Das Thema des diesjährigen Fachanlasses des Branchenverbandes Solothurner Banken lag auf der Hand. Die Fragestellung - «Gibt es im Espace Mittelland eine Immobilienblase?» - lockte über 100 Interessierte vorab aus der Finanzbranche nach Kriegstetten. Das Geschäft mit Hypothekarkrediten sei das zentrale Standbein aller regional tätigen Banken, sagte denn auch Verbandspräsident Markus Boss. Das Volumen der Hypothekarkredite sei massiv gestiegen und immer mehr Warner sprechen von einer Überhitzung auf dem Immobilienmarkt.

«Das Geld ist zu billig»

«Ja, der Immobilienmarkt brummt», sagte Gastredner Donato Scognamiglio. Der Boom lasse sich aber sachlich begründen, erläuterte der Mitgründer und Chef des Zürcher Immobilienberatungsunternehmen Iazi. «Das Geld ist von Genf bis St. Gallen faktisch gratis, die Schweizer Wirtschaft ist gut unterwegs, jährlich ziehen über 80 000 Zuzüger aus dem Ausland zu und das Bauland wird knapper.» Die dadurch ausgelöste Nachfrage habe die Immobilienpreise massiv nach oben getrieben, aber eben regional sehr unterschiedlich.

Dazu zeigte er eine eindrückliche Grafik. Die teuersten zehn Prozent Wohnfläche in einem Einfamilienhaus kosten im Kanton Solothurn rund 6000 Franken pro Quadratmeter. Das ist weniger als die günstigsten zehn Prozent in den Kantonen Zug und Genf. Sein Fazit: «Der Immobilienmarkt Solothurn ist null überhitzt und somit keine Gefahrenregion.»

Mehr attraktive Arbeitsplätze

Dass der Druck auf die Preise nicht stärker ausfällt, führt der Immobilienexperte auch auf das unterdurchschnittliche Bevölkerungswachstum zurück. So sei beispielsweise die Zahl der Einwohner im Kanton Solothurn 2012 mit 0,6 Prozent wesentlich weniger stark gestiegen als landesweit mit 1,1 Prozent. «Die 80 000 Zuzüger kommen nicht nach Solothurn, sondern gehen nach Zürich und Genf.» Davon profitiere den Immobilienkäufer zwar von günstigeren Preisen, aber die Dynamik leide etwas darunter. Deshalb müsse es ein Ziel sein, Firmen mit attraktiven Arbeitsplätzen anzusiedeln, damit die Menschen nicht mehr am Kanton vorbeifahren. «Eine Firma wie Google sollte nach Solothurn ziehen», sagte er provokativ.

«Aus Solothurn wird nie Zürich»

Für Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler war das «ein hartes Urteil». Die Solothurner Wirtschaft sei traditionell auf die industrielle und exportorientierte Fertigung ausgerichtet, betonte sie am anschliessenden Podium. Klar könne man versuchen, vermehrt auf die Dienstleistungsbranche zu setzen. Ob sich das langfristig positiv auswirke, sei aber fraglich. «Denn Solothurn wird nie Zürich sein.» Auch Baumeister und FDP-Kantonsrat Markus Grütter sieht kein «Silicon Valley» im Kanton. Solothurn müsse vielmehr die zentrale Lage besser vermarkten. «Das Potenzial ist noch nicht voll ausgeschöpft.»

Alain Rossier, Chef der Solothurnischen Gebäudeversicherung, widersprach dem gezeichneten Bild, dass im Kanton nicht viel laufe. Die Statistik zeige, dass die Zahl der Gebäude sowie deren Wert in den vergangenen Jahren um über drei Prozent gestiegen sei. Zum Schluss zeigte sich Scognamiglio doch noch versöhnlich. «Zürich macht nichts besser als Solothurn, es ist einfach ein ganz anderer Markt mit einem Grosszentrum.» Allein der Flughafen bringe «extrem viele internationale Firmen in das Millionenzürich».