Haben Sie Superkräfte?

Markus Dick: Ich, wieso?

Sie haben gesagt, Biberist würde nach einer Fusion untergehen. Sie haben Ihre Gemeinde vor dem Untergang gerettet.

Diesen Job konnte ich nicht alleine tun. Die Vernunft der Biberister hat da viel mehr dazu beigetragen. Wenn ich aber an manchen Orten einen Anschub leisten konnte, dann freut mich das.

Sie waren sehr präsent im Abstimmungskampf.

Seit zwei Jahren war ich ununterbrochen daran. Es war ein sehr langer Weg. Etwas überrascht bin ich, dass die Opposition in den anderen Gemeinden weniger sichtbar war.

Verraten Sie Ihre Strategie, wie Sie so viele Leute zu einem Nein bewegen konnten?

Es waren 595 Personen an der Gemeindeversammlung in Biberist, von denen man nicht wusste, wie sie am Ende abstimmen. Die Leute wurden im Verlauf der Debatte immer kritischer. Oft hat man im Vorfeld gehört: «Die Fusion ist ein Blödsinn, die kommt sowieso nicht.» Genau diese Haltung machte mich misstrauisch. Man musste die Leute dazu bewegen, an die Gemeindeversammlung zu kommen.

Vereine und Gewerbe haben sehr stark mobilisiert. Geniessen diese Heimatschutz in Biberist?

Die Vereine und das Gewerbe wären die beiden Verlierer gewesen. Bei Sparrunden nach einer Fusion wäre bei den Leistungen für den Bürger gespart worden, und das hätte die Vereine getroffen. Kommt die Frage hinzu: Hätte die Firma Reusser aus Biberist auch nach einer Fusion die Kehrichtabfuhr durchführen können? Wohl eher nicht. Heute berücksichtigt das Gemeindepräsidium bei den freihändig zu vergebenden Aufträgen die lokalen Betriebe. Damit zollt man ihnen Respekt für Steuern und Arbeitsplätze.

Als Kleinpartei hat die SVP am Dienstag die Classe politique ausgestochen. Fast der ganze Gemeinderat war für Eintreten, immerhin zwei Drittel wollten fusionieren. Befürchten Sie, dass dieser Gemeinderat die Biberister Interessen künftig zu wenig wahrnimmt?

Mit gewissen Entscheiden des Gemeinderates hatte ich in der Vergangenheit Probleme, und ich werde diese auch in Zukunft haben. Die Gemeinderäte dürfen die Interessen von Biberist nun nicht aus den Augen verlieren. Sie sind gewählt und zuständig für die Anliegen der Biberister, und nicht für jene Solothurns.

Ist Ihre Mission erfüllt, oder unterstützen Sie nun die Fusionsgegner in Zuchwil?

Das kann ich für das Gegenkomitee nicht abschliessend beantworten. Wir sind nach wie vor dazu bereit, Leute aufzuklären und zu informieren.

Was macht den Biberister Dorfgeist aus, den Sie stets beschwören?

Ich habe Biberist nie als Agglodorf gesehen, es war immer mein Dorf, wo ich aufgewachsen bin, wo ich meine Familie und meine Kollegen habe und wohin ich immer wieder gerne zurückkehrte. Es ist ein Stück Heimat.

Und das alles wäre mit einer Fusion verloren gegangen?

Nein, nicht wirklich. Aber es ist die Unkompliziertheit, das Bewusstsein, ein Biberister zu sein. Das ist nicht besser, als ein Zuchwiler oder Solothurner zu sein. Es ist schwer beschreibbar.

In Biberist findet sich immer weniger Personal. Wie kann man sie für Gemeindechargen begeistern?

Vielleicht war gerade die Gemeindeversammlung ein Startpunkt dafür. Wir haben am Dienstagabend etwas geschafft, was es kaum je gegeben hat. Fast 600 Leute haben sich vom gemütlichen Sofa in die Biberena bewegt. Alles Gejammer, dass dies nicht repräsentativ sein soll, können wir vom Tisch wischen. Wir müssen die Politik wieder attraktiver machen, damit sich die Leute engagieren.

Ist die Fusion für alle Zeiten passé?

Ich habe keine Glaskugel. Es braucht sicher Zeit, um die Gemeinden in den Köpfen zusammenzuführen. Doch eine Mehrheit will das nicht, und deshalb soll man in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Finger davon lassen. Eine sofortige Wiederbelebungsgruppe würde mich nerven.