Solothurn
Immer mehr Autos im Kanton – nur bei den Elektroautos hapert es

Jährlich wächst die Zahl der Autos im Kanton. Fast 180'000 Personenwagen und Kleinlaster waren Ende 2018 eingelöst. Nur bei den Elektroautos hapert es. Zwar steigt ihre Anzahl stark an, aber auf sehr tiefem Niveau. Geht der Trend so weiter, dauert es Jahrzehnte, bis Elektrofahrzeuge die Verbrennungsmotoren ablösen.

Lucien Fluri
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Der Bestand an Fahrzeugen im Kanton Solothurn hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdreifacht.

Der Bestand an Fahrzeugen im Kanton Solothurn hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als verdreifacht.

Keystone

Auf den Solothurner Strassen sind so viele Fahrzeuge wie noch nie unterwegs. Das zeigt die neuste Fahrzeugstatistik des Kantons, die vergangene Woche publiziert worden ist. 220 802 Fahrzeuge waren demnach Ende 2018 im Kanton Solothurn zugelassen; ein neuer Rekord.
Zu den über 220 000 Fahrzeugen gehören neben landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Anhängern 173 308 Autos und kleine Transporter, 2891 Lastwagen sowie 20 758 Motorräder.
Im Wachstum begriffen sind seit Jahren alle Fahrzeugkategorien – mit Ausnahme einer einzigen: Die Zahl der Roller und Kleinmotorräder hat von einst über 4000 auf 1158 abgenommen. Sie dürften von Elektrovelos immer stärker aus dem Strassenbild verdrängt werden.

Nur 520 Elektroautos

Ungebremst ist das Wachstum dagegen bei den Autos, auch wenn die Neuzulassungen rückläufig waren. Offenbar werden weniger ältere Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen. Blickt man zurück, so wächst der Automobilbestand pro Jahr um über 2000 Fahrzeuge. 173 000 Autos bzw. Kleintransporter waren Ende 2018 zugelassen, 24 000 mehr als noch vor zehn Jahren.

Auffallend ist: Zwar ist die Zahl der Elektroautos in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Gab es 2013 erst 55 E-Personenwagen im Kanton, sind es inzwischen 520 Elektroautos. Im letzten Jahr waren sogar 110 dazugekommen, zwischen 2017 und 2018 stieg der Bestand von 410 auf die erwähnten 520 Fahrzeuge.

Förderung fördert kaum

Das Ziel jedoch ist ein anderes: Bis 2022 wollen Bund und Kantone sowie die Elektrizitäts- und Autobranche erreichen, dass 15 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge über einen Elektroantrieb verfügen. Das haben sie vergangenes Jahr bekräftigt. Davon ist man im Kanton Solothurn weit entfernt. Mit insgesamt 984 eingelösten Elektrofahrzeugen (neben den Elektroautos auch Scooter, E-Motorräder und Lieferwagen) waren gerade einmal 0,44 Prozent des kantonalen Fuhrparks mit einem Elektroantrieb unterwegs.

Bereits heute allerdings werden Elektrofahrzeuge im Kanton gefördert. Wer ein solches fährt, muss dafür nämlich keine Fahrzeugsteuern bezahlen. Diese Steuerbefreiung gilt seit 1991. Allerdings zeigte sie lange keine Wirkung. Erst zwischen 2014 und 2015 ist die Zahl der Elektrofahrzeuge stark gestiegen. Damals kamen die E-Scooter auf.

Dass die Steuerbefreiung kaum die Zahl der Elektrofahrzeuge im Kanton gefördert hat, das hat nun auch der Solothurner Regierungsrat indirekt zu verstehen gegeben. In der Antwort auf eine kleine Anfrage von Kantonsrat Mark Winkler (FDP, Witterswil) schrieb der Regierungsrat diese Woche: «Es ist anzunehmen, dass andere Gründe wie z.B. die Erhältlichkeit und die Reichweite von E-Fahrzeugen sowie die Lade-Infrastruktur eine wichtigere Rolle spielen als die Steuerbefreiung.» Schliesslich dauerte es über 20 Jahre von der Einführung der Steuerbefreiung bis zu einem wirklichen Anstieg der E-Fahrzeuge.

Doch Steuern auf E-Autos?

Inzwischen entgehen dem Kanton jährlich ungefähr geschätzte 300 000 Franken durch die Steuerbefreiung. Bei insgesamt 72,88 Mio. Franken Einnahmen durch die Fahrzeugsteuern ein kleiner Betrag. Erstmals liess der Regierungsrat nun aber durchblicken, dass man den bisher stets verteidigten Steuererlass bei einem starken Anstieg der Elektrofahrzeuge überdenken müsse. «Sollte der Anteil der E-Fahrzeuge gemäss den Zielen der Roadmap zur Förderung der Elektromobilität stark ansteigen und wäre aus diesem Grund mit hohen Einbussen bei der Motorfahrzeugsteuer zu rechnen, bedürfte es einer Überprüfung» der Steuerbefreiung, heisst es.

Dass der Markt für Elektrofahrzeuge künftig wachsen wird, daran zweifeln allerdings auch die Solothurner Garagisten nicht, wie René Bobnar, der Präsident des Solothurner Autogewerbeverbandes, sagt (vgl. Interview rechts). Der Verband passt derzeit die Ausbildung an, damit der Berufsnachwuchs rechtzeitig für die Elektrofahrzeuge bereit ist.