – also nicht viel mehr als eine Dose. Für Kritik sorgt bei Fachleuten auch der hohe Zuckergehalt der Drinks: Eine Dose Red Bull etwa enthält etwa 27 Gramm Zucker; das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt Erwachsenen, maximal 50 Gramm Zucker pro Tag zu konsumieren.

Und schliesslich, schreibt Sucht Schweiz, sei nicht nur der Zucker schädlich für die Zähne: «Die Drinks enthalten auch viel Säure, die wiederum den Zahnschmelz angreift.» (sva)

Aktuelle Nachrichten