Schaugarten
In diesem Garten sind bereits 80 seltene Pflanzenarten zu bestaunen

Im neuen Pro-Specie-Rara-Schaugarten der Stiftung Solodaris erhalten und vermehren psychisch beeinträchtigte Menschen gefährdete Pflanzenarten – eine Win-win-Situation.

Lara Enggist
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Zu Besuch im Pro-Specie-Rara-Schaugarten in Solothurn Im Bild "Windley" Sonnenbraut
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Auch jäten muss sein: Ein Mitarbeiter sorgt dafür, dass sich die raren Pflanzen entfalten können.
 "Aromatico" Oregano
 Auvergne-Nelke
 "Zinalrothorn" Hauswurz
Eine der Pflanzen aus dem Schaugarten.
 "Sonja" Berg-Aster
 Projekt Generative Vermehrung von Gemüse-und Zierpflanzen: Kopfsalat
 Diverse Samen
 Das hier sind Erbsensamen

Zu Besuch im Pro-Specie-Rara-Schaugarten in Solothurn Im Bild "Windley" Sonnenbraut

Hanspeter Bärtschi

Der neue Schaugarten der Solodaris- Gärtnerei in Solothurn ist klein und unscheinbar. Erst ein näheres Betrachten und die beschrifteten Schilder lassen vermuten, dass es sich um etwas speziellere Pflanzen handeln könnte.

Seit 2015 arbeitet die Stiftung, welche in ihrer Gärtnerei zurzeit 24 psychisch beeinträchtigte Personen beschäftigt, mit der Stiftung Pro Specie Rara zusammen an einem Projekt. Es geht darum, alte Pflanzensorten zu erhalten, zu pflegen und zu vermehren. Am 31. August feiert die Stiftung Solodaris nun die Einweihung des Pro-Specie-Rara- Schaugartens.

In diesem für alle Besucher öffentlichen Gartenteil sind über 80 beschriftete alte Pflanzenarten zu bestaunen. In den nächsten Jahren sollen es 120 Arten werden. Mit dem Schaugarten will die Gärtnerei der Bevölkerung alte Pflanzensorten näherbringen und aufzeigen, warum es wichtig ist, diese zu erhalten.

Stiftung Pro Specie Rara

Für eine Vielfalt an Nutztieren und Pflanzen

Die Schweizer Stiftung Pro Specie Rara wurde 1982 gegründet. Sie setzt sich seither für die genetischen Vielfalt bei Nutztieren und Kulturpflanzen ein. Es geht der Stiftung vor allem darum, gefährdete Nutztierrassen und standortspezifische Kulturpflanzen vor dem Aussterben zu bewahren.

Laut Pro Specie Rara wurden die zahlreichen traditionellen Sorten von Nutztieren und Kulturpflanzen im 20. Jahrhundert nach und nach von Standardsorten verdrängt, die für die moderne Hochleistungslandwirtschaft besser geeignet waren. Mit der Biodiversitätskonvention von 1992 hat sich die Schweiz verpflichtet, die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen zu erhalten. Die Tätigkeiten der Stiftung stehen in Einklang mit dieser Verpflichtung und werden teilweise finanziell vom Bund unterstützt. Im Jahr 2014 sicherte Pro Specie Rara unter anderem den Erhalt von 1860 Obst- und 400 Beerensorten. Ausserdem von 119 Reb-, 220 Bohnen- und 140 Tomatensorten, sowie von 300 verschiedenen Zierpflanzen. Zudem beteiligte sie sich am Erhalt von 29 Tierrassen. (Len)

«Natürlich geht es bei der Eröffnungsfeier auch darum, den Leuten unsere Gärtnerei näherzubringen», sagt die Leiterin der Gärtnerei, Diana Eichenberger. Ihr zufolge wissen viele nicht, dass die Solodaris-Gärtnerei, welche zurzeit auf einen biologischen Anbau umstellt, überhaupt existiert. Obwohl die Stiftung ein eigenes Lädeli betreibt und am Mittwoch auf dem Solothurner «Märet» Gemüsesetzlinge und junge Zierpflänzchen verkauft.

«Oft muss man ausprobieren»

Grundsätzlich sei die Pflege von alten Pflanzensorten nicht aufwendiger als die von «herkömmlichen», sagt Géraldine Keller, Mitarbeiterin mit Betreuungsfunktion. Da es aber bei der Zusammenarbeit mit Pro Specie Rara um die Erhaltung der Pflanzenart gehe, trage man eine gewisse Verantwortung. «Wenn eine Pflanze nicht überlebt, muss sie von einer Fachperson neu in den Gärten gesichtet und auf Sortenechtheit geprüft werden, danach gelangt die Pflanze zu uns in den Schaugarten», so Keller. Oft müsse man auch einfach ausprobieren, welcher Standort passend ist: Alpine Pflanzen bevorzugen zum Beispiel eher steinigen Boden.

Erhaltene Pflanzenarten nach Wuchsform und Blütenfarbe zu selektionieren sei ein mehrjähriger Prozess, der Geduld und viel Fachwissen benötige. «Man trägt zwar eine gewisse Verantwortung, die neue Herausforderung macht das Gärtnern aber auch spannend», fasst Diana Eichenberger zusammen. Auch für die Menschen, welche in der Gärtnerei arbeiten, sei das Projekt eine Bereicherung. Es gehe nicht mehr nur um die Pflege der Pflanzen, sondern die Menschen bekommen den ganzen Kreislauf mit. Säen, jäten, pflegen, vermehren, Samen ernten, waschen und verpacken: Die Arbeiten sind laut Eichenberger abwechslungsreicher geworden, «für jeden gibt es die passende Arbeit».

Verschiedene Erntetechniken

Das Projekt der Solodaris Gärtnerei mit Pro Specie Rara gliedert sich in zwei Teile: einerseits in die Pflege und die Vermehrung der sogenannten Mutterpflanzen. «Diese Mutterpflanzen müssen wir vermehren und Pro Specie Rara damit beliefern. Der andere Teil ist die Vermehrung und Züchtung von Saatgut; dabei geht es primär darum, die Pflanzen verblühen zu lassen, um später deren Samen ernten zu können. Bei jeder Pflanze wird eine andere Technik angewendet: «Die Tomaten zum Beispiel lässt man normal reifen. Anstatt sie zu essen, pult man die Samen aus der Frucht», erklärt die Gruppenleiterin Rita Müller.

Bei Hülsenfrüchten werden die Samen getrocknet und dann zwei Wochen ins Gefrierfach gelegt, damit die Schädlinge das Saatgut nicht zerfressen. Diese speziellen Techniken seien von Pro Specie Rara vorgegeben. Die Stiftung biete den Gärtnern zum Thema Saatguternte gar Kurse an. Da die Solodaris-Gärtnerei nicht maschinell ausgerüstet ist, ernten und waschen die Mitarbeiter das gesamte Saatgut von Hand.

Die Einweihungsfeier des Schaugartens findet am 31. August ab 15 Uhr in der Solodaris-Gärtnerei in Solothurn statt. Martina Föhn von Pro Specie Rara wird die Besucher durch den Garten führen und die Alphornistin Eliana Burki den Anlass musikalisch begleiten.