Alte und seltene Pflanzen wachsen seit diesem Jahr in der Gärtnerei der Solodaris- Stiftung. Diese startete zusammen mit der Stiftung Pro Specie Rara ein mehrjähriges Projekt, um seltene einheimische Gemüse- und Zierpflanzensorten vor dem Aussterben zu bewahren. Solodaris bietet in ihrer Gärtnerei in Solothurn 30 Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung an. Das Projekt läuft unter dem Motto «Aussergewöhnliche Menschen pflegen aussergewöhnliche Pflanzen».

«Im ersten Teilprojekt geht es darum, verschiedene Gemüsesorten und einjährige Blütenpflanzen anzusäen, im Freiland aufzuziehen und anschliessend deren Samen zu gewinnen», sagt Roland Blaser, Leiter der Solodaris-Gärtnerei. Die Samen gehen danach wieder zurück an Pro Specie Rara, in deren Samenbibliothek Saatgut von über 1600 Gemüse- und Zierpflanzensorten lagern. Das grosse Ziel besteht dann darin, von allen Sorten immer genügend frisches, keimfähiges Saatgut zu haben und so das Überleben der raren Pflanzen zu sichern. Um dies zu erreichen, wurden die Sorten bisher vor allem ehrenamtlich in Hausgärten angepflanzt. Einige Sorten können auf diese Weise qualitativ gut erhalten und vermehrt werden.

Gewinn für alle Beteiligten

Andere Sorten aber brauchen eine grössere Anbaufläche, um Inzuchterscheinungen vorzubeugen und Einkreuzungen von anderen Sorten zu vermeiden. Aus diesem Grund hat Pro Specie Rara nach professionellen Gärtnereien gesucht, die viel Handarbeit leisten können sowie die nötige Infrastruktur und Kenntnisse in der Pflanzenzüchtung mitbringen. 

Zur gleichen Zeit hat die Solodaris-Gärtnerei ein neues Projekt gesucht, das zu ihrem Betrieb und ihren Mitarbeitern passt. «Für uns ist es wichtig, dass wir unseren Mitarbeitenden viele und verschiedene Handarbeiten anbieten können», erklärt Blaser. Denn jeder Mitarbeiter hat ein Gebiet, auf dem er besonders stark ist und relativ selbstständig arbeiten kann. Jemand führt zum Beispiel Aussaaten von Gemüse- und Blütenpflanzen nur mit geringer Begleitung durch. Andere Mitarbeitende binden selbstständig Blumensträusse, wieder andere führen Gartenunterhaltsarbeiten eigenständig aus. Bei anspruchsvolleren Arbeiten wie der Baum- und Strauchpflege im Winter oder der Pflanzenvermehrung, werden die Mitarbeitenden vom Betreuungsteam stärker begleitet.

Neben der hohen Arbeitskapazität und dem nötigen Fachpersonal besitzt die Gärtnerei mit zwei Gewächshäusern, den grossen Freiflächen, Folientunnels und Möglichkeiten zur frostfreien Überwinterung der Pflanzen eine vielfältige Infrastruktur. Damit erfüllt sie alle Voraussetzungen, die Pro Specie Rara an die beteiligten Projektpartner stellt.

Ein attraktives Zusatzangebot

Ein weiterer Pluspunkt für die Gärtnerei: Mit den Gemüsesetzlingen der seltenen Sorten bietet sie ein neues, aussergewöhnliches Produkt an, das es nicht in jedem Supermarkt zu kaufen gibt. Bereits jetzt sind verschiedene alte Sorten als Setzlinge direkt bei der Gärtnerei oder jeden Mittwoch auf dem Markt in Solothurn zu kaufen. Den Verkauf am Wochenmarkt bestreiten jeweils zwei Mitarbeitende selbstständig.

In einem zweiten Teilprojekt widmen sich die Mitarbeiter der Gärtnerei der Aufzucht, Pflege und Vermehrung von seltenen mehrjährigen Blütenpflanzen. Bis Mitte Juli entsteht auf dem Gelände der Solodaris-Gärtnerei an der Weissensteinstrasse ein öffentlicher Garten mit rund 80 verschiedenen Stauden-Arten, der zum Spazieren, Betrachten und Verweilen einladen soll. Bis in zwei Jahren soll das sogenannte Mutterpflanzenquartier noch vergrössert und der Pflanzenbestand auf 170 Arten erhöht werden.