«Klick-klick» – schnell noch ein Selfie mit der besten Freundin und dann ab ins Wasser. Was viele Badegäste nicht wissen: In den meisten Schwimmbädern im Kanton Solothurn herrscht ein Fotografierverbot. Den Badbetreibern geht es dabei primär darum, die Intimsphäre der Gäste zu schützen. Das Problem: Zum einen herrscht in der Gesellschaft das Bedürfnis, überall und bei jeder Tätigkeit Selfies machen und Fotos auf Facebook, Instagram und Co. stellen zu können. Zum anderen existiert die Angst davor, unwissentlich und vielleicht in unvorteilhafter Pose abgelichtet zu werden. Im schlimmsten Fall landet das Bild dann auch noch im Internet.

«Bei uns ist das Fotografieren grundsätzlich verboten», sagt Badmeister Arne von Burg vom Schwimmbad «Moos» in Balsthal. Da das Schwimmbad aber WLAN anbiete und man deshalb auch Handys nicht verbieten wolle, handhabe man die Durchsetzung des Verbotes «relativ locker». Was das genau bedeutet? «Rundaufnahmen des Schwimmbadareals und Unterwasserfotografie dulden wir nicht. Wenn wir so etwas bemerken, machen wir die Personen sofort auf das Verbot aufmerksam», so von Burg. Man lasse das Fotografieren aber in einem angenehmen Rahmen geschehen.

Ähnlich gehen die Angestellten der Badi in Olten mit dem Knipsen und Video-Aufnehmen um. Chef-Badmeister Thomas Müller sagt: «Das Fotografieren ist zwar grundsätzlich nicht erlaubt, wir versuchen die Situation aber immer mit gesundem Menschenverstand einzuschätzen.» Das Fotografieren mit dem Handy sei derart in den Fokus der Menschen geraten, dass Müller zufolge ein striktes Verbot kaum durchsetzbar wäre. «Die Gäste sollen zudem Erinnerungen festhalten können und sich hier wohlfühlen.» In der Garderobe im Schwimmbad Olten seien Fotos hingegen streng verboten.

Auch in der Badi in Grenchen wird das Verbot nicht ganz so strikt durchgesetzt. «Wenn die Personen auf dem Bild einverstanden sind, greifen wir nicht ein», sagt der Leiter des Schwimmbads, Paul Markus Joss.

Ist ein Verbot durchsetzbar?

Doch zu kontrollieren, ob sich die Gäste an diese Regelungen halten, ist für Badmeister nicht immer einfach. Denn diese können sich schlicht nicht bei jeder Person erkundigen, ob diese fotografiert werden möchte. Zudem dürfte bei einer Umsetzung der Regelung auch im Hintergrund niemand zu erkennen sein, der vorher nicht sein Einverständnis gegeben hat.

«Die Regeln sind in der Tat nicht immer einfach durchzusetzen. Besonders weil inzwischen die meisten Gäste mit dem Handy fotografieren», gibt von Burg von der Balsthaler Badi zu. Doch wenn Badegäste das Gefühl haben, sie werden ohne ihr Einverständnis fotografiert, melden sich diese Arne von Burg zufolge oft bei den Bademeistern. So könne die Situation sofort geklärt werden.

Dieses Vorgehen funktioniert den Betreibern zufolge auch in den Schwimmbädern in Olten und Grenchen. «Handys und das Internet haben nicht dazu geführt, dass wir strengere Regeln einführen mussten – jedoch, dass wir die Badegäste öfter auf die Regelungen hinweisen müssen als früher», erklärt Joss.

Auch wenn sich jemand auffällig verhalte, melden dies Badegäste angeblich sehr schnell bei den Angestellten. Dass wegen eines «Stalkers» oder jemandem mit pädophilen Absichten die Polizei gerufen werden musste, sei in Balsthal und Grenchen noch nie vorgekommen. «In meinen 13 Jahren als Leiter im Schwimmbad Grenchen mussten wir zweimal eine Person verwarnen, welche sich auffällig verhielt», sagt Joss. Diese Personen hätten die Badi darauf sofort verlassen.

Im Schwimmbad in Olten komme es etwa einmal pro Jahr vor, dass die Polizei jemanden zur Kontrolle auf die Wache mitnehmen müsse. Thomas Müller zufolge haben solche Fälle in den letzten Jahren nicht zugenommen, trotzdem seien die Menschen ängstlicher geworden. Er ist überzeugt: «Manche Dinge werden aus meiner Sicht von der Gesellschaft zu fest aufgebauscht und überbewertet».