Kanton Solothurn
Immobiliendeals haben um 50 Prozent zugenommen

So viele Liegenschaften wie 2011 haben im Kanton Solothurn noch nie die Hände gewechselt. Zwei steuerliche Gründe führten dazu: Die Abschaffung der Handänderungssteuer sowie die drohende Besteuerung von Erbschaften.

Franz Schaible
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Zahl der Handwechsel von Liegenschaften ist massiv gestiegen. Hansjörg Sahli

Zahl der Handwechsel von Liegenschaften ist massiv gestiegen. Hansjörg Sahli

Die Zahlen sind eindrücklich und lassen ausserordentliche Ereignisse vermuten. Im vergangenen Jahr wurden in den sechs Solothurner Amtschreibereien insgesamt 4464 Handänderungen, sprich Immobilienkäufe, administrativ verarbeitet. Das sind genau 50 Prozent mehr als im Vorjahr mit 2970 Geschäften. In den zehn Jahren zuvor waren es durchschnittlich 3322 Immobiliendeals, wie Bernhard Zangger, Leiter Controlling Amtschreibereien, auf Anfrage bekannt gibt.

Die zwei Ausreisser nach oben und nach unten haben einen Grund: Das Solothurner Stimmvolk sagte im Herbst 2009 Ja zur Abschaffung der Handänderungssteuer, die beim Kauf von selbst bewohntem Wohneigentum anfällt. Deshalb sind diese Immobiliengeschäfte seit dem 1. Januar 2011 steuerbefreit. Das hatte zur Folge, dass Käufer und Verkäufer mit der Handänderung im 2010 zuwarteten und das Geschäft auf 2011 verschoben.

Nicht alle Handänderungen von der Steuer entbunden

Allerdings sind nicht alle Handänderungen von der Steuer entbunden. Die Befreiung gilt nur für jene Objekte, die als dauerndes und ausschliesslich selbst genutztes Wohneigentum dienen (Einfamilienhaus, Eigentumswohnung oder Bauland in Wohnzone). Rund 2200 Gesuche um eine steuerfreie Handänderung seien im vergangenen Jahr eingetroffen, meldet Marcel Gehrig, Chef des kantonalen Steueramtes. Davon seien 250 Gesuche bei der ersten Kontrolle abgelehnt worden. Beim Grossteil davon habe aber kein Verdacht auf Steuerumgehung bestanden. Vielmehr seien andere Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen. So kämen etwa Grundstücke wie Industrie- und Gewerbebauten, Wald- oder Landwirtschaftsgrundstücke oder Mehrfamilienhäuser für selbst genutztes Wohneigentum nicht infrage. «Solche Gesuche sind aussichtslos.»

Genauer überprüft worden seien rund 50 Gesuche, weil der Einzug bereits im 2010 stattgefunden habe oder ein Miet- respektive Vorvertrag im 2010 abgeschlossen worden sei. Dort habe der Verdacht bestanden, dass, obwohl die öffentliche Beurkundung 2011 stattgefunden habe, die effektive Handänderung bereits im Vorjahr erfolgt sei. Gehrig: «Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde bisher eine Handvoll Fälle abgewiesen, weil aus Sicht des Steueramtes die Handänderung bereits im 2010 stattfand.» Bei einer Steuerumgehung sei die vermeintlich eingesparte Steuer nachzuzahlen, Bussen würden keine ausgesprochen.

1950 Gesuche wurden gutgeheissen

Die übrigen 1950 Gesuche um steuerfreie Handänderung seien in der ersten Kontrolle gutgeheissen worden. Damit ist aber die Arbeit im Steueramt nicht getan. Denn nach zwei Jahren werde zu prüfen sein, ob die Gesuchsteller innert Jahresfrist im Kaufobjekt Wohnsitz genommen hätten und die Wohnsitznahme dauerhaft erfolgt sei respektive mindestens ein Jahr gedauert habe. Wenn dies zutreffe, sei der Fall abgeschlossen. Andernfalls werde die Steuer (2,2 Prozent des Kaufpreises, innerhalb der Familie die Hälfte) nachträglich eingezogen. Führt das Verfahren zu einer Personalaufstockung? Es sei noch offen, wie man den zusätzlich entstandenen Verwaltungsaufwand bewältigen werde, antwortet Gehrig. «Abklärungen sind im Gange.»

Viel Arbeit bescherte den Amtschreibereien auch die mögliche Annahme der nationalen Volksinitiative, die – rückwirkend auf 1. Januar 2012 – die Einführung einer Erbschaftssteuer vorsieht. «Das führte im vierten Quartal zu vielen entsprechenden Schenkungen mit Handänderungen», sagt Zangger.

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