Stromversorgung

In den Läden reicht der Saft bei Stromausfall nicht lange

Nach dreissig Minuten ist mit der Notstromversorgung in den Migros-Filialen Schluss. Wegen der Seltenheit solcher Vorkommnisse lohne es sich nicht, diese Strategie zu ändern, sagt der Migros-Mediensprecher. Im Bild ein Vorfall in einer Filiale in Wettingen im Juni dieses Jahres.

Nach dreissig Minuten ist mit der Notstromversorgung in den Migros-Filialen Schluss. Wegen der Seltenheit solcher Vorkommnisse lohne es sich nicht, diese Strategie zu ändern, sagt der Migros-Mediensprecher. Im Bild ein Vorfall in einer Filiale in Wettingen im Juni dieses Jahres.

Am vergangenen Dienstag fiel in rund 6500 Solothurner Haushaltungen der Strom aus. Davon betroffen waren die Privatklinik Obach und diverse Läden. Wie werden Stromunterbrüche in öffentlichen Einrichtungen generell gehandhabt?

Bei den Solothurner Spitälern ist die Stromversorgung während eines Unterbruchs vollständig gewährleistet, versichert Mediensprecher Eric Send. Falle der Strom aus, steigen die Maschinen in den Operationssälen und allen Bereichen mit lebenswichtigen Instrumenten lückenlos auf Batteriebetrieb um. Nach wenigen Sekunden würden Diesel-Generatoren ihren Betrieb aufnehmen.

«Mit diesen Generatoren können wir das gesamte Spital mit genügend Strom versorgen. Lediglich Bereiche wie die Wäscherei müssten dann etwas heruntergefahren werden», erklärt Send das Notfallszenario.

Auch das Spital Langenthal arbeitet mit solchen Notstrom-Generatoren. Man verfügt dort über 50 000 Liter Dieselvorrat, die in einem grossen Tank gelagert werden. Zwei zusätzliche Tanks fassen je 2000 Liter. «An einem Tag verbraucht man rund 2000 Liter. Mit unseren Tanks hätten wir bei einem längeren Stromausfall genügend Vorrat, selbst wenn wir in dieser Zeit noch Diesel zukaufen müssten», erklärt die Medienverantwortliche Manuela Leuenberger.

Damit der Prozess im Notfall reibungslos abläuft, muss diese Technik in den öffentlichen Spitälern regelmässig überprüft werden. «Einmal jährlich proben wir den Stromausfall, sofern es nicht bereits einen gegeben hat», berichtet Leuenberger weiter. Die Batterien, mit denen die Zeit bis zur Aktivierung der Generatoren überbrückt wird, werden einmal im Monat getestet. «Diese Anlage muss ausserdem rund um die Uhr überwacht werden.»

Auf das gleiche System greift auch die Polizei zurück, bestätigt Dieter Jeger von der Alarmzentrale der Kantonspolizei Solothurn. «Dank unseres Generators im Innenhof merkt man bei uns nichts von Stromausfällen», betont er. Neben der Polizei ist damit auch die Alarmierung der Feuerwehr immer gewährleistet. «Für den Alarm ist nämlich die Kantonspolizei verantwortlich», erklärt Rolf Friedli, stellvertretender Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Olten. «Unser Feuerwehrlokal wird ebenfalls mit Notstrom versorgt, aber das betrifft nur die Beleuchtung», erläutert er.

Das Tanken von Löschwasser funktioniere dagegen mechanisch und sei von Stromunterbrüchen nicht betroffen. Die weitere Wasserversorgung sei über ein flächendeckendes Notstromnetz geregelt. «Und wenn einmal gar nichts mehr geht», meint Friedli, «sind halt gute Ideen gefragt».

Doch längst nicht alle öffentlichen Räume sind derart gut versorgt. Wo man es nicht mit Notfällen zu tun hat, lohnt sich ein komplexeres System angesichts der Seltenheit von längeren Unterbrüchen kaum. So hält die Notstromversorgung in den Migros-Filialen lediglich für eine halbe Stunde an. «Damit können relevante Alarmierungen, Kassensysteme, Kühlgeräte und die Notbeleuchtung betrieben werden», sagt Reto Wüthrich, Mediensprecher der Migros Aare. In grösseren Einkaufszentren wie dem «Shoppyland Schönbühl» in Moosseedorf reiche der Strom zudem für die Aufzüge.

«Dauert der Unterbruch länger, haben wir aber ein Problem», gesteht Wüthrich. So habe man nach einem längeren Stromausfall im aargauischen Möhlin viele Molkerei- und Tiefkühlprodukte entsorgen müssen. Solche empfindlichen Produkte dürften dem Lebensmittelgesetz entsprechend nach einem längeren Unterbruch der Kühlkette nicht mehr verkauft werden. Die Kosten solcher Fälle habe man bisher noch nicht analysiert.

Wären da nicht Verbesserungen angebracht? Möhlin, wo es länger gedauert habe, sei eine Ausnahme gewesen, betont Wüthrich: «Wir haben im Jahr nämlich nur etwa drei bis vier Stromausfälle, die praktisch nie länger als eine halbe Stunde dauern.» Daher lohne es sich kaum, das Gesamtkonzept «über den Haufen zu werfen».

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1