Solothurner Zeitgeschichte
In den 80ern wurden die Kirschen noch im August geerntet

Unwiederbringlich: Der fünfte Teil der fotografisch festgehaltenen Solothurner Zeitgeschichte. Einst sprach man bei den im August reifen Früchte noch von der mittleren Ernte.

Alois Winiger
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Kirschenernte in Gempen anno 1980, als erst um diese Zeit im August Hochsaison war.

Kirschenernte in Gempen anno 1980, als erst um diese Zeit im August Hochsaison war.

Alois Winiger

Die strengste Phase der Kirschenernte: Im Schwarzbubenland auf dem Stollenhäuserhof in Gempen kommt Bauer Peter Vögtli kaum nach mit dem Umstellen der Leitern, damit die Pflückerinnen und Pflücker die Früchte von den Hochstammbäumen holen können. Das mit den Leitern mag ja stimmen, denken Sie vielleicht, liebe Leserin, lieber Leser, aber die Kirschensaison ist doch längst abgeschlossen. Seit vielen Jahren ist das tatsächlich so. Doch damals, am Donnerstag, 7.August 1980, als dieses Bild aufgenommen wurde, sprach man im Schwarzbubenland und Baselbiet sogar erst von der mittleren Ernte. «Diese Zeiten sind längst vorbei», sagt Monika Vögtli vom Stollenhäuserhof in Gempen; sie gehört zur bereits elften Generation Vögtli auf diesem Hof. In der Regel sei die «Chirsi»-Ernte Mitte Juli abgeschlossen.

Nicht vorbei hingegen ist es mit der Treue zu den Hochstammbäumen, von denen alle Früchte nach wie vor von Hand abgelesen werden. Dabei würden die Vorteile einer Niederstammplantage auf der Hand liegen; nicht nur, weil die Ernte weniger aufwendig ist, sondern auch bezüglich Schutz vor Unwetter und Schädlingen. «Das ist ein echtes Problem», bestätigt Monika Vögtli,«aber wir müssen schauen, wie wir damit umgehen können. Guter Schnitt zum Beispiel ist sehr wichtig, damit die Bäume widerstandsfähig bleiben. Etwas anderes als Hochstammbäume kann ich mir bei uns nicht vorstellen, an dieser Tradition halten wir fest.» Davon überzeugt sind offenbar viele Produzenten im Dorneck, stehen doch dort rund 12'000 Hochstammkirschbäume, Tendenz steigend.

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